Gastbeiträge

Video: Da wird in absehbarer Zeit nichts aufgeklärt. Riemenkarl zu Heilbronn

Eine Stunde Gespräch mit fatalist, wie konnten die Ermittler nur derart versagen?

Sie konnten!

Sie sollten!

Sie hatten zu versagen?

Warum?

Lesen Sie:

http://arbeitskreis-n.su/blog/2018/05/03/heilbronn-am-25-04-2007-der-tagesablauf-teil-8/

Schauen Sie:

http://arbeitskreis-n.su/blog/2018/02/21/riemenkarl-im-interview-zu-heilbronn-nichts-ist-geklaert-total-verpfuschte-ermittlungen/

Danach sind Sie mit ihrem Latein am Ende.

So wie riemenkarl und fatalist, so wie Georg Lehle, nachdenkerin und alle anderen Dickbrettbohrer.

Es bleibt nur noch Zynismus… und Kopfschütteln.

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Altonaer Naziséancen (@parlograph)

Veröffentlicht am 

Andreas Speit schreibt seit der Stunde Null über den NSU. EinRechtsextremismusexperte, also achtsilbig dekorierter Exzorzist und Arbeiter im Weinberg des Herrn, der Definitionsmacht souverän gebraucht wie kaum ein anderer. Beharrlich treibt er das Böse aus: den alten Adam und ewigen Nazi.

Für die taz hat er Osman Taşköprü interviewt, Bruder des 2001 in Hamburg ermordeten Süleyman, und erneut schafft er jene Aura überwältigender Suggestivität, die den Zweifler verunsichert und beschämt. Wenn es nun doch so war, daß der NSU die abscheulichen Morde beging? Wenn es der Rassist in uns ist, der sich gegen die Wahrheit sträubt? Wenn Menschlichkeit verrät, wer neurechten Einflüsterungen Gehör schenkt?

Solche Selbstzweifel sind Andreas Speit fremd, sein Erfolgsgeheimnis ist normative Gewißheit:1)

Osman Taşköprü über die Morde des NSU
„Die Nazis waren es nicht alleine“
Osman Taşköprüs Bruder Süleyman wurde vom NSU ermordet. Bis heute fordert er Antworten – und einen Untersuchungsausschuss.“

Da steht es: Osman Taşköprüs Bruder Süleyman wurde vom NSU ermordet. Punkt. Osman darf behaupten, klagen, fordern und der Journalist gibt dem Rohmaterial seine gültige, „eherne“ Form.

Alles Schwindel, meint ihr? Jein, denn auch wenn ein Urteil in München aussteht, die Fakten um mordende Naziterroristen scheinen tausendfach belegt. Speit bewegt sich durch sicheres Terrain, ein Blick in Medien, Wikipediaeinträge, BKA-Ermittlungen oder auf Beate Zschäpes „Geständnis“ genügt. Ein Prinzip wechselseitiger Referenzierung als Bollwerk gegen verschwörungstheoretische Zudringlichkeit. Man richtet sich komfortabel ein in einer NSU-Wahrheit, die auch „offene Fragen“ gut verträgt.

Hinter dem schönen Schein zeigt sich indes unvermeidlich die Fragilität Speit‘scher Überzeugungen. Genauer hinzuschauen bleibt anstrengend, aber notwendig. Immer noch. Helfen wir dem Experten beim mühseligen Geschäft, Dichtung und Wahrheit zu sortieren und geben wir Osman Taşköprü ein paar der verlangten Antworten, falls er sie dann wirklich noch will.

Telefonate abgehört, Nachbarn befragt und und und

Speit steigt ein beim Auffliegen der Zwickauer Zelle und Interviewpartner Osman pariert mit altbekanntem Vorwurf. Er sei geschockt, aber nicht überrascht gewesen, daß Nazis seinen Bruder töteten, doch die Hamburger Polizei, klagt er, habe ausschließlich seine Familie überprüft, und „nur in diese Richtung ermittelt“.

War das so? Familie Taşköprü gehört zum Opferumfeld. Umfeldermittlungen – von innen nach außen – erstreckten sich auch auf Süleymans Freund, den Griechen Sourtzis, frühere Bekannte, Partnerinnen. Schon Süleymans Vorgeschichte machte das zwingend. Die immer noch recherchierbaren Sachstandsberichte der Nürnberger BAO Bosporus geben Auskunft.2)

Da erfährt Osman auch, warum Kontakte zur organisierten Kriminalität überprüft wurden. Nicht einer „Kontaktschuld“-Obsession wegen, sondern weil Bedrohungslagen zu ermitteln waren, auch gegen Familienmitglieder. Der Mord an Süleyman gehörte zu einer Mordserie in mehreren Bundesländern, laut Waffenexpertise des BKA jedenfalls, gesucht wurde nach gemeinsamen Tatmerkmalen und Motiven, die Organisationstheorie war naheliegende Ermittlungsrichtung und sehr real:3)

Gegen die Gruppierung um die Gebrüder COSKUN, einschließlich dreier weiterer Brüder führte die KP Buchholz in den Jahren 2000/2001 umfangreiche Ermittlungen wegen Verdacht des Btm-Schmuggels aus den Niederlanden und der Türkei. Ausfluss aus den Ermittlungen war die Festnahme des Murat COSKUN am 21.06.2001 wegen Beteiligung an der Lieferung von drei Kilogramm Kokain, weswegen er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

[…]

im Rahmen von TKÜ-Maßnahmen der KP Buchholz wurde festgestellt, dass Murat COSKUN mehrfach mit dem Festnetzanschluss im Gemüsegeschäft der Familie TASKÖPRÜ telefonierte. Gesprächsteilnehmer war hierbei der Bruder des Getöteten, Osman TASKÖPRÜ, wobei daraus zu schließen ist, dass beide sich gut kennen.

Weiterhin wurde als Kontakt eine Rufnummer festgestellt, deren Anschlusinhaberin die bereits angeführte ehemalige Freundin von Süleyman TASKÖPRÜ, Frau C., […] war. Weitere zwei Rufnummern gehörten zu Bülent A., der mit Frau C. liiert war.

Im weiteren wurde ausgewertet, dass TASKÖPRÜ bei der Firma A & K Fruchthandel GmbH, Großmarkt Hamburg regelmäßig einkaufte. Diese Fruchthandelsfirma ist […] der Gruppierung COSKUN zuzurechnen.“

Hätten die Ermittler das antirassistisch korrekt übersehen sollen? Daß weder Osman, noch die Schwestern im Geschäft bedroht oder erpreßt wurden, wäre, ist es denn die Wahrheit bei Verbindlichkeiten gegenüber fünf Inkassounternehmen,4) irrelevant, wenn es um den Bruder Süleyman geht, der den Laden übernommen hatte; nachweislich bedroht, zusammengeschlagen und angeschossen schon lange vor seiner Ermordung.5)

Mehrere Zeuginnen berichten von Besuchen bei Süleyman mit Bedrohungscharakter kurz vor der Tat. Osman selbst soll einem Freund von Forderungen an seinen Bruder erzählt haben. Sachstandsbericht, Seite 64:

Der Zeuge Nejat G. – ein guter Freund von Osman TASKÖPRÜ, der Bruder des Getöteten – gab im Zuge seiner Vernehmung an, er hätte von Osman erfahren, dass Süleyman in den letzten Tagen vor seinem Tod wiederholt Besuch bekommen hätte. Hierbei wären Forderungen irgendwelcher Art an ihn gestellt worden. Genaueres konnte der Zeuge allerdings nicht angeben.“

All diese OK-Spuren endeten ergebnislos, was „ex ante“ niemand wissen konnte. Die Ermittler, meint Osman auf Speits Stichwort, hätten jedoch Aussagen ignoriert, die in „die richtige Richtung führten“. Vater Ali Taşköprü habe zwei Männer gesehen; keine Radfahrer zwar, aber groß, schlank, zwischen 25 und 30 Jahren und deutsch. Die Spur sei nie verfolgt wurden. Stimmt wenigstens das? Also doch institutioneller Rassismus?

Schauen wir, was die Experten von NSU-Watch6) von Vater Taşköprüs Zeugenaussage im Münchner Prozeß berichten:7)

[…] Dann geht es um die Beschreibung der Männer. Götzl sagt, der Zeuge habe von jungen Männern, die 25 oder höchstens 30 Jahre alt gewesen seien und gleich ausgesehen hätten. Ob es Ausländer oder Deutsche gewesen seien, habe er damals nicht sagen können, so Götzl. Taşköprü sagt, er habe nicht drauf geachtet.

Götzl hält vor, Taşköprü habe gesagt, die Männer seien vielleicht so groß gewesen wie der vernehmende Beamte, also 1,78 m. Heute sagt der Zeuge, er könne das nicht genau angeben, es seien vielleicht fünf Zentimeter mehr oder weniger gewesen.

Weiter hält Götzl vor, Taşköprü habe angegeben, einer der Männer habe etwas in der Hand gehabt, eine Mappe oder so, die er zugeklappt habe. Taşköprü antwortet, es könne sein, dass er das so gesagt habe, es sei dreizehn Jahre her.“

Der Vater konnte die Männer nicht beschreiben. Und Andreas Speit liest die Prozeßprotokolle nicht, auf die er sich bezieht. Wen sollte die Polizei suchen, welche Phantombilder erstellen? Im Klartext: Ohne Anhaltspunkte keine Ermittlungen. Und wenn doch: Auf Alexander Horns Einzeltätertheorie hin wurden im „Ankerpunkt“ Nürnberg in Tatortnähe lebende Rechte überprüft. Ergebnislos.

