Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 1

eine Serie von @riemenkarl

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In dieser Serie soll der Tattag (heute vor 11 Jahren) mit seinen Geschehnissen dargestellt werden.

Als Grundlage werden dafür die Tatrelevanten Zeugenaussagen chronologisch aufgelistet und in Bezug mit anderen wichtigen Fakten zusammengeführt. Ziel ist es auch, den Tagesverlauf der Opfer und den damit zusammenhängenden Ereignissen – vor, während und nach der Tat – ein wenig klarer beleuchtet zu können. Die Darstellung bezieht sich somit vom Dienstantritt bis kurz nach der Tat. Die wichtigsten Phantome werden nur knapp beleuchtet. Kriminaltechnische Untersuchungen und die Tatortermittlung werden hierbei weitestgehend ausgeklammert, da das Ganze dann schlichtweg zu überkomplex würde. Nach alter Manier werden wieder die nötigen Querverbindungen und Hinweise aufgeführt um die einzelnen Fakten gedanklich miteinander verbinden zu können.

Auch soll der wichtigste Zeuge Martin Arnold hier mit einfließen, der nur durch ein Wunder diesen feigen Anschlag überlebte. Zu seinen Aussagen ist aber vorab zu erwähnen, dass die Ärzte seine Erinnerungsfähigkeit im Nachhinein als wertlos einstuften, wohingegen die Ermittler dennoch einiges auf seine Aussagen gaben. Welche Darstellungen von ihm real sind kann nachträglich nicht mehr genau bewertet werden. Sowohl ein durchaus nachvollziehbarer Angstfaktor, als auch der Versuch Lückenhafte Erinnerungen von außen zu ergänzen, spielen hier mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ein.

Eine weitere Auffälligkeit sei vorab bemerkt: die Zeugenaussagen sind zum Teil nachgebessert und unklar in ihrer Darstellung. Manche Zeugenaussagen wurden sogar falsch protokolliert. Wiederum andere fehlen sogar gänzlich in den Akten. Dem interessierten Leser sei eines versprochen: Viele Narrative werden in folgender Serie gründlich hinterfragt.

Viel zu viel ist nach all den Jahren immer noch völlig unklar. Alles ist zu hinterfragen.

Morgens. Dienstantritt.

Laut offizieller Lesart sollen Michele Kiesewetter und Martin Arnold gemeinsam am Tattag den Dienst verrichtet haben. Wie begann also der Tagesverlauf von beiden Opfern?

Tagesverlauf anhand der Privathandy-Login-Daten von Michele Kiesewetter und Martin Arnold

Um den Vormittag und die damit verbundene und angebliche gemeinsame Diensttätigkeit verknappt zu beleuchten, nehmen wir uns hierzu eine Auflistung der Privathandy-Log-in Daten zur Hand.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/06/02/25-4-2007-teil-12-das-mobilfunknetz-wie-funktioniert-es-stimmt-der-gemeinsame-tagesablauf-der-opfer/

Aus den aufgelisteten Dateien aus Ordner.1 wird ersichtlich, dass die Log-In Daten beider Opfer an unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten registriert worden sind. Eine Auffälligkeit findet sich zum Mittag. Martin Arnold war um 12:14 UHR in der Heilbronner Moltkestraße und Michele Kiesewetter um 12:15 UHR in der Heilbronner JFK-Straße, in der Nähe des PD Heilbronn. Somit waren beide nahezu gleichzeitig hunderte Meter voneinander entfernten und an völlig unterschiedlichen Orten.

Anmerkung:

Zu den Log-In Daten ist noch folgendes zu sagen (Wikipedia):

Der genaue Aufenthaltsort des Mobiltelefons in einem GSM-Mobilfunknetz über die CID (eigentliche Registrierung) wird dem Netz erst mit dem Aufbau einer Verbindung, etwa durch einen Anruf oder dem Versand oder Empfang einer Kurznachricht, bekannt.

