Noch ein NSU-Krimi: Wolfsspinne

Wieder mal geht es um den NSU, und erneut ist das Geschehen in Eisenach am 4.11.2011 ein Thema:

Zwischenablage1858Wer ist der neue Schorlau?

eckert

Heute lebt Eckert als freier Autor in Düsseldorf. Er gilt als „der wichtigste Vertreter des hartgesottenen Kriminalromans in Deutschland“ (Ulrich Noller, WDR).

Hartgesotten, so so. Was meint er denn so zum NSU? (Auszüge)

Eckert Am Anfang stand der Nationalsozialistische Untergrund. Ich war schockiert, als im November 2011 bekannt wurde, dass Neonazis jahrelang unentdeckt von der Polizei töten konnten. Ich wusste sofort, dass ich über diese Terrorgruppe schreiben muss. Seitdem habe ich recherchiert und Material gesammelt, ich habe nur nicht gleich einen Zugang gefunden. Deshalb hat es eine Weile gedauert.

Im Zentrum steht aber der NSU. Warum wollten Sie über ihn schreiben?

Eckert Es gibt so viele Ungereimtheiten und offene Fragen bei diesem Fall. Neun Männer mit Migrationshintergrund und eine Polizistin wurden in verschiedenen deutschen Städten mit derselben Waffe erschossen. Heute wissen wir, dass der NSU dahinter stand. Die Polizei sprach aber jahrelang nur von „Döner-Morden“ und einer angeblichen Türkenmafia. Nach dem Tod der NSU-Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt schredderte das Bundesamt für Verfassungsschutz Akten zu V-Leuten in der rechten Szene.

Für Sie blieben Fragen offen?

Eckert Ja. Was sollte da vertuscht werden? Ein Verfassungsschützer war in Kassel bei einem der Morde zur Tatzeit am Tatort. Soll das wirklich nur Zufall gewesen sein? Welche Rolle spielten die Geheimdienste? Solche Fragen beschäftigen mich sehr. Ich misstraue der offiziellen Version und will den Finger in die Wunden legen.

Ihre Romanfiguren haben andere Namen, aber die Mitglieder des NSU sind deutlich zu erkennen. Was ist Dichtung und was ist Wahrheit in „Wolfsspinne“?

Eckert Mein Thriller ist Fiktion, aber zugleich eine realistische Antwort auf viele offene Fragen. Ich behaupte nicht, dass es so war, aber es könnte so oder ähnlich gewesen sein. Ich beziehe mich auf die realen Verbrechen des NSU. Wenn ich aber schildere, wie Mundlos und Böhnhardt zu Tode kommen, stelle ich die offizielle Version infrage. Selbst der Untersuchungsausschuss des Landtags von Thüringen hat bezweifelt, dass es Selbstmord war. Daran knüpfe ich an.

Wie kommen Sie auf Mord?

Eckert Es gibt einige Gründe, die gegen die offizielle Selbstmord-Version sprechen. Zum Beispiel war die Waffe durchgeladen, durch die beide zu Tode kamen. Es kann passieren, dass sich ein Gewehr selbst durchlädt, wenn es auf den Boden fällt, es ist aber unwahrscheinlich. Es gibt zudem Tatortfotos im Internet, die vermutlich Polizei-Whistleblower veröffentlicht haben. Zu sehen ist Mundlos in dem Wohnmobil, in dem er und Böhnhardt gefunden wurden. Aber auf der Wand, vor der er sich erschossen haben soll, ist kein Blut zu sehen. Das zum Beispiel spricht dafür, dass er nicht dort gestorben ist.

Was wollen Sie mit Ihrem Thriller erreichen – wollen Sie alternative Versionen beweisen?

Eckert Nein, darum geht es mir nicht. Ich will die Leser auch nicht in eine bestimmte politische Richtung lenken. Es würde mich aber freuen, wenn mein Thriller sie anregt, über unsere politische Wirklichkeit nachzudenken. Darüber, warum der NSU so lange unentdeckt bleiben konnte, oder über zunehmende rechte Gewalt.

Ist das Unterhaltungsgenre das richtige Umfeld dafür?

Eckert Ich sehe das so. Es gibt ja unterschiedliche Arten zu unterhalten. Ich mag es, wenn in einer spannenden Geschichte Bezüge zur Wirklichkeit so stark werden, dass man anfängt, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE SABINE SCHMIDT.

Das klingt doch alles sehr vertraut. Blut-Hirn-Matratzen-Paradoxon, das wundersame Durchladen der Repetierwaffe, und fleissig Material im Internet gesammelt hat der Autor ebenfalls.

wand-huelsen

@anmerkung meint dazu:

Der einzige Selbstzweck des Buches ist, im Fahrwasser von Schorlau auch dutzende zehntausend Kröten abzufassen. Kann er sich abschminken, wenn er zu faul ist, Aktenstudium zu betreiben. Gottseidank sind nicht alle Akten veröffentlicht worden. Die deutschen Literaten würden ein poetisches Massaker anrichten, wenn sie weiteres Material hätten.

Böse, wie immer, dafür mögen wir ihn…

Ein berechtigter Einwand:

Ebenso unwahrscheinlich ist, dass das durchladende Gewehr (die beiden Gewehre) unter der zuerst erschossenen Person zu liegen kommt, demzufolge Menzel es nicht zu sich harken kann, daraufhin Menzel die Gerichtsmedizinerin Mall bittet, sich die Lage der Leiche L1 und Waffen anzuschauen, um später Druckstellen/Leichenflecke erklären zu können, die entstehen, wenn Leichen AUF einem harten Gegenstand liegen!

Wo lag die Maverick-Pumpgun? Unter Böhnhardts Füssen, also weiter vorne, fast am Fahrerhaus.

Wo lag die „Selbstmord-Winchester“? Unter Böhnhardts Oberkörper.

Wie kam die da hin, wenn doch Mundlos zuletzt sich selbst erschossen haben soll, und Böhnhardt bereits tot war? Unter Böhnhardt kann die Pumpgun nie und nimmer gerutscht sein, nach dem „finalen Schuss“.

PD Menzel „erharkt“ die Pumpgun, damit Frau Mall die Lage der Waffe unter Böhnhardt bei der Interpretation der Leichenflecken berücksichtigen möge:

.

Wie kam die dort hin, unter Böhnhardt, ohne dass die Leichen dort „arrangiert wurden“?

Ob der neue Krimi diese wichtige Frage beantworten wird?

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