Deutsche Polizisten

Alter Wein in zerschlissenen Schläuchen also, Wehklagen gibt’s gratis dazu: Nach dem Mord an Süleyman ist für die Familie Taşköprü nichts mehr wie vorher, Osman konnte jahrelang nichts mehr mit sich anfangen, schwer gelitten haben Eltern und Schwestern.

Ja, das ist furchtbar und kein Mensch wird bestreiten, daß der unaufgeklärte gewaltsame Tod eines nahen Angehörigen traumatische Folgen für Hinterbliebene hat, weitere Leben seelisch, gesundheitlich und materiell zerstören kann. Kaum vorstellbar vielleicht, aber auch der tumbe Deutsche weiß, was Schmerz heißt.

Deshalb ist jeder Mord rücksichtslos aufzuklären. Es hilft niemandem, Täter ersatzweise nach politischer Opportunität zu bestimmen oder auszuklammern nach Maßgabe verletzter Familienehre. Mord und seine Aufklärung sind, und da scheint es irgendein Mißverständnis bei Andreas Speit zu geben, trotz persönlicher Betroffenheit keine Privatsache. Vollkommen unnötig, durch moralischen Druck auf Ermittler und den Vorwurf fehlender Empathie Freiräume für organisierte Kriminalität zu schaffen. Was für „autochthone“ Verbrecher gilt wie für Kriminelle nichtdeutscher Herkunft.

Und wie sah es nun aus mit der emotionalen Kälte bei Hamburgs Kriminalpolizei? Auch da wissen die Experten von NSU-Watch Bescheid; Kriminalbeamtin Sonja St. im Prozeß:8)

Sie selbst und verschiedenen Kollegen hätten die Familie regelmäßig aufgesucht, so St., sie hätten zusammen Tee getrunken. Sie habe das Gefühl, dass sie ein sehr gutes Verhältnis zu der Familie gehabt hätten. Götzl fragt zu den Belastungen für die Familie. St. sagt, den Eltern Süleyman Taşköprüs sei es körperlich und psychisch sehr schlecht gegangen, weil ihr Sohn erschossen worden war, aber auch weil die Polizei den Täter nicht ermittelt habe. Das sei eine Grundbelastung gewesen, auch für die Geschwister von Süleyman.

[…]

Sie sei sehr häufig bei der Familie gewesen. Götzl möchte wissen, was der jeweilige Anlass gewesen sei. St. sagt, sie hätten meistens noch Fragen gehabt, sie hätten aber auch den Kontakt zur Familie halten wollen.“

Und mit Blick auf Speits Interesse an einem NSU-Untersuchungsausschuß für Hamburg; Edathy-Ausschuß, Wortprotokoll 19:9)

[KOR Felix Schwarz, Hamburg:] Wir haben uns um die Familie unter anderem auch in der Form bemüht, dass wir sie nach der offiziellen Einstellung der Ermittlung durch die Soko nach zwei Jahren zu uns ins Präsidium eingeladen haben. Dieser Einladung sind sie auch gefolgt. Wir haben ihnen dort dann alle Ermittler vorgestellt und haben ihnen beschrieben, was wir getan haben, wo wir es getan haben, wie die Akten sind, damit sie eine etwas konkretere Vorstellung auch davon haben. Wir haben auch, wie gesagt, zu den jeweiligen Jahrestagen ihnen zumindest Aufmerksamkeit geschenkt. Sie waren nicht immer in der Stimmung, um zu kooperieren oder etwas mit uns gemeinsam zu machen.

Ich möchte das nur ausführen, weil wir uns insbesondere um die Opferseite intensiv bemüht haben, um etwaige Wahrnehmungen, wie sie zu Beginn der Ermittlungen vielleicht unvermeidbar waren oder fahrlässig verursacht wurden, ja, wiedergutzumachen oder zumindest darzustellen, dass es auch anders geht.“

Tätige Reue der Polizei also, Osman reichen die „Versöhnungsgesten“ allerdings nicht, Opferinszenierung geht vor: Er spricht den Ermittlern pauschal den prioritären Willen zur Verbrechensaufklärung ab und macht Hamburgs Polizei für das Leid der Familie verantwortlich. Auch für Ansehensverlust in Altona, für „Tuscheln“„ böse Blicke“ und Isolation, als wären nicht der Mord und die Vorgeschichte eines Opfers ursächlich, das sich viele Jahre um die Familienehre wenig sorgte, sondern die Polizeiarbeit nach der Katastrophe.

Nur; die bittere Realität ist: Menschen wenden sich ab; aus Gleichgültigkeit, Unsicherheit, Verachtung oder einfach so, vielleicht sogar aus Furcht oder Feigheit, auch dann, wenn man Hilfe am nötigsten braucht. Nicht nur in Altona und Dunkeldeutschland, sondern weltweit und schon immer. Für Gegenbeispiele gilt das ebenso.

Die zentrale Frage

Wenn Osman Taşköprü beklagt, Bundeskanzlerin Merkel oder Innensenator Neumann hätten Opferangehörigen gegebene Versprechen vollständiger Aufklärung nicht erfüllt, offenbart sich eine um sich greifende obrigkeitsstaatliche Vorstellung, es bedürfe der besonderen administrativen Einflußnahme, damit Behörden ihre bis ins Kleinste gesetzlich geregelten Aufgaben wahrnehmen, zumal im Bereich der Offizialdelikte und Verbrechensaufklärung. Interventionen „von oben“ sind eher eine Gefahr für das funktionierende Staatswesen.

Natürlich darf man die Hamburger Ermittlungen hinterfragen, die, wenn man vom zehn Jahre später präsentierten NSU-Phantom absieht, lange ergebnislos blieben, wofür es Gründe gibt, objektive und subjektive; von fehlenden Übereinstimmungen für alle sogenannten Dönermorde jenseits der vom BKA festgelegten Tatwaffe, über fehlende Treffer bei Tatortspuren,10) bis zu politischen Rücksichtnahmen und Interessenkonflikten im komplizierten Verhältnis zwischen Ländern und Bund. Aber doch bitte nicht mit der infantilen Grundannahme, die Kriminalpolizei habe Neonazis aus rassistischer Solidarität gedeckt.

Richtig ist, daß die Hamburger Horns Einzeltätertheorie, die das NSU-Narrativ vorformulierte, skeptisch sahen, nicht aus Sympathie für türkenhassende Sniper, sondern wegen methodischer Mängel.

Unter anderem, und da wird es interessant, ging es um die Tatörtlichkeit Schützenstraße; Hamburgs Soko 061 vermutete Ortskenntnisse,11) ein zufälliges Auffinden des Geschäftes schien unwahrscheinlich bei knappem Zeitfenster für die Tat. Genau diese Einschätzung führt zur Kerntrio-These und einen „bundesweiten Helfer-NSU“, zurück zur Organisationstheorie also, prominent vertreten vom Binninger-Ausschuß und im Interview treuherzig nacherzählt von Osman Taşköprü.12)

Das ist dann auch die Schnittstelle zur Rolle der kolportierten vierzig V-Leute im Trio-Umfeld;13) antifaschistisches Lieblingsthema und Pflichtübung, die auch Speit und Tasköprü artig absolvieren, denn: Wie sollten bei dieser Spitzeldichte bundesweite Terrorstrukturen geheim bleiben?

Eigentlich eine vernünftige Frage, aber die Antwort darf das spurenfreie NSU-Phantom nicht antasten, und so springt man wahlweise zum blinden oder braunen Verfassungsschutz; totalem Behördenversagen oder aktiver „tiefenstaatlicher“ Anstiftung, Steuerung, Komplizenschaft inklusive aktenschreddernder Vertuschung. Und da Akten tatsächlich in den Reißwolf kamen, schließt sich der Kreis und alles ergibt Sinn. Deshalb haben Petra Pau und Genossinnen Lothar Lingen-Minrath und seine Konfettiaktion so sehr ins Herz geschlossen.

Nüchtern betrachtet, bleibt freilich auch der bundesweite NSU abgehakte Verschwörungstheorie, siehe Baden-Württembergs EG Umfeld und das Krokus-Gronbach-Neidlein-Desaster,14) mit erstaunlichen Schnittmengen zu dem, was Experte Speit beim „neurechten“ Apostaten Elsässer sauer aufstößt, als er konstatiert:15)

Auf 84-Seiten werfen die Autoren offene Fragen und vermeintliche Unstimmigkeiten zum NSU auf, um sie zu der vermeintlichen Antwort zu verdichten, dass das Trio wäre eine „abhängige und weisungsgebundene Einheit eine größeren Untergrundnetzwerkes“ gewesen […]“

In Speits Interview darf denn am Ende Osman Taşköprü noch einmal die tragischen Zirkelschlüsse einer gescheiterten Gegenaufklärung unter „antifaschistischer“ Flagge zusammenfassen:

Wir wissen nicht, warum mein Bruder Opfer des NSU wurde. Keine Familie weiß, warum ihr Vater, ihr Sohn, ihr Bruder von den Neonazis ausgewählt wurde. Eine Gesellschaft sollte sich nicht mit diesem Nichtwissen abfinden. Die Nazimörder waren es nicht alleine.“

Diese Gesellschaft halten Zeitgenossen in Unwissenheit, die ihnen bekannte Fakten vorsätzlich unterdrücken oder verdrehen; so wie die Herren Taşköprü und Speit.

