Daniele Ganser erklärt die Welt: Surprise, Lihop, Mihop, und wie das Imperium USA tickt

Ken FM hat eine Gastvorlesung Gansers Ende 2014 an der Uni Tübingen dokumentiert, und das ist ein wirklich sehenswerter Beitrag.

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Die imperiale Entwicklung, Geostrategie und Medien – Vorlesung von Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser an der Universität Tübingen

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Als am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in den Nord- und den Südturm des World Trade Centers rasten und beide Türme nach kurzer Zeit einstürzten, war die gesamte Welt geschockt. Die mediale Aufmerksamkeit war zunächst bei den eingestürzten Zwillingstürmen, nicht jedoch bei dem ebenfalls eingestürzten WTC-Gebäude 7, das weder von einem Flugzeug getroffen wurde, noch mit einer einzigen Silbe im offiziellen Untersuchungsbericht zu den Anschlägen erwähnt wurde.
Die Aufmerksamkeit lag dann sehr schnell bei der Frage, wer für diese Attacke verantwortlich sei und die Antwort wurde überraschend schnell präsentiert – Osama bin Laden und sein Terrornetzwerk al-Qaida.

Seither steht jeder Moslem unter Generalverdacht und wer das Wort Terrorist hört, denkt in aller Regel an einen bärtigen Turban-Träger, und nicht an einen RAF- oder ETA-Terroristen.

Warum ist das so? Wer lanciert diese Feindbilder und profitiert davon? Welcher Zusammenhang besteht zu den aktuellen Kriegen des 21. Jahrhunderts? Sind diese Einsätze wirklich “Demokratie-Exporte”?

Kann man die USA als Imperium bezeichnen?

All das sind Fragen, auf die der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser in seiner Vorlesung eingeht und die ein fundierteres Verständnis der aktuellen Epoche vermitteln.

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Das reicht für einen netten Abend aus, 1.5 Stunden, recht locker präsentierte Fakten und Hinterfragungen.

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Angenehm bei Ganser ist, dass er keine Wahrheiten verkündet, sondern Fragen stellt, welche die Deutungshoheit des Imperiums und dessen „Leidmedien“ sehr subtil und nachhaltig entblössen. Eine kritische Berichterstattung zum NSU zu 9/11 hat im Mainstream niemals existiert. Ausnahmen bestätigen -wie immer- die Regel.

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Da das hier kein 9/11 Truther-Blog ist, muss man nur die Begriffe definieren, die für die 3 konkurrierenden Thesen zu 9/11 stehen:

Surprise: Man hat maximal lediglich diffuses Vorwissen gehabt, und wurde von den Terrorangriffen überrascht.

Lihop „let it happen on purpose“ bedeutet: Man wusste sehr viel, aber liess den Terror geschehen.

Mihop „make it happen on purpose“ bedeutet: Man machte die Angriffe selbst bzw. beauftragte Leute, sie auszuführen

Etwas genauer erklärt ist das hier: http://www.heise.de/tp/artikel/40/40243/2.html

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Es gibt endlos viele unaufgeklärte Fragen zu den Terroranschlägen am 11.9.2001, die der Grund dafür sind, dass deutsche Soldaten in Afghanistan starben, ein Fakt den nur die wenigsten Deutschen überhaupt kennen. 

Zum ersten und bisher einzigen Mal wurde der Bündnisfall[1][2] vom NATO-Rat am 12. September 2001 als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon ausgerufen, mit der Einschränkung: »sofern die Terrorangriffe von außen gegen die USA gerichtet waren«. Beschlossen wurde der Bündnisfall durch den NATO-Rat erst am 4. Oktober. Zwei Tage zuvor, am 2. Oktober, hatte die US-Regierung Beweise vorgelegt, die einen bewaffneten Angriff der Taliban oder Al Qaidas auf die USA belegen.

http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnisfall#Terroranschl.C3.A4ge_am_11._September_2001

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Sicher ist der (schon vor dem tatsächlichen Einsturz von der BBC gemeldete) Einsturz von WTC 7 „ein rauchender Colt“, aber das soll hier nicht diskutiert werden, und auch nicht kommentiert; dazu haben wir ein Forum.

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Was zu den „Truthern“ und zu den „Alternativen Medien“ zu sagen ist aus unserer Sicht, das wurde bereits veröffentlicht:

Erstaunlich für mich ist dabei, dass die »alternativen Aufklärer« diese Spielchen ebenso mitspielen, und jedes Detail bei 9/11 oder beim Boston-Marathon endlos gehypt wird, während zu staatlich inszeniertem Terror bei uns daheim absolute Ebbe herrscht. Das deutet sehr auf eine gewisse Aufgabe dieser Plattformen hin, die »Truther und Skeptiker« mit gefahrlosen Themen, die weit weg sind, einzufangen und zu beschäftigen.

