Wie ich für das ZDF zum Nazi wurde

von Zugschlampe

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Damit es nicht allzu ernst und seriös wird auf diesem Blog wird heute mal ein kräftiges Stück Enthüllungsliteratur geboten, ein Schinken, der sich gewaschen hat. Zwar werden hier keine Aussagen strukturiert zusammengeführt, aber es wird aus meinem Leben erzählt; wie es mit dem geheimnisvollen Nationalsozialistischen Hintergrund angefangen hat und wie ich am Ende für das ZDF zum Nazi wurde.

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(Ehemalige Stasizentrale in Halle Neustadt)

Im Jahr 2006 brauchte ich aus familiären Gründen dringend Geld. Es entspann sich eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das zwar legale und im Grunde unauffällige Geschäfte machte, dennoch aber mit einem gewissen Hautgout zu tun hatte, zumal man personell aus einer ehemaligen Abteilung der Stasi-Bezirksverwaltung Halle zusammen gesetzt war. Intern kokettierte man immer mal wieder mit dem Image der „Stasi-Seilschaft“, und es war klar, dass man unter scharfer Beobachtung stand. Die Russen gingen in alter Freundschaft dort ein und aus.

Eines Tages kontaktierte mich dann ein Mann, der „eine neue Homepage im Internet hatte“ (so sagte man damals noch) und bot mir ebenfalls eine Zusammenarbeit an. Der Mann hatte das Geschäftsmodell der Hallenser kopiert und schien nun von einem Dorf in Brandenburg aus Mitarbeiter zu suchen. Ich fragte die Hallenser, ob der Kerl sauber sei und was das solle, doch man lachte nur und meinte, das sei keine Konkurrenz sondern etwas anderes. Ich sollte doch mal was mit dem Mann machen und Bericht erstatten, man freue sich schon auf meine Erzählungen.

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(Der heutige Anwalt U.B.)

Das Treffen mit dem Kerl ist jetzt zehn Jahre her; es war eine andere Zeit. Ich „googelte“ den Mann und mir knallten Resultate entgegen, die doch einigermaßen erstaunlich schienen. Ehemaliges Mitglied der Nationalistischen Front, Hess-Märsche angemeldet, in Nachmittags-Talkshows als Neonazi aufgetreten, in den 90ern das Nationale Infotelefon betrieben, CDU unterwandert, PDS unterwandert, Offizier der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr.

Mein lieber Scholli, dachte ich und traf mich mit dem Mann. Doch wer begegnete mir?

Ich saß einem braungebrannten, sympathisch aufgeschlossenen Menschen gegenüber, der auf mich einfach wie ein moderner, sympathischer Homosexueller wirkte. Keine nennenswerten Komplexe, keine Berührungsängste und keine gedrückte Minderwertigkeit, ausländerfreundlich, lässig, humorvoll.

Im Nachhinein war mir dann natürlich klar, warum mich die Hallenser ein wenig ausgelacht hatten. Da hatte mich jemand aushorchen wollen. Ich machte dann ein paar Sachen für die „Firma“ des Mannes, die gelinde gesagt, satirischen Charakter hatten. Er hätte damit kein Geld verdienen können, und dennoch erhielt ich immer wieder mal einen schönen Auftrag. Schließlich begegnete ich bei einem Treffen mit dem merkwürdigen Auftraggeber einem Mann, den ich später als nicht unbedeutende Figur des geheimdienstlichen Untergrunds der BRD wieder erkannte.

Eines Tages war die Firma des Mannes aus dem Internet verschwunden; er arbeitete plötzlich als Anwalt an guter Adresse in Berlin. Man akzeptierte ihn als Mitglied der besseren Gesellschaft, wozu prominente Journalisten nicht wenig beitrugen. Ich verlor jeden Kontakt, brauchte ihn auch nicht mehr.

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(Der ehemalige libanesische Botschafter in der BRD, Ramez Dimechkie)

Jahre gingen ins Land. Als in Stregda das Wohnmobil brannte, regte sich in mir sofort ein hartnäckiges Misstrauen, aber ich hatte ja keine Ahnung von den tatsächlichen Vorgängen. Im selben Herbst lernte ich zufällig den damaligen Botschafter des Libanon kennen; unsere Kinder besuchten den selben Kindergarten. Es war eine sehr herzliche Bekanntschaft, wir haben oft Zeit miteinander verbracht und leidenschaftlich diskutiert.