 

Fußnoten und Anmerkungen

Eingangszitat aus: Andreas Speit, Interview mit Osman Taşköprü
Die Nazis waren es nicht alleine“
http://www.taz.de/Archiv-Suche/!5506679&s=/

1) ebd.

2) https://fdik.org/nsuleaks/BAO_Bosporus_2007_und_2008_Sachstandsberichte.pdf
S. 31ff (PDF-Seite 43)

3) ebd., S. 99ff
Merkwürdig ist die Chronologie allerdings: Murat Coskun wird am 21. Juni verhaftet, am 27. Juni wird Süleyman ermordet. Schwer vorstellbar, daß die Anrufe für Osman aus der U-Haft Coskuns kamen.

4) ebd., S. 35

5) ebd., S. 31f und weitere Fundstellen

Dazu auch Wortprotokoll des NSU-Bundestagsausschusses, KOR Felix Schwarz:

[KOR Felix Schwarz, LKA Hamburg:] Fremdenfeindliche Hintergründe waren auch schon zu Beginn der Ermittlungen sehr wohl im Fokus. Es ergaben sich aber im Hamburger Fall keinerlei Hinweise darauf. Allerdings – das war das Besondere an dem Hamburger Fall und an dem Opfer – gab es bei unserem Opfer Bezüge zum Rotlichtmilieu, zu BtM-Händlern, und es gab in seiner Vergangenheit auch Waffendelikte in seinem Umfeld. So ist zum Beispiel in einem Fall auch er selbst Opfer von zwei Beinschüssen geworden. – Das zur Motivlage. Die Schwerpunkte der Hamburger Ermittlungen richteten sich auch auf Ersuchen der bayerischen Kollegen daher primär in Richtung Umfeldermittlungen im Bereich der organisierten Kriminalität, da die bayerischen Kollegen der BAO „Bosporus“ uns dargestellt haben, dass Süleyman Tasköprü, unser Opfer, Kontakt hatte zu sehr vielen namhaften Straftätern, die uns auch in der OK-Abteilung des Hamburger LKA sehr gut bekannt waren. Er selbst war kein OK-Täter, wie wir das sagen würden. Ich würde ihn eher als Kleinkriminellen beschreiben und als Randfigur. Er versuchte aber, sich mit Freunden im Milieu, auch in Hamburg – St. Pauli, zu etablieren.“

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2019.pdf

6) Zwei Absätze voller Experten, mit dabei sogar der windige GMP und das Märchen von den blinden Diensten; Lightversion der braunen Dienste:

Andreas Speit, TV-Reportage „Der NSU. Eine Spurensuche, Riskante Spekulation“:

Im Film sind es nur wenige Minuten. Doch diese Spekulation ist brisant. Darüber hinaus kommen auch politische Mitstreiter, verschiedene Rechtsextremismusexperten und Nachbarn, die wenig über das Trio, aber viel über „die Ausländer“ wissen, zu Wort. Auch die Experten von „NSU-Watch“ legen dar, wie sich das Trio politisierte und radikalisierte.

Netzwerke werden benannt. Gordian Meyer-Plath räumt ein, „man hat ganz eindeutig“ die Szene unterschätzt. Man? Die vorsichtigen Aussagen der Experten offenbaren, die Sicherheitsbehörden haben die Gewaltbereitschaft bis zu Terrorismus nicht wahrnehmen wollen.“

http://www.taz.de/!5055777/

7) https://www.nsu-watch.info/2013/09/protokoll-37-verhandlungstag-23-sept-2013/

8) ebd. Zeugin Sonja St., Polizei Hamburg

9) http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2019.pdf
S. 100 (PDF-Seite 105)

10) Sachstandsbericht, S. 51:

5.3 Tatortspuren

Im Juni 2006 fand in Nürnberg ein Treffen der beteiligten Tatortsachbearbeiter und der Zentralen Sachbearbeitung bei der BAO Bosporus statt. Ziel war es, den Gesamtbestand der Tatortspuren zu erheben und diesen in einer einheitlichen Gesamtspurenliste zusammenzuführen. Zusätzlich wurden zu den Bereichen der DNASpuren und der daktyloskopischen Spuren eigene Listen, sogenannte „Hauptspurenlisten (HSL)“, erstellt.

Momentan sind ca. 4200 physische Spuren erfasst, verglichen und bewertet. Personen und Spuren der HSL-DNA wurden laufend, beispielsweise bei jeder Neuerfassung, untereinander verglichen. Keine der Tatortspuren stimmte allerdings mit einer der überprüften Personen überein. Treffer aus der DAD, Spuren und Personen anderer relevanter Tatorte (z. B. Polizistenmord in Heilbronn), werden jeweils aktuell mit dem hiesigen Bestand abgeglichen. In einer Nebenspurentabelle zur HSL werden diese niedergelegt. Weiter wurden/werden unvollständige DNA-Muster mit den hier vorhandenen DNA’s (auch Misch-DNA’s) überprüft.

In der HSL-„dakty“. sind die Personen erfasst, die durch die sachbearbeitende Dienstelle als „berechtigte“ Person aus dem Umfeld des jeweiligen Opfers, oder als „möglicher Tatverdächtiger“ klassifiziert wurde. Diese wurden zum einen im Datenbestand des AFIS-Systems verglichen, zum anderen erfolgten über das BLKA — SG 533 Einzelabgleiche mit nicht AFIS-tauglichen Tatortspuren (weniger als acht Minutien).

Abschließend bleibt festzustellen, dass es zwar sowohl im DNA-, als auch im daktyloskopischen Bereich offene Tatortspuren gibt. Sämtliche Vergleiche der Spuren untereinander (Spur-Spur, Einzelüberprüfung) verliefen negativ, so dass im Ergebnis feststeht, dass momentan keine Spur zu einem Tatverdächtigen führt.“

Für „NSU-Leugner“ ungeklärt und Ausgangspunkt für verschiedenste alternative Hypothesen sind bis heute Herkunft und Weg eines Tatortfotos, das im Paulchen-Video verwendet wurde und Süleyman ohne Vater, aber mit Armbanduhr und bereits flächig verteiltem Blut zeigt; oder Temmes Rolle in Kassel, die Verteilung der Paulchen-Videos usw. bis zu den „großen Fragen“ zu Stregda, Zwickau, Heilbronn, Tatwaffenzuordnung.

11) Wortprotokoll 19, KOR Schwarz, Hamburg:

Zeuge Felix Schwarz: Herr Horn hat zum Beispiel in dieser zweiten Operativen Fallanalyse festgestellt, dass der oder die Täter einen sogenannten Ankerpunkt in Nürnberg haben. Er ist sogar so weit gegangen, dass er als Wohnort für den oder die Täter den Südosten Nürnbergs angenommen hat.

Er hat die Tatortlage aller Tatorte betrachtet und hat festgestellt und formuliert in einer Powerpoint-Präsentation zu dieser Fallanalyse, dass die Tatorte in Nürnberg besondere Ortskenntnisse voraussetzten, während die Tatorte an anderen Tatorten an Hauptein- oder -ausfallstraßen der jeweiligen Städte gelegen haben sollen.

Da habe ich auch persönlich die Stirn gerunzelt, weil zum Beispiel nicht zuletzt auch unser Tatort in Hamburg zwar 100 oder 150 Meter von einer Haupteinfallstraße in die Stadt im Westen liegt, von dort aber nicht einsehbar ist und das ein purer Zufall wäre, wenn man dort ein türkisches Gemüsegeschäft suchen wollte.“

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2019.pdf

12) Fehlende NSU-Tatortspuren,
Schon etwas ungewöhnlich“:

An keinem der 27 Tatorte hätten sich DNA-Spuren von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt gefunden – nicht bei den zehn Morden, nicht bei den zwei Sprengstoffanschlägen, nicht bei den 15 Raubüberfällen. Es müsse Helfer vor Ort gegeben haben, Ausspäher oder direkte Mittäter. Davon, so Binninger, sei er „zutiefst überzeugt“.“

http://www.taz.de/!5338233/

13) https://www.welt.de/politik/deutschland/article163970309/Spuren-die-keine-sein-duerfen.html

oder Andreas Förster, „Die Dienste sind mitschuldig“

[Der Freitag:] Aber hat der Verfassungsschutz damit nicht Beihilfe zum Entstehen einer extrem gewaltbereiten und terroristischen Naziszene in Deutschland geleistet?

[Petra Pau:] Ich bin davon überzeugt, dass die Geheimdienste durch das V-Leute-System entscheidend zum Aufbau eben jener Neonazistrukturen beitrugen, die den NSU und andere neonazistische Terror-Zellen unterstützten. Diese extrem rechten Erlebniswelten und neonazistischen Strukturen bestehen bis heute.“

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-dienste-sind-mitschuldig

Klar, kalter Kaffee, siehe Tino Brandt. Daß „die Dienste mitschuldig“ sind, sagt übrigens auch Siegfried Mundlos im Prozeß, aber da ist es ein Aufreger für Speit und Experten; die „zentrale Frage“ ist nur, ob dieser „präventiv“ betreute Rechtsextremismus spurenfrei „Ceska-Morde“ (inklusive Kiesewetter-Arnold-Mordanschlag ohne Ceska) verübte.