Den Staatsterror in den USA müssen die US-Bürger aufklären, das ist nicht meine Baustelle. Wir Deutschen sollten uns um Kriminalität unserer Behörden und Regierungen (Länder und Bund) kümmern, das geht uns an – uns als Bürger.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/redaktion/ein-whistleblower-spricht-zum-nsu-fall.html

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Es existieren in Deutschland ähnliche Terrorserien, die jedoch „Truther“ nie interessiert haben, wie das auch beim NSU der Fall ist, und für die man dieselben Begriffe verwenden kann: Surprise, Lihop, Mihop.

Der Deutsche Herbst 1977 ist gemeint.  (NSU-Mordserie geht aber genauso…)

Als Deutscher Herbst wird die Zeit und ihre politische Atmosphäre in Westdeutschland im September und Oktober 1977 bezeichnet, die geprägt war durch Anschläge der Rote Armee Fraktion (RAF). Die Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers, die Entführung des Lufthansa-Flugzeugs Landshut und die Selbstmorde der inhaftierten führenden Mitglieder der ersten Generation der RAF stellten den Schlussakt der so genannten Offensive 77 der RAF und den Höhepunkt des deutschen Terrorismus dar. Der Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Am 7. April 1977 wurden in Karlsruhe vom Kommando Ulrike Meinhof der Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft Georg Wurster von einem Motorrad aus in ihrem Auto erschossen. Die Täter wurden bis heute nicht zweifelsfrei identifiziert.

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Das Besondere daran:

Bis auf die „unterstützende Flugzeugentführung“ der Palästinenser um Wadi Haddad von der PFLP waren die Anschlagspläne des Jahres 1977 bereits 1976 beschlagnahmt worden, bei der Verhaftung des Planers der Anschläge Siegfried Haag:

Wie grottenschlecht Wikipedia ist, das erkennt man am Fehlen des ersten Anschlages mit 3 Toten: Buback:

Am 30. November 1976 wurde Siegfried Haag zusammen mit RAF-Mitglied Roland Mayer verhaftet. Haag trug eine durchgeladene Pistole im Hosenbund. In dem Wagen, in dem beide verhaftet wurden, fand die Polizei brisante Unterlagen. Die sogenanntenHaag/Mayer-Papiere enthüllten Anschlagspläne der zweiten Generation der RAF und enthielten diverse verdeckte Hinweise auf die Planung der Entführungen von Hanns Martin Schleyer und Jürgen Ponto. Diese Hinweise wurden jedoch erst im Nachhinein entschlüsselt. Bei der Anschlagsserie im sogenannten Deutschen Herbst wurde Hanns Martin Schleyer entführt und ermordet und Jürgen Ponto erschossen.

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Bei Siegfried Buback fehlt dann „Operation Margarine [SB] : http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Buback

Der Spiegel:

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/01/28/warum-decken-bka-bfv-bnd-und-baw-den-morder-von-gba-buback-bis-heute/

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Ex-BfV-Mann Winfried Ridder hat in seinen Buch von 2013 geschrieben, Stichwort Haag-Mayer-Papiere:

Seite 107-108

Für die aktuelle Fahndung nach den
Entführern von Hanns Martin Schleyer bedeutete dies keine
Hilfe. Konkret hieß dies: Die Geheimdienste mussten Politik
wie Polizeibehörden bei der Bekämpfung, Vereitelung und
Aufklärung aller terroristischen Aktionen des Jahres 1977
enttäuschen. Dazu gehörten:

• die Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Bu-
back und zwei seiner Begleiter am 7. April in Karlsruhe,
• die Erschießung des Vorstandssprechers der Dresdner
Bank, Jürgen Ponto, am 30. Juli in Oberursel/Taunus,
• der missglückte Raketenanschlag auf das Gebäude der
Bundesanwaltschaft am 25. August in Karlsruhe,
• die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Mar-
tin Schleyer und die Ermordung seiner vier Begleiter am
5. September in Köln,
• die Entführung der Lufthansa-Maschine »Landshut« mit
86 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern auf dem
Flug von Mallorca nach Frankfurt am 13. Oktober,
• die Ermordung Hanns Martin Schleyers am 18. Oktober.

Diese Aktionen waren von den Mitgliedern der RAF in
der Phase der Neuorganisation im Sommer/Herbst 1976
im Jemen in ihren Grundzügen entwickelt und nach ihrer
Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland konkretisiert worden. Auf einem »Herbst-Treffen« im Harz wurden die weitere Vorgehensweise geplant und ein konkreter Arbeitsplan erstellt.

Dieser wurde anlässlich der Festnahme der RAF-Mitglieder Haag und Mayer am 30.
November 1976 sichergestellt. Noch heute ist mehr als
rätselhaft: Wie konnte es sein, dass eine Terrorgruppe
derart leichtfertig in einer geradezu buchhalterischen
Weise gleichermaßen ihr Innenleben und ihre »militärischen« Angriffsziele protokollierte und an den konkreten Planungen auch dann noch festhielt, als sie den Sicherheitsbehörden bekannt waren?