Handy-Daten:

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/06/02/25-4-2007-teil-11-handynetz-funkantennen/

Dienst von Michele Kiesewetter

Offiziell war sie für die BFE 523 für diesen Tag eingeteilt. Der Grund dafür ändert sich in verschiedenen Versionen. Mal sprang sie für einen kranken Kollegen ein und Mal grätschte sie angeblich freiwillig auf die Einsatzliste. Wodurch sie zu ihrer Diensteinteilung für den 25.04.2007 kam, dazu sind nach wie vor viele Fragen offen. Fakt scheint zu sein, dass man Michele Kiesewetter früh morgens am 25.04.2007 gegen 06:30 UHR, nach dem Duschen in der Böblinger Kaserne sah. Mehrere Zeugen bestätigen ihre morgendliche Anwesenheit in Vorbereitung für ihren Dienst. Auch ein anderer Kollege, der eine interessante Beobachtung machte, bestätigte Ihre Anwesenheit. So sagte Marcello P. aus, dass er Michele Kiesewetter morgens alleine im BMW-Streifenwagen aus der Böblinger Kaserne fahren sah. Mit wem sie später in den folgenden Stunden ihren vormittäglichen Dienst vollbrachte, darf weiter gerätselt werden. Dazu später mehr.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/08/30/wer-holte-kiesewetter-zum-dienst-an-ihrem-todestag/

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/05/27/25-4-2007-teil-6-wie-kam-michele-kiesewetter-zu-ihrem-einsatz-in-heilbronn-wer-war-inkognito-dort-und-warum/

Dienst von Martin Arnold

Ein weiterer Punkt der angeblichen vormittäglichen und gemeinsamen Diensttätigkeit, wird durch die Frage deutlich, ab wann Martin Arnold überhaupt zum Dienst kam. Der angebliche und noch immer unklare Tausch des Dienstbeginnes der BFE 523, von 12:30UHR auf 8:30 UHR, fällt auch am Beispiel Martin Arnold auf und wirkt unweigerlich in den Tagesverlauf mit ein.

Anmerkung:

Dienstplan der BFE-523, für den 25.04.2007: Die Dauer der Einsatzkonzeption, bzw. der Dienstbeginn, wurde mit 08:30UHR bis 19:45 UHR angegeben. Die noch am Tattag an die SOKO gefaxte offizielle Version ist jedoch mit 12:30 UHR Dienstbeginn angegeben. Es wurde nie endgültig geklärt warum der Dienst der BFE-523 so früh vorverlegt/dargestellt wurde! Auch der nachträglich geänderte Einsatzplan mit der Änderung auf 8:30 UHR ist verschwunden!

Sowohl in den Dienstplänen der BFE 523 und auch der EZ 514 ist Martin Arnold NICHT für den 25.04.2007 eingetragen! Wie kam er also ab wann und wodurch an jenem Tag zu seinem Dienst nach Heilbronn?

Zu seinem Tagesverlauf gab er an, am Morgen des 25.04.2007 zuhause in der elterlichen Wohnung in Sindelfingen, zwischen 08:00 UHR und 09:00 UHR morgens aufgestanden zu sein und sich langsam für den Dienst fertig gemacht zu haben. Dieses Verhalten suggeriert einen späteren Dienstantritt als 08:30 UHR. Maik S., die Urlaubsvertretung vom Dienstzimmerbeauftragen der BFE 523 Sven H., will abends am Tag vor dem Mord, die Einheit telefonisch über den frühen Einsatzbeginn von 08:30 UHR informiert haben.

Anmerkung:

Martin Arnold soll an jenem Tag offiziell der BFE 523 zugeteilt worden sein. Dies sagen die Einsatzlisten. Wieso stand er erst so spät auf, wenn die BFE 523 doch einen Tag vor dem Mord telefonisch durch Maik S. über die zeitliche Änderung auf 08:30 UHR informiert worden gewesen sein soll? Eine logische Handlung von Martin Arnold wäre z.B. hierbei gewesen: in der Kaserne der 5. BP in Göppingen zu übernachten, sich den Wecker für 07:00 UHR zu stellen und dementsprechend früh einsatzbereit zu sein. Martin Arnold vermittelt in seiner Aussage aber klar, dass er davon ausging spät zum Dienst zu müssen, da er den Tag gemütlich (Originaler Wortlaut) gegen 08:00UH und 09:00 UHR startete. VERMUTUNG: Der frühe Einsatzbeginn könnte nachkonstruiert worden zu sein, um eine dementsprechend frühe Anwesenheit der BFE 523 in Heilbronn zu erklären.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/06/17/25-4-2007-teil-16-warum-stand-arnold-erst-nach-dienstbeginn-auf/