14) Aus der Pressemitteilung der Landesregierung zum Abschlußbericht der EG Umfeld:

Zum Tatgeschehen in Heilbronn seien durch die Ermittlungen der EG Umfeld keine weiteren belastbaren Erkenntnisse bekannt geworden. Ob ein Aufenthalt in Stuttgart 2003 weiteren Anschlagsplanungen und Tatvorbereitungen diente, sei nicht zweifelsfrei zu belegen.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg habe das Trio in Baden-Württemberg keine weiteren Straftaten begangen, die bislang nicht dem Trio zugerechnet werden konnten. Es gebe bisher keine Hinweise auf mit dem NSU vergleichbare Netzwerke oder Zellen in Baden-Württemberg, betonte der Innenminister.“

https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/bericht-der-ermittlungsgruppe-umfeld-an-den-innenausschuss-des-landtags/

https://parlograph.wordpress.com/2015/08/02/leprechaun/

15) Andreas Speit, NSU und Geheimdienst, „Die große Verschwörung“:

Der Mord an Halit Yozgat nährt in rechten Kreisen die Vermutung, der NSU sei vom Geheimdienst kontrolliert worden.

Auch deshalb, weil der frühere hessische Innenminister und ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) direkte Fragen an den Verfassungsschutzmitarbeiter von Seiten der Polizeiermittler unterband, ranken sich nun besonders um diesem Mordfall die Verschwörungstheorien.

[…]

In rechten Kreisen kursiert die Idee, die NSU-Zelle sei eine „Erfindung der Geheimdienste“ gewesen, um der Neonaziszene empfindlichen zu schaden.“

http://www.taz.de/!5058395/

Bildnachweis:
Séance unbekannten Datums; Aufnahme: schwarz/weiß, Draufsicht (Geisterperspektive); Erkenntnisse über erfolgte Kontaktaufnahme liegen nicht vor; Quelle: Internet

Vaterliebe (von parlograph)

Veröffentlicht am 

Wenn sie redet, wird sie umgebracht. In ihrer Zelle vergeselbstmordet, da sind sich NSU-Leugner sicher. So wird die Staatsbürokratie dämonisiert und geschützt; unnötigerweise, denn was du siehst, ist was du bekommst. Beate Zschäpe ist weder Barschel oder Möllemann, noch Gudrun Ensslin und das Ausland hat am NSU-Trash schon lange kein Interesse mehr.

Dämonisierung auch in entgegengesetzter Richtung und auch da stimmt sie nicht; Kein Teufel, der sich schick macht und kein Engel mit eiskalten Augen wie Amanda Knox: die letzte Zeugin des NSU-Phantoms aus der Zone welkt im Gerichtssaal einfach dahin.

Unsere Hetzpresse liebt diese Großaufnahmen eines Alterns im Zeitraffer; bittere Züge und falsches Lachen im surrealen Spektakel. Aber nirgendwo Todesangst zwischen Wegdrehen und Draufhalten; die fehlte schon vor Jahren, als Beate noch unbekümmert naziironische Briefe schrieb.

Drohungen bringen ja nichts, wenn Zschäpe die Dönermorde nur aus der Bildzeitung kennt und aus Herbert Diemers Hexenhammer und sich den Rest zusammenreimt wie alle anderen auch. Nachdem sie im Prozeß gestehen ließ, sie habe das Zwickauer Terrornest in die Luft gejagt, sind sie völlig sinnlos.1) Beate hat also längst geredet, zuletzt durch ihre Anwälte Borchert und Grasel – und niemand glaubt ihr.2)

Der Blogger Anmerkung beschreibt, wie ein falsches Geständnis zustande kommt,3) wie Selbstbezichtigung zur Tauschware wird. Auf welchen krummen Wegen auch immer sich die Beteiligten treffen: Furchtbare Juristen machen Mordanschläge obsolet.

Leichtes Frösteln bei 18 Grad

Beates langes Schweigen, das Ende 2015 in eine Art Geständnis mündet, ist technisch ausreichend erklärt: mit Rechtsberatung, Prozeßstrategie und dem Ziel der Strafminderung. Jedenfalls dann, wenn sie das Terrornest angezündet hat. Aber genau das ist fraglich wie ihre Beteiligung an sonstigem Raub und Mord.4)

Legten andere fachmännisch das Feuer, wird die Diskrepanz zwischen der gewaltigen Wucht der Anklage, Vorverurteilung, Verhandlungsdauer, U-Haft und Beates routinierter Passivität, ihrem nachläßigen Laienspiel, einigermaßen rätselhaft.

Das Mißverhältnis von Anklage und Desinteresse irritiert allerdings nicht nur bei Zschäpe. Unbeteiligt bleiben fast durchgängig auch ihre Altverteidiger Sturm, Stahl und Heer. Richtig munter werden die nur selten; so, als sie den Vorwurf des Mordversuches an Nachbarin Erber entkräften wollen. Das führt bei der Aussage von Zschäpes früherem Anwalt Liebetrau zur grotesken Verrenkung: Kein Mordversuch, weil Beate klingelt, aber der Grund fürs Klingeln bleibt ungenannt.5)

Heer liest die Entbindung der Schweigepflicht noch einmal vor: “Unsere Mandatin hat RA Liebtrau für seine Vernehmung jederzeit widerruflich von seiner anwaltlichen Verpflichtung entbunden, soweit sie ihm am 08.11. mitgeteilt hat, dass sie am 04.11. bei Frau E. geklingelt und auf eine Reaktion gewartet hat, um festzustellen, ob sie zu Hause ist oder sie aufzufordern, das Haus zu verlassen, weil sie nicht wollte, dass sie verletzt oder getötet wird.”

Das ist Ende Oktober 2014, also ein reichliches Jahr vor Beates Geständnis, dem „prozessualen Selbstmord“. Genaugenommen gesteht Beate schon hier Mitwisserschaft und Unterstützungshandlungen über Bande, als sie Oma Erber vor einer Gefahr gewarnt haben will.

Auch wenn das Klingeln so ausgedacht wirkt wie Zschäpes Zündelei, sie schafft sich damit ein Problem, denn beim bedingten Tötungsvorsatz6) ist Diemer und Greger schwer zu widersprechen: Klingeln und Klopfen retteten die Seniorin nicht vor Lebensgefahr.7)

Hat das Beate niemand vorher gesagt? Fiktion oder reales Geschehen: Schon 2014 schützt sie mit ihrer indirekten Aussage mutmaßlich die Brandstifter, und zwar unabhängig davon, ob sie selbst klingelte oder Susann Eminger oder die Zwickauer Feuerwehr. Wie umgekehrt ihre angebliche Warnung Vorwissen des angekündigten Ereignisses zwingend macht.

Zschäpe war ja von Anfang an bereit zu reden. Ihr falsches Geständnis offenbart nur die Ausweglosigkeit, aber die ist bereits in der Diskussion um eine Kronzeugenregelung angelegt: Sie kann keine Verantwortung für die Brandstiftung übernehmen, ohne zugleich sich oder andere noch schwerer zu belasten, denn das folgt aus einer Verdeckungsstraftat.8)

Im „Geständnis“ versucht Beate Zschäpe den unmöglichen Kompromiß: das NSU-Phantom existierte, aber sie konnte es nicht stoppen. Über die Wahrscheinlichkeit von Märchen entscheidet indes Richter Götzl und in einer zerfallenden Gesellschaft wird alles glaubhaft und das Gegenteil auch.

Letzter Wille

Trotz Kritik, Hohn und demonstrativer Abfuhr durch BAW, Nebenkläger und Angehörige der Opfer: Beates falsches Geständnis stützt die NSU-Anklage, auch wenn es nur einen Anklagepunkt bejaht. Zu den gravierenden Wirkungen gehört, daß weitere Ermittlungen verhindert, offene Spuren nicht weiterverfolgt, Beweise vernichtet werden oder verloren gehen oder Erinnerungen von Zeugen verblassen. Nicht nur bei der Zwickauer Brandstiftung, sondern auch bei Ceskamorden, bewaffneten Raubüberfällen, Bombenterror.

Das falsche Geständnis begünstigt damit strafvereitelnd die Sprengmeister von Zwickau, die noch immer in Freiheit sind, während Beate Zschäpe für eine wohlmeinende Lüge auf Strafmilderung hofft. Mag ja sein, daß Beate diese Konsequenzen nicht überschaut, ihre Verteidiger tun das gewiß.9)

Die Brandstiftung als Verdeckungstat heißt auch: Wenn Beate die Beteiligung an allen sonstigen Verbrechen bestreitet, gab es für sie kein echtes Motiv, das angebliche Terrornest in die Luft zu jagen. Sie erfindet mit Borchert deshalb den „Letzten Willen“ der Uwes, den Beate erfüllen muß:10)

Beide [Uwe Böhnhart und Uwe Mundlos] erwähnten mehrfach, dass sie sich freischießen würden, sollten sie durch die Polizei entdeckt werden, oder, wenn dies nicht gelingen würde, dass sie sich durch Erschießen das Leben nehmen. Bei diesen Gesprächen über den Tod musste ich beiden mehrfach das absolute Versprechen geben: Sollten beide erschossen werden, oder sollten sie sich selbst erschießen, um einer Verhaftung zuvorzukommen, so sollte ich die von Uwe Mundlos erstellten und versandfertig vorbereiteten DVDs in den Briefkasten stecken und versenden. Ich sollte die Wohnung in Brand setzen, und ich sollte die Eltern des Uwe Mundlos und des Uwe Böhnhardt benachrichtigen.“

Warum die Uwes Wert auf ein Abbrennen des Terrornestes post mortem legen, erfahren wir freilich nicht. Beates sinnfreies Gefälligkeitsverbrechen wird umso unverständlicher, als sie es im Moment der Befreiung von beiden Naziterroristen verübt haben will, deren Taten sie wortreich verurteilt.