Ich habe die Araber, aber auch die Türken, immer dafür geliebt, dass sie ihre Gäste mit wenigen Gesten in eine persönliche Wertschätzung hüllen, die sogar den Alkohol überflüssig macht. Man kann mit diesen Menschen lange reden, ohne sich niederzusaufen; noch der überflüssigste Gast wird für ein paar Stunden mit dem Gefühl versorgt, dass man ihm gern zuhört. Und man lernt sofort ein wenig Arabisch, sie bringen einen in kurzer Zeit so weit, dass man sich am Telefon auf Arabisch unterhält.

Kurz bevor Ramez in Rente ging und seine Frau den Botschafterposten in der Ukraine antrat, wurden die Gespräche ein wenig ernster. Wir sollten uns nicht so knebeln lassen, und ich solle aufpassen, man habe nach mir gefragt.

Heute weiß ich, dass man nicht wichtig sein muss, um überwacht und schikaniert zu werden. Es genügt, verdächtig zu sein.

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(Karl Heinz Hoffmann und Autor)

Tatsächlich meldeten sich in jener Zeit immer wieder Leute übers Internet bei mir; diese Leute schienen mich in irgend einer Weise zu Straftaten verleiten zu wollen. Wenn man aber vom Schreiben lebt, erkennt man alte Bekannte an jeder Zeile, wie an einem vertrauten Gesicht, dessen Augenpartie durch den bekannten schwarzen Balken verdeckt ist.

Ich hatte begonnen, gelegentlich in Zeitungen zu publizieren, die nicht mehr dem politisch korrekten Spektrum zuzurechnen waren, lernte Karl Heinz Hoffmann kennen und musste begreifen, dass es in der so genannten rechten Szene einen Haufen hautamtliche Polizisten und nebenberufliche Spitzel gibt. Der Arbeitskreis NSU bildete sich, und irgendwelche Geheimdienste begannen, sich demonstrativ in meiner Umgebung zu produzieren.

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(Elmar Theveßen im Gespräch mit Verfassungsschutzpräsident Maaßen)

Es war lächerlich; ich habe in meinem ganzen Leben noch nie „Geheimwissen“ besessen oder Kontakte gehabt, die für den Rechtsstaat in irgend einer Weise bedrohlich gewesen wären. Da wurde im Sommer 2015 ein Film zum Thema NSU gezeigt, und zwar auf 3Sat, einem Sender, der keinesfalls unter alleiniger Kontrolle der BRD und ihrer Politik steht. Der Film konnte dann trotz einschlägiger Programmplanungen nicht im ZDF-Hauptprogramm gezeigt werden, weil sich Filmemacher Rainer Fromm aufgrund meiner Präsenz dagegen ausgesprochen hatte.

Irgendwo war ein Wissen entstanden, ich sei ein Böser. Der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, bekannt auch von Kamingesprächen mit dem derzeitigen Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, schien meine unbedeutende Person für einen Nazi zu halten. Woher er das zu wissen glaubte? Keine Ahnung; bei der Begründung soll darauf hingewiesen worden sein, dass ich als Mitglied des Redenschreiberverbands nicht nur Bruno Kreisky sondern auch Josef Goebbels als guten Redner bezeichnet hätte.

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Immer gut, wenn man einen Sicherungsblog hat. wir haben mehr als einen…

6 Kommentare

  1. Hat dies auf Harmlose Kondensstreifen ? rebloggt und kommentierte:
    Hier fällt mir immer wieder ein, als Kachelmann seinerzeit am Amtsgericht Tiergarten angezeigt wurde, weil er pauschal Umweltschützer als Nazis diffamiert hatte. Der Richter war aber vor Jahren schon der Meinung, Nazi sei kein strafbares Schimpfwort mehr, weil es inflationär gebraucht werde, um gegnerische Positionen zu brandmarken !

    Gefällt 1 Person

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