Wenn Martin Arnold also davon ausging erst regulär um 12:30 UHR anfangen zu müssen, so wie nebenbei erwähnt der Dienstbeginn der EZ 514 für den Tattag um 12:30 UHR angesagt war, dann ist es plausibel im elterlichen Heim dementsprechend lange aus zu schlafen.

Im Zusammenhang der Einsatzzeiten fällt noch etwas anderes auf. Martin Arnold sagte bei seiner ersten Vernehmung auf die Frage, in welchem Streifenwagen er sich befunden habe, dass er in einem VW T-4 gesessen sei. In der Einheit EZ 514 gab es am Tattag einen VW T-4 der im Einsatz war. Wäre also eine geplante und nicht schriftlich festgehaltene Zuordnung Martin Arnolds Tage zuvor zur EZ 514 denkbar? War er vielleicht kurzzeitig ein Besatzungsmitglied dieses VW T-4 und ebenso der EZ-514 zugeteilt? Laut offizieller Darstellung war dem nicht so. Er wird später auf der Einsatzliste und als Streifenpartner von Michele Kiesewetter, also der BFE-523, geführt.

Anmerkung:

Mit der Annahme von Martin Arnold erst so spät zum Dienst zu müssen und gedanklich mit der Frage der Ermittler verknüpft, in welchem Polizeifahrzeug er gesessen habe -woraufhin seine erste Angabe dazu ein VW T-4 Bus war – dann ist dieser Gedankengang nicht ganz unwahrscheinlich, dass er kurzzeitig mit der Einheit der BFE-514 mit fuhr. Wurde er mit einem T-4 Bus abgeholt oder fuhr er als Besatzungsmitglied, wenn auch nur vormittags für kurze Zeit, darin mit? Die Kollegen die diesen T-4 nachweislich fuhren wurden allesamt nicht auf die Äußerung von Martin Arnold hin befragt. Selbst dieser T-4 wird auch im nervenärztlichen Gutachten von ihm wieder erwähnt. Worin steht, dass ein Konvoi von circa drei Autos, darunter ein VW T-4 und ein BMW 5er, von Böblingen aus zum Einsatz gefahren sind! Ein T-4 war auch nachweislich an jenem Tag im Einsatz!

Eine weitere Auffälligkeit zeigt sich durch einen Anruf, der seine ersten Erinnerungen und die oben dargestellte Hypothese untermauern könnte. Martin Arnold hat am Tattag ein Telefongespräch gegen 10:12 UHR erhalten. Dies geht aus der ausgewerteten Providerliste seines Privathandys hervor. Auffällig hierbei: Die Geo-Daten dieses Telefonats sind dazu nicht aufgeführt. Was könnte das bedeuten? War er zu diesem Zeitpunkt noch zu Hause in Sindelfingen, da er davon ausging erst um 12:30 UHR seinen Dienst antreten zu müssen?

Anmerkung:

Geo-Daten= gegenwärtige Standortangabe des Handys bei einem Telefonat/SMS.

Vermutlich könnte er zu diesem Zeitpunkt wirklich noch zu Hause in Sindelfingen gewesen sein. Aufgrund der Tatsache, dass Martin Arnold auf keinen Einsatzlisten der beiden Einheiten auftaucht, kann hieraus vermutet werden, dass ihm in diesem Telefonat sein kurzfristiges Einspringen mitgeteilt wurde. Im Umkehrschluss wäre die in Ordner1 vermerkte Handy-Registrierung (um 10:37 UHR in Heilbronn-Böckingen) eine grobe Fälschung um seinen regulären Dienstantritt und seine gemeinsame (und durchgängige) Streifentätigkeit mit Michele Kiesewetter plausibel erscheinen zu lassen.