Mehr noch: dieser „Letzte Wille“ war für sie kein Fatum. Das beweist die Begründung, mit der sie den Mordversuch an Charlotte Erber dementiert. Eine „heilige Pflicht“ zur Vollstreckung aufgrund einer Radioansage hebt sie dort selbst wieder auf: Im Falle der Weigerung der Seniorin, das Haus zu verlassen, so Zschäpe im Geständnis, wäre die Brandschatzung ausgefallen:11)

Hätte sie sich gesträubt, und wäre sie nicht mitgegangen, dann hätte ich mein Vorhaben abbrechen müssen. Was ich dann gemacht hätte, weiß ich nicht – das Abfackeln der Wohnung wäre schließlich nicht möglich gewesen.“

Was immer die Geständnis-Autoren versuchen: Es gibt keine plausible und widerspruchsfreie Erklärung der Brandstiftung isoliert von den sonstigen angeklagten Verbrechen. Und es gibt kein glaubhaftes Geständnis ohne Mittäterschaft oder Offenlegung des NSU-Schwindels.

Beate kann nur das ganze Paket annehmen oder es ungeöffnet „return to sender“ schicken. Aber beides kommt für sie nicht infrage. Vor diesem Dilemma steht sie von Anfang an und nicht erst seit Borcherts grottenschlechtem Plot.

Lindberghs Baby

Damit sich jemand nicht begangener Straftaten beschuldigt, wirken nicht nur Druck im Verhör oder in der Verhandlung, schwer belastende Indizien und Zeugenaussagen oder Absprachen.12)

Dazu gehören auch falsche Einschätzung der eigenen Situation, falsche Erinnerungen, Reue, Resignation und starke persönliche Motive: Verdeckungsabsichten, Schutz oder Schädigung Dritter oder Geltungsdrang und natürlich jede Menge psychischer Störungen und Erkrankungen vom Strafbedürfnis bis zum Geständniszwang.13)

Als 1932 das Baby des Atlantiküberfliegers Lindbergh und seiner Frau entführt wird, bezichtigen sich über zweihundert Menschen des Verbrechens.14) Fast zweihundert angebliche Täter sollen sich auch im Fall des Düsseldorfer Massenmörders Kuerten gemeldet haben.15)

Die Geschichte freiwilliger oder erzwungener Selbstbeschuldigungen und unwahrer Geständnisse ist bizarr bis grausam und so alt wie die Menschheit. Neben Geltungsdrang ist heute der Wunsch, nahestehende Personen zu schützen, häufige Ursache für Falschgeständnisse.16)

Der Wunsch, durch die Übernahme fremder Schuld dritte Personen vor Verfolgung und Bestrafung zu schützen, scheint ein besonders häufig auftretendes Motiv für die Abgabe falscher Geständnisse zu sein. Innerhalb der […] untersuchten Wiederaufnahmeverfahren bildet diese Gruppe mit ca. einem Drittel aller aufgedeckten Falschgeständnisse das mit Abstand größte Kontingent.“

Für Anwalt Borchert mag ein Geständnis die richtige Taktik zur rechten Zeit sein, für Beate kommt die riskante Aussage spät; drei Jahre nach der Anklage und nach demonstrativem Bruch mit den „Schweigeanwälten“ Sturm, Stahl und Heer. Beneke führt als weiteren möglichen Grund für ein falsches Geständnis fortschreitende Resignation an:17)

Neben Faktoren wie Ratlosigkeit, Ermüdung, Erschöpfung und Ruhebedürfnis ist hier das Gefühl der Geständigen ausschlaggebend, die Beweislage sei erdrückend und die Situation aussichtslos, die eigene Verurteilung somit gewiß und ohnehin nicht mehr zu vermeiden. Der Druck von Indizien, belastende Aussagen von Zeugen und Mitangeklagten führen zu der – im Einzelfall durchaus realitätsbezogenen – Einschätzung , daß unter diesen Umständen die eigene Unschuld nicht nachgewiesen werden könne und eine Bestrafung die unweigerliche Folge sein werde.

Selbst in einer Hauptverhandlung kann als Ergebnis ungeschickter Verhandlungsführung bei Angeklagten der Eindruck erweckt werden, das Gericht sei bereits fest von einer Täterschaft überzeugt.

Aus solchen Situationen heraus erwachsen dann nicht selten Überlegungen dahingehend, es sei angebrachter, den Richter nicht durch weiteres, nutzloses Leugnen zu verärgern, und ein Geständnis werde diesen zu einem milderen Urteilsspruch bewegen.“

Trotz Prozeßtaktik und fehlendem Tatmotiv; Zschäpes unwahre Selbst- und Fremdbeschuldigungen haben einen realen Hintergrund: ihre Vorgeschichte der „Jenaer Bombenbastler“, das Lebensumfeld zuletzt im Weißenborner „Untergrund“, ihre Flucht. Ihr Motiv, falsch zu gestehen, ist an tatsächlich vorhandenes Wissen um die Brandstiftung gebunden und an ihr Motiv, sich am Showdown des 4. November zu beteiligen, in welcher Form auch immer, ein Motivbündel ist also wahrscheinlich.

Ein „Renommieren“ widerspricht zwar Beates Abwehr des dreifachen Mordversuches und weiterer Verbrechen, wird aber verständlich durch jahrelange gesellschaftliche „Sonderstellung“ im Naziuntergrund mit falschen Identitäten und medialer Aufmerksamkeit seit dem Tag, als sie sich – mal eben so – der Polizei in Jena stellt.

Stark ans eigentliche Tatgeschehen geknüpft ist nachträglicher Schutz mehr oder weniger nahestehender Brandleger. Wenn Beate am 4. November nicht in der Frühlingsstraße war und schon Tage vorher ihre seltsame Flucht antrat, scheidet ein Feuer als Spontantat aus und das Problem des fehlenden Motives, das Haus in die Luft zu jagen, drängt noch mehr.

Neben Vorwissen setzt das auch Absprache voraus; schon wegen der Katzen. Eine Tage zuvor erwogene Brandstiftung aber ergibt aus Sicht der Bankräubernazis wenig Sinn, man konnte Belastendes ebensogut vorher entsorgen, ohne andere zu gefährden oder Gefängnis für Komplizen zu riskieren.

Klar ist auch: sowenig wie Beate selbst motiviert und fähig war, eine lebensgefährliche Explosion herbeizuführen, gilt das für Susann oder andere verzweifelte Hausfrauen. Dennoch erscheint gerade Schutzmotiv plausibel und es weist über die „falsche Beate“ hinaus.

Die Gesegnete

Für Menschenexperimente des Apparates war Beate Zschäpe ein leichtes Opfer: ein miserabler Start ins Leben als ideale Voraussetzung für Feldversuche betreuter Terrorsimulation. Da vergeudet Beate dann ihre besten Jahre; zwischen alkoholisierter Tristesse des Polenzstraßen-Prekariats und Endstation Siedlerheim.

In ihrer fabelhaften Welt scheint die Großmutter wichtigste Konstante zu sein. Beate das Omakind. Da dürfen wir ihrem Geständnis glauben; das ist echt, das kommt von ihr und nicht von Borchert. Tragisch auch hier die NSU-Chronologie; Anneliese Apel stürzt schwer im April 2012, da sitzt Beate bereits seit Monaten in Haft, Ende 2016 stirbt die geliebte Oma.18)

Und doch hat dieses innige Verhältnis Grenzen. Liebe und Sorge halten Beate nicht davon ab, mit zwei Gartenzwergen auf Reisen zu gehen, ins sächsische Sumpfland, das sie nicht mehr verläßt, obwohl der „Untergrund“ längst sinnlos geworden ist. Auch ein Familienleben mit „ihren Uwes“, die sie in memoriam zu Monstern macht, wirkt brüchig bei genauerem Hinsehen: das beschränkt sich, scheint es, zuletzt auf den gemeinsamen Campingurlaub.

Was will Beate also wirklich, als sie in irgendeiner Form mitmacht – am 4. November und für andere die Zeche zahlt? Nur Eines noch: das Ende? Susann Eminger schützen – wegen der Kinder? Wenn denn die Frau des „Nationalsozialisten“ in der Frühlingsstraße die Katzen übergibt.

Oder ist ihr stärkstes Motiv gar nicht bei den wenigen Bindungen zu suchen, die sie hat, sondern bei denen, die sie nicht hat? Und wenn nicht bei der verachteten Mutter, dann bei dem, der ganz fehlt – beim Vater? Verweigerte Zuwendung durch Abwesenheit und schlimmer, denn er verleugnet Beate und eine andere Familie gibt es auch?19)

Ihren rumänischen Vater hat Zschäpe nie kennengelernt. Er soll bis zu seinem Tod im Jahr 2000 mit einer neuen Familie als Zahnarzt in Nordrhein-Westfalen gelebt und die Vaterschaft nie anerkannt haben. Zschäpes Großvater ist bereits im Oktober 1996 gestorben.