Tatsache ist: Die Sicherheitsbehörden wussten spätestens seit Ende 1976, mit
welchen Angriffen sie zu rechnen hatten und gegen wen sich die terroristischen Aktionen richten würden.

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Sehen Sie, das ist „Lihop“ oder Mihop“:

Man wusste es, und Bubacks Wagen war ungepanzert, etc pp.

Oder haben Sie es überlesen?

Wie konnte es sein, dass eine Terrorgruppe derart leichtfertig in einer geradezu buchhalterischen Weise gleichermaßen ihr Innenleben und ihre »militärischen« Angriffsziele protokollierte und an den konkreten Planungen auch dann noch festhielt, als sie den Sicherheitsbehörden bekannt waren?

Tatsache ist: Die Sicherheitsbehörden wussten spätestens seit Ende 1976, mit
welchen Angriffen sie zu rechnen hatten und gegen wen sich die terroristischen Aktionen richten würden.

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Das ist nicht „Surprise“ wie in Wikipedia:

In dem Wagen, in dem beide verhaftet wurden, fand die Polizei brisante Unterlagen. Die sogenanntenHaag/Mayer-Papiere enthüllten Anschlagspläne der zweiten Generation der RAF und enthielten diverse verdeckte Hinweise …

Diese Hinweise wurden jedoch erst im Nachhinein entschlüsselt.

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Ist das nun „Lass es geschehen“, oder ist das „machen wir selber mit unseren Terroristen-V-Leuten, das lenken wir“ ? Lihop oder Mihop?

Inzwischen hat der Verfassungsschutz jedoch neue Dokumente vorgelegt, die Frau Becker von der Mittäterschaft entlasten. In den Dokumenten vom 16. November 1981 heißt es, dass „Becker und Mohnhaupt … im April 1977 nach Bagdad geflogen“ seien.

Leider seien die Originaldokumente nicht mehr vorhanden, die entsprechenden Tonbänder gelöscht, die Originalabschriften und weite Teile der Akten verschwunden und der Verfasser der jetzt erst aufgetauchten Dokumente schon gestorben.[14]

http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Haag

Quelle 14 ist der Spiegel:

Und auf den Briefkuverts, in denen die RAF etwa eine Woche nach dem Fanal ihre Bekennerschreiben verschickte, wurde Beckers DNA entdeckt. Den Verfasser des jetzt aufgetauchten Dokuments kann das Gericht nicht mehr befragen, er ist tot; die Tonbänder sind gelöscht, die Originalabschriften und weitere Teile der Akte verschwunden.

Für das Verfahren gegen die einstige Untergrundkämpferin, die heute als Heilpraktikerin und Frührentnerin in Berlin lebt, sind die beiden Geheimvermerke dennoch Gift. Sie verstärken nicht nur die Verschwörungstheorie des Buback-Sohns Michael, der als Nebenkläger auftritt und vermutet, dass Becker seinen Vater erschossen hat und bis heute vom Verfassungsschutz gedeckt wird.

Die Dokumente werfen auch die Frage auf, ob in dem Verfahren alles mit rechten Dingen zugeht. Denn die Ankläger kennen die Irak-Episode schon seit einem Jahr. Im September 2009 konnte der ermittelnde Bundesanwalt Walter Hemberger beim Verfassungsschutz in Köln alle Dokumente der mehrbändigen „Zauber“-Akte lesen, inklusive des nun aufgetauchten Bagdad-Vermerks.

Laut Gesetz muss die Anklagebehörde be- wie entlastende Indizien zusammentragen. Doch in der Anklageschrift taucht die angebliche Irak-Reise mit keinem Wort auf. Zwar hatte die Bundesanwaltschaft um die Freigabe sämtlicher Becker-Akten des Verfassungsschutzes gebeten. Doch als das zuständige Bundesinnenministerium für den Prozess nur die 227 und 82 Seiten starken Zusammenfassungen der „Zauber“-Vermerke entsperrte, schwiegen die Bundesanwälte und behielten das exklusive Wissen über die weiteren Papiere für sich.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73989787.html

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Wie soll denn bitte diese Bundesanwaltschaft auch nur einen einzigen Mord der RAF 3. Generation aufklären? Rohwedder, Herrhausen, 10 Morde? Wie bitte soll denn ein unabhängiges Gericht gefunden werden, welches den Buback Mord endlich aufklärt? Und was bedeutet das wohl für das neue Ermittlungsverfahren beim Oktoberfest-Attentat? Vom NSU ganz zu schweigen, wo sogar die Verteidiger „embedded“ sind?

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Das funktioniert seit mindestens 40 Jahren nicht, das mit der Aufklärung von Terror, und das wird auch so bleiben, den Medien sei Dank. Und dem Desinteresse der Alternativen Medien ebenso. Dem Versagen der „Neuen Rechten“ ebenso wie dem der „Truther“. Auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es müssen mehr werden.

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