Den Gedanken nun einmal weiter gesponnen…

Wenn Martin Arnold um 10:12 UHR vermutlich noch immer Zuhause war, er angerufen und zum Dienst beordert wurde, er daraufhin ungefähr 1h15min Fahrt benötigte um von Sindelfingen nach Böblingen in die Polizeikaserne und dann wiederum nach Heilbronn zu kommen, kann er Ergo nicht gegen 11:00 UHR (oder etwas später) beim Bäcker einkaufen gewesen sein! Dann wären wir rein rechnerisch bei der Zeit von 11:27 UHR in Heilbronn. Die vermutete Zeit für den Aufenthalt in der Polizeikaserne und das „Fertigmachen“ zu Hause (Anziehen, Ausrüstungsempfang, Einsatzbesprechung, Autowechsel…) sind dabei nicht mit drin. Diese Zeiten würden sich addieren sodass man vermutlich locker die 12:00 UHR Marke ankratzt um schlussendlich in Heilbronn an zu kommen.

Der Antritt der Schulung wäre rechnerisch möglich, hebelt sich aber selbst aus, da sein Handy um 12:14 UHR in der Moltkestraße in Heilbronn registriert wurde und sich niemand an seine Anwesenheit in der Schulung erinnert!

Sollte diese Annahme und das Telefonat von 10:12 UHR stimmen, dann wird nicht nur die offizielle Darstellung zum Dienstantritt hinfällig, sondern dann muss automatisch eine plausible Erklärung dafür her, wer ihn anrief, was gesprochen wurde und auch vielleicht warum er so kurzfristig zum Dienst geholt wurde. Es ist schlichtweg nicht völlig klar welche Log-in-Daten von beiden stimmen (10:12 UHR oder 10:37 UHR). Aber seine Aussagen und die Uhrzeit 10:12 UHR sollte man ernst nehmen. Auch Maik S. sollte nochmal dringend nach dem ominösen Diensttausch und dem Erscheinen von Martin Arnold befragt werden. In Anbetracht dessen, dass er eventuell so kurzfristig zum Dienst kam und später zum Opfer eines feigen Anschlages wurde, beschleicht einen ein seltsames Gefühlt…

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/06/01/25-4-2007-teil-10-arnolds-wundersames-privathandy-auch-2-nummern/

Unterm Strich gesehen: Sowohl Dienstgrund und Dienstantritt sind bei beiden noch immer viel zu unklar. Und gerade weil es bis heute dazu noch viel zu wenige klare Antworten gibt, muss man sich fragen, warum war es nötig, dass beide an diesem Tag gemeinsam Dienst hatten.

Und vielleicht auch in dem Zusammenhang: Warum fielen gerade diese beiden zum Opfer?

Ende Teil 1

Ein Kommentar

  1. also, Herr Riemenkarl: da machen Sie es Ihren Kritikern aber leicht. Die von Ihnen zu recht diagnostizierten eklatanten Widersprüche in Bezug auf den Dienstantritt von Martin Arnold sind allesamt der üblichen Behördenschlamperei zuzurechnen, werden die sagen. Solange keine auch nur hypothetisch formulierten Vermutungen über die vorsätzliche Vertuschung von Ihnen gemacht werden, hängt die Analyse in der Luft.

    Meine Vermutung:

    Kiesewetter ist dahintergekommen, dass die lieben Kollegen gemeinsame Sache mit OK in der Drogenszene gemacht haben. Sie wollte nicht mitmachen und auspacken. Deshalb die Ermordung der Kiesewetter. Es gibt hinreichend Material in den geleakten Akten, um diese Vermutung zu untermauern. Arnold wollte wohl auch nicht mitmachen. Normalerweise wird so etwas mit Unfall oder Selbstmord inszeniert. Dafür war wohl keine Zeit

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