Ist es das, was sie antreibt, neben ihrer Leichtsinnigkeit, eine tragische Sehnsucht nach dem Vater? Der Unerreichbare und die Zurückgewiesene, die verzweifelt um Liebe und Anerkennung kämpft; nun an anderer Stelle, ersatzweise; bei „Vater Staat“? Ist sie für die Jenaer Polizei wie später für andere Dienste und Behörden und schließlich die Überväter Götzl, Diemer und Borchert: das brave böse Mädchen, das Erwartungen erfüllen will und dafür tut, was immer nötig ist? Ist sie für diese Vaterliebe bereit, die beiden Uwes, „ihre Familie“, zu opfern und notfalls sich selbst?

Als „unser 11. September“ Fahrt aufnimmt, kommt aus dem Bundesinnenministerium ein zaghafter Rettungsversuch für Beate. Aus der Spitze, wie es heißt, also von KDF?20)

Die wegen Verdachts auf Rechtsterrorismus inhaftierte Beate Zschäpe kann möglicherweise nicht wegen Mordes, Beihilfe zum Mord oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt werden. Wie die Onlineausgabe der «Mitteldeutschen Zeitung» berichtet, geht man im deutschen Innenministerium davon aus, dass sich gegen Zschäpe letztlich nur der Vorwurf der Brandstiftung in ihrer eigenen Wohnung erhärten liesse. Die Onlineausgabe des Blattes unter beruft sich damit auf Informationen aus der Spitze des Ministeriums.

Das wirkt wie Schadensbegrenzung in eigener Sache. Aber zu spät: Für die juristische Aufarbeitung ist Fritsche nicht zuständig, der NSU läßt sich nicht mehr deckeln und die heikle Brandstiftung lädt auch er bei Beate ab. Absurdes Theater auch da: Der Bundestag hat das NSU-Urteil längst einstimmig gesprochen und Fritsches BMI tut so, als gäbe es den Rechtsstaat noch.

Wenn also Geständnisse, dann bitte nicht Borcherts lausige Geschichten; dann müssen Sie schon selbst vortreten, Herr Staatssekretär. Schluß machen mit dem NSU-Wahnsinn, das können Sie, Verantwortung übernehmen, auch für die unglückliche Beate Zschäpe. Kein Verstecken mehr hinter dem Staatswohl; dem dienen Sie, wenn Sie reden, Katharsis tut not.

Nur Mut also, Herr Fritsche, die Stunde kommt für jeden, seien Sie endlich ein Mann!

 

Fußnoten und Anmerkungen:

Eingangszitat aus: Website RA Hermann Borchert:

Im bundesweit bekannten Kachelmann-Prozess hat Herr Kachelmann vom Zeitpunkt seiner Verhaftung an bis zur Urteilsverkündung geschwiegen, seine Verteidiger haben im monatelangen Prozess erreicht, dass das Gericht von seiner Schuld nicht überzeugt war – mit dem bekannten Ergebnis. Dieser Fall ist ein exemplarisches Beispiel dafür, dass Schweigen zum Erfolg führen kann. Natürlich ist in vielen Fällen das Geständnis die richtige Taktik, aber ich sage, alles zu seiner Zeit und nach rechtskundiger Beratung.“

http://www.ra-borchert.de/html/strafverfahren.html

1) Die im Text verwendete rhetorische Bezeichnung „Beate Zschäpes Geständnis“ für ihre von RA Grasel am 9. Dezember 2015 verlesene Aussage ist selbstverständlich formal falsch und mehrfach irreführend. Tatsächlich ist es nur ein „Teilgeständnis“; vgl. Pressemitteilung der BAW:

Bundesanwaltschaft erhebt Anklage im „NSU“-Verfahren“http://www.generalbundesanwalt.de/de/showpress.php?newsid=460

Beate bestreitet die Tatbeteiligung an Morden, bewaffneten Raubüberfällen und Bombenanschlägen und damit zugleich die Bildung einer terroristischen Vereinigung „NSU“. Sie gesteht lediglich den Anklagepunkt schwerer Brandstiftung, weist jedoch den dreifachen Mordversuch zurück. Sie kommt der Anklage aber insoweit entgegen, daß sie Böhnhardt und Mundlos der vorgeworfenen Taten bezichtigt.

vgl. SPON:
„Zschäpe entschuldigt sich bei NSU-Opfern 
 ihre Aussagen im Überblick“
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/beate-zschaepe-im-nsu-prozess-was-sie-ausgesagt-hat-a-1066805.html

Auch die Urheberschaft der Einlassung ist inzwischen geklärt; Hermann Borchert hat die Co-Autorenschaft des „Geständnisses“ bekanntgegeben:

Am Vortag hatte er immer wieder auf die Angaben aus Zschäpes Aussage vom Dezember 2015 zurückgegriffen und sie der Version der Bundesanwaltschaft gegenübergestellt. Ganz offensichtlich ist die Aussage für ihn das Maß aller Dinge. Sie ist sein Werk, erdacht gemeinsam mit der Mandantin und verfasst von ihm, wie er unumwunden zugibt.“

https://blog.zeit.de/nsu-prozess-blog/2018/04/25/anwalt-im-angriffsmodus/

Und schließlich ist Zschäpes „Geständnis“ nicht nur im Ganzen unglaubhaft, sondern auch da sachlich fehlerhaft, widersprüchlich oder unwahrscheinlich, wo sie sich zur Brandstiftung selbst äußert. Das betrifft die Spontaneität der Tat ebenso wie Ausführung und Flucht oder Beates Anwesenheit überhaupt. Stichworte: Abschied Heike Kuhn, keine Wäsche mehr aufgehängt (Aussage Oma Erber gegenüber der Polizei), wohnte dort allein (Aussage Katzenbetreuer-Ehepaar), keine Bekenner-DVDs im Briefkasten vorm Haus, kein Benzingeruch an den Sachen, das Problem mit der Entzündung des Benzin-Luft-Gemisches usw.

2) Zschäpes umfangreiche Aussage halten fast alle für gelogen: Prozeßbeteiligte, Prozeßbeobachter, Medienleute und NSU-Skeptiker, freilich aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die von Beate Zschäpe mit ihrem neuen, mittlerweile fünften Anwalt Hermann Borchert gemeinsam erarbeitete Aussage stand noch bevor, da bezweifelten einige Medien schon ganz offen die Erfolgsaussichten. Schließlich – so wussten sie zu berichten – soll der Münchner Strafverteidiger Borchert doch vor Jahren schon mal einen anderen Schwerkriminellen zu einer haarsträubenden Aussage vor Gericht veranlasst haben, die diesen vollends unglaubwürdig gemacht und ins Gefängnis gebracht hätte. […]

Nach Zschäpes 53 Seiten langer Erklärung im Münchner NSU-Prozess vergangene Woche ist man geneigt, der Prognose zu folgen. In einer geradezu anbiedernden Art bestätigt die Hauptangeklagte darin das Anklagekonstrukt der Bundesanwaltschaft von einer abgeschotteten Terrorzelle, bestreitet aber gleichzeitig ihr Mittun an den Verbrechen. Im Gegenteil, sie habe sogar versucht, die Jungs von den Morden abzuhalten, beteuert sie. Ein Duo also, das ohne politisches Motiv Ausländer und Polizisten abknallt, aber sonst tierlieb und hilfsbereit ist, jedoch gleichzeitig die gemeinsame Freundin in ein perfides emotionales Abhängigkeitsverhältnis verwickelt, was dieser einen Ausstieg unmöglich macht? Kaum zu glauben, aber so verkündet.“

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sein-name-ist-nobody

Ähnlich Gisela Friedrichsen:
„Prozessualer Selbstmord – Die Aussage von Beate Zschäpe sollte die Wende bringen. Das Echo auf das von ihren neuen Verteidigern ausgearbeitete Konstrukt ist vernichtend.“
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-140390010.html

Erwartbar die Nebenklage:
„Viel Lärm um Nichts – zur Einlassung von Beate Zschäpe“
https://www.nsu-nebenklage.de/blog/2015/12/09/09-12-2015/

3) Die Anmerkung, Der Deal“
http://arbeitskreis-n.su/blog/2018/05/03/der-deal/

4) https://parlograph.wordpress.com/2017/04/08/siedlerheim/

http://arbeitskreis-n.su/blog/2014/11/05/zwickau-4-11-2011-sprengstoff-schwarzpulver-und-benzin-teil-3/

https://sicherungsblog.wordpress.com/2017/03/24/4-11-2011-zwickau-gesucht-wird-frau-taetowiert-surfte-am-pc-nach-tierschuetzerseiten-gab-2-katzen-ab/

Folgt Richter Götzl den Forderungen der BAW, erhält Beate also im Extremfall für tatsächliche vage Mitwisserschaft oder Beihilfe zur Brandstiftung lebenslange Haft mit Sicherheitsverwahrung:
https://rp-online.de/panorama/nsu-prozess/beate-zschaepe-lebenslange-haft-und-sicherungsverwahrung-im-nsu-prozess-gefordert_aid-16781351

5) https://www.nsu-watch.info/2014/10/protokoll-154-verhandlungstag-23-oktober-2014/

6) https://community.beck.de/2012/11/02/basiswissen-stgb-bedingter-toetungsvorsatz

7) http://gfx.sueddeutsche.de/politik/2016-04-25_nsu-prozess/article10/index.html

Selbst wenn Zschäpe dort geklingelt hat, heißt das für die Bundesanwaltschaft doch nur: Sie hielt es für möglich, dass durch die Brandstiftung Lebensgefahr für die Nachbarin besteht. Sie hat sie aber nicht in Sicherheit gebracht und aus der Wohnung geführt, sondern nur geklingelt. Die alte Dame hätte ja einen Mittagsschlaf halten können. Das Klingeln wäre also ein völlig untaugliches Mittel gewesen, um Schaden von der Nachbarin abzuwenden. Und die Rauchgase, die durch die Ritzen in Charlotte Erbers Wohnung drangen, hätten innerhalb weniger Minuten tödlich sein können, erklärte ein Brandgutachter.“

8) Laut Presse ist Beate noch vor Prozessbeginn an einer Kronzeugenregelung interessiert:

Die 36-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Sie will nach einem Bericht der ‚Bild am Sonntag‘ nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird. Das Blatt beruft sich auf Ermittlerkreise.“

https://www.rtl.de/cms/terror-trio-beate-z-will-kronzeugenregelung-929700.html

Dagegen „Der NSU ist unser 11. September“-Range:

Generalbundesanwalt Harald Range, der die Ermittlungen gegen die des Mordes verdächtige rechtsextremistische Zwickauer Zelle führt, steht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung einer Kronzeugenregelung für die in Köln inhaftierte Beate Zschäpe äußerst skeptisch.

Er wolle, wenn irgend möglich, ohne eine solche Vereinbarung auskommen, die Strafminderung bei umfänglichen Aussagen ermöglicht, sagte Range am Montag in einer Sondersitzung des Bundestagsinnenausschusses am Montag.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/ermittlungen-in-neonazi-mordserie-range-sieht-kronzeugenregelung-im-fall-zschaepe-skeptisch-1.1218098

BAW bietet Kronzeugenregelung an, aber Zschäpe lehnt ab?

Vor dem Mammutverfahren hatte die Bundesanwaltschaft versucht, Beate Zschäpe als Kronzeugin zu gewinnen. Doch die lehnte ab.“

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-anklagte-nennt-zschaepe-tarnkappe-des-terror-trios-a-1159680.html

Der Grund dafür könnte hier liegen:

[…] Dennoch könnte die Kronzeugenregelung für sie attraktiv sein. Denn hierbei handelt es sich um „eine der wenigen Möglichkeiten, um von einer lebenslangen Freiheitsstrafe herunterzukommen“, wie der Hamburger Strafrechtler Florian Jeßberger erläutert. Allerdings genügt es nicht, dass Zschäpe ihre Rolle bei den Morden offenbart. Ihre Aussagen müssen „wesentlich“ zur Aufklärung oder Verhinderung einer schweren Straftat beitragen, wie es im Gesetz heißt.

Informationen müssen neue Erkenntnisse bringen

Hier könnte für Zschäpe ein Problem liegen: Ihre beiden Komplizen sind tot. Sie müssen nicht überführt und verurteilt werden. „Die Kronzeugenregelung käme für sie in Betracht, wenn sie mit ihren Aussagen Holger G. oder weitere, noch unbekannte Personen in gerichtlich verwertbarer Form als Tatbeteiligte belastet“, sagt Jeßberger. Oder auch, wenn sie weitere Straftaten aufdeckt, die bislang nicht mit der NSU in Verbindung gebracht worden sind. Das bedeutet auch, dass sie gegebenenfalls sich selbst schwer belasten müsste. Für sie und ihre Anwälte ist es also eine Sache der Abwägung.

https://www.focus.de/politik/deutschland/nazi-terror/kronzeugenregelung-im-fall-von-beate-zschaepe-der-neonazi-terroristin-drohen-mindestens-zehn-jahre_aid_685209.html

Sie hat wenig zu bieten, noch weniger zu gewinnen und viel zu verlieren. Schweigen ist deshalb sinnvoll. Ihre Altverteidiger spielen den Ball zurück zu Range:

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will nach Angaben ihrer Anwälte auch vor Gericht schweigen. Sie seien sich mit Zschäpe einig, dass diese keine Angaben zur Sache machen werde, sagten ihre Verteidiger der Süddeutschen Zeitung.

„Wir mussten Frau Zschäpe nicht dazu überreden“, sagte ihr Kölner Anwalt Wolfgang Heer. Ob diese Ankündigung für die gesamte Dauer des Prozesses Bestand haben werde, stehe allerdings nicht fest. „In einem Hauptverfahren sind viele Entwicklungen möglich, die man nicht vorhersagen kann. Derzeit gilt: Frau Zschäpe wird schweigen“, sagte ihre Berliner Anwältin Anja Sturm. Zschäpe hatte in dem seit zwölf Monaten andauernden Ermittlungsverfahren die Aussage verweigert.

Die Verteidiger warfen Generalbundesanwalt Harald Range eine „Vorverurteilung“ vor, weil er frühzeitig über eine Kronzeugenregelung gesprochen und diese abgelehnt habe. Hinter der Debatte über die Kronzeugenregelung stehe die Annahme, dass Zschäpe in allen Anklagepunkten verurteilt werde. Davon aber sei nach den Worten der Anwälte nicht auszugehen.“

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-11/nsu-zschaepe-prozess

9) Berhard Beneke, „Das falsche Geständnis als Fehlerquelle im Strafverfahren unter kriminologischen, speziell kriminalpsychologischen Aspekten“, (Verlag Peter Lang, Frankfurt a. M., 1990), S. 34f; Strafbarkeit des falschen Geständnisses;
Beneke verweist auf § 145 d StGB sowie Begünstigung § 257 StGB oder Strafvereitlung § 258 StGB.

10) https://www.welt.de/politik/deutschland/article149803799/Dokumentation-Die-Aussage-der-Beate-Zschaepe.html

11) ebd.

12) Besonders drastisch der bekannt gewordene Fall eines Polizisten, der durch seinen Anwalt zum falschen Geständnis genötigt wurde:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bundesverfassungsgericht-zu-deals-klaeger-rohde-im-interview-a-889580.html

13) Berhard Beneke, „Das falsche Geständnis als Fehlerquelle im Strafverfahren unter kriminologischen, speziell kriminalpsychologischen Aspekten“, (Verlag Peter Lang, Frankfurt a. M., 1990), S. 45ff

14) http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/magazine/7950613.stm

15) Beneke, Das falsche Geständnis, S. 71f.

16) Beneke, Das falsche Geständnis, S. 63

17) Beneke, Das falsche Geständnis, S. 55

18)

Beate Zschäpes Großmutter ist gestorben. Am Montag hat die Hauptangeklagte im NSU-Prozess vom Tod ihrer wichtigsten Bezugsperson erfahren. Anneliese Apel war am 5. Dezember 93 Jahre alt geworden. Nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt war ihre Großmutter der einzige Mensch, zu dem Zschäpe eine enge emotionale Bindung hatte.

[…]

Die Großmutter war seit langer Zeit herzkrank. Im Januar und März 2012 war Zschäpe von Mutter und Großmutter in der Untersuchungshaft, damals noch in Köln, besucht worden. Im April 2012 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Oma nach einem schweren Sturz. Im Juni 2012 wurde Zschäpe in die Justizvollzugsanstalt Gera in Thüringen gebracht, damit ihre Oma ihre Enkelin sehen konnte.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/nsu-prozess-beate-zschaepe-verliert-ihre-oma-und-damit-ihre-einzige-vertraute-1.3292430

19) ebd.

20) Die Bundesanwaltschaft ist in ihrer späteren Anklage anderer Meinung als „die Spitze des Innenministeriums“.

(ddp) Die wegen Verdachts auf Rechtsterrorismus inhaftierte Beate Zschäpe kann möglicherweise nicht wegen Mordes, Beihilfe zum Mord oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt werden. Wie die Onlineausgabe der «Mitteldeutschen Zeitung» berichtet, geht man im deutschen Innenministerium davon aus, dass sich gegen Zschäpe letztlich nur der Vorwurf der Brandstiftung in ihrer eigenen Wohnung erhärten liesse. Die Onlineausgabe des Blattes unter beruft sich damit auf Informationen aus der Spitze des Ministeriums.

Zwar war Beate Zschäpe jahrelang mit ihren Gesinnungsgenossen und mutmasslichen Haupttätern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im Untergrund tätig. Zusammen bildeten die Neonazis die Gruppierung nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Zschäpe schweige jedoch und werde dies nach Einschätzung des Ministeriums auch weiterhin tun. Damit könne ihr eine Mitwisserschaft oder Beteiligung an den zehn Morden des NSU nicht nachgewiesen werden.

NSU nicht als Terrorvereinigung

Dies würde bedeuten, dass der NSU nicht als terroristische Vereinigung gelten würde, weil eine terroristische Vereinigung laut Paragraf 129a im deutschen Strafgesetzbuch aus mindestens drei Menschen besteht. Gelinge der Nachweis der Mitwisser- bzw. Mittäterschaft von Zschäpe oder anderer inhaftierter Verdächtiger nicht, seien Böhnhardt und Mundlos im juristischen Sinne als Einzeltäter zu werten, berichtete die «Mitteldeutsche Zeitung». Neben Zschäpe sitzen vier weitere Verdächtige in Untersuchungshaft.“

https://www.nzz.ch/mitglied_von_neonazi-gruppe_kaum_wegen_mordes_anklagbar-1.13707423

Bildnachweis:
Beate Zschäpe, Alter: ohne Angabe
Quelle: Internet, Fotograph: unbekannt

Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 8

eine Serie von @riemenkarl

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Was schlussfolgert man nun aus all dem? Eine Mutmaßung.

Der Einsatz

Nimmt man die festgestellten Fakten, die unklaren Gründe und Zeiten zum Dienst der Opfer, das enorme Polizeiaufgebot über den Tag hinweg betrachtet, das mehrmalige Auffahren beider Opfer auf die Theresienwiese, die Polizeiwagensichtungen unmittelbar nach der Tat, wahrscheinlich auch einen vermutlichen Notruf in Realzeit gegen 14:00 UHR, BFE-523-Kollegen-DNA auf der Opferbekleidung die offiziell nicht da waren, das frühe Erscheinen von Polizeieinheiten unmittelbar nach der Tat, … dann könnte es darauf schließen, dass es einen größer angelegten Polizeieinsatz gab der noch heute keine Erwähnung finden darf.

Was scheint also so brisant zu sein, einen Einsatz und die damit verbundene Anwesenheit der Polizei unmittelbar nach der Tat derart geheim zu halten? Haben Polizisten gar die Tat selber beobachtet? Durfte man die Informationen auf keinen Fall verwerten?

Alle Spekulation führt hierbei zu keiner Antwort. https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/08/27/mysterium-polizistenmord-kollegen-als-mordergeleitschutz/

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Die gesehenen Fahrzeuge

Der ominöse Audi, der unverkennbar irgendeine Rolle in Zusammenhang mit der Tat spielen muss. Es wird deutlich, dass seine Rolle versucht wurde im Zusammenhang mit der Tat klein zu halten. Nicht nur in den Zeugenaussagen macht es sich bemerkbar. Gerade in jenen Darstellungen die unmittelbar im Tatzeitraum gemacht wurden wird dies deutlich. Entweder finden diese Beobachtungen nur geringfügige Erwähnung, in dem es dazu wenig erkennbare Ermittlungsschritte gab, oder die Zeugenaussagen selbst erscheinen in einem seltsamen Licht. Die Krone setzt dem Ganzen der nachgereichte Fahndungshinweis zu Dieselfahrzeugen auf. Gerade hier wird die Vertuschung erkennbar, worin selbst untergeordnete Beamte in den Akten vermerkten, dass der Zeuge zu diesem Fahrzeugdetail keine Angaben gemacht hat! https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/08/25/heilbronn-die-sabotage-der-ermittlungen-von-anfang-an-jaccuse/

Eine noch seltsamere Rolle spielt der silberne Wagen.

Das Fahrzeug wurde gesehen wie es nach dem Anschlag in hoher Geschwindigkeit zum Tatort fuhr, sich dort kurze Zeit aufhielt, wieder abfuhr und in großer Eile vom Tatort verschwand. Drei Zeugen bilden diese Indizienkette unabhängig voneinander.

Keine Ermittlungsschritte. Keine Erkenntnis. Nichts. Alles im Nebel.

Wusste man vielleicht was das silberne/helle Auto für eine Rolle spielte? Waren mit diesem Fahrzeug vielleicht die ersten und „richtigen“ Polizisten am Tatort, um sich nach einem Funkspruch -gemacht unmittelbar nach der Tat- der Situation zu vergewissern und/oder um Ersthilfe-Maßnahmen zu leisten? Und verschwanden sie deswegen wieder so schnell vom Tatort, weil man dadurch auf keinen Fall einen brisanten Einsatz auffliegen lassen durfte?

siehe: https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/06/14/kiesewetter-wurde-in-eine-falle-gelockt-thomas-wuppesahl-kritische-polizisten/

Aber warum verschleiert man gleichzeitig den blauen Audi und somit mögliche Täter?

Warum sollte man aber mögliche Tatverdächtige decken, die laut den Spurenkomplexen allesamt als Osteuropäer beschrieben wurden und im Bereich der organisierten Kriminalität zu vermuten waren? Vielleicht ist auch ein Mafia-geprägter Racheakt denkbar. Vielleicht war man aber auch schon auf andere Ideen gekommen die im Hintergrund ermittelt wurden. Dies kann vielleicht mit dem Auftrag selbst zusammenhängen, der so heikel war, dass Berührungspunkte –in welcher Form auch immer– zu halb illegalen Machenschaften vielleicht nicht aus zu schließen sind. Daher könnte auch die Identität der Täter automatisch mit verschleiert worden sein, da darin auch ein Zusammenhang zu einem möglichen und durchaus pikantem Einsatz enttarnt worden wäre.

Alles nicht ausermittelt. Versinkt in Spekulation und zeigt zudem auf, dass nichts klar ist.

Warum ausgerechnet diese beiden?

In Anbetracht dessen, dass beide Opfer einen seltsamen und ungeklärten Hintergrund in Bezug auf Dienstantritt und Dienstgrund zu haben scheinen, stößt es einem seltsam auf, dass genau jene beiden dieser Tat zum Opfer fielen. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Frage nicht völlig ausräumen, ob beide -offensichtlich mehrmals am Tag- bewusst an diesen Ort geschickt wurden. Wobei das eine mit dem anderen nicht zwangsläufig miteinander zu tun haben muss. Aber wie könnte man die Tat nun gedanklich mit der Rolle der Opfer verknüpfen?

Michele Kiesewetter war des Öfteren in der Vergangenheit für besonders brisante Aufgaben, als nicht offen ermittelnde Polizistin im Einsatz. Vorwiegend bei BTM-Delikten im Bereich der organisierten Kriminalität. Durch ihre separate Streifentätigkeit drohte ihr dabei eine ständige Enttarnung. Martin Arnold könnte aufgrund seiner „kasachischen“ Herkunft einen gewissen sprachlichen Vorteil in Milieu-Kreisen gehabt haben. Ob dies aber in Zusammenhängen mit einem dienstlichen Auftrag stehen kann ist fraglich. Außerdem war er verhältnismäßig unerfahren in solchen Einsätzen, wenn nicht gar völlig unbefleckt auf diesem Gebiet. Ob man gezielt einen der beiden Opfer aus dem Weg räumen wollte, gar beide, oder ob es eine Spontantat war ist Spekulation. Trotzdem steht die Frage im Raum: Hatten beide eine spezielle Aufgabe an diesem Tag und wurden sie deshalb für einen Einsatz unbedingt gebraucht? Das enorme Polizeiaufgebot mehrerer Einheiten und der mysteriöse Dienstantritt könnten dafür sprechen.

Kann man auf eine Zufallstat schließen, so wie es bei beiden Spurenkomplexen „Chico“ und dem „Heroin-Auto“ nahegelegt wurde, die beide eine Spontantat beinhalten? Laut der Spurenauswertung am Tatort und dem damit verbundenen Tatablauf nahm man dies auch so an. Kommt gar eine Art Racheakt an der Polizei, bzw. an bestimmten Personen hierbei in Betracht? Man erinnere sich hier an den fehlgeschlagenen VP-Rekrutierungsversuch vom BFE-523-Chef Thomas B. Wurde Michele Kiesewetter in der Vergangenheit bei verdeckten Einsätzen erkannt? Wurde sie daraufhin zum Opfer? Nur, woher wollte man wissen wann und wo sie an welchem Tag Dienst hatte und sich aufhielt? Dann wäre es definitiv eine gezielte Tat wobei man ein nötiges Hintergrundwissen nicht ausschließen kann. Oder war Martin Arnold vielleicht Ziel des Anschlages?

Zu viele Spekulationen, zu viele Fragen und kaum Antworten.

Nichts ist klar und die Glaskugel gibt keine Antworten her. Man weiß es einfach nicht.

Die Täter…sind noch immer unbekannt

siehe: https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/07/08/zigeunermorder-in-heilbronn-oder-doch-kasachenrussen-die-desinformationen-des-thomas-moser/

Phantombilder gab es genügend. Auch einige die erst viel später erstellt wurden. Blutverschmierte Männer die in Autos sprangen, auch welche die sich am Neckar die Hände wuschen. Geschichten über Waffendiebe, Tatwaffen-Verstecker und zufällige und ermordete Tatzeugen. Alles war dabei. Auch jene Phantombilder die man hätte zeitnah veröffentlichen können. Gründe gibt es sicherlich warum man sie nicht veröffentlichte. Nur, wie plausibel mögen die sein? Manche von ihnen scheinen vielversprechend gewesen zu sein und andere sind eher weniger im Zusammenhang mit der Tat zu betrachten. Auch augenscheinlich zielführende Spurenkomplexe zu potenziellen Tätern waren vorhanden. Spuren und Anfasser für jede denkbare Richtung in Hülle und Fülle. Ebenso Widersprüche und Unklarheiten die danach schrien ausgeräumt werden zu wollen. Auch innerhalb von Behördenebene. Alles war gegeben um dem Fall tiefer nach zu gehen und ihn auf zu klären. Aber vielleicht durfte man nicht. Was aber mit Sicherheit gesagt werden kann ist, dass man definitiv mehr über die Tat und den Ablauf weiß als man zugibt! Was wirklich dahinter steckt kann man nicht sagen. Wir wissen es nicht.

Alle Spekulation nützt nichts. Wo man hin greift fasst man nur in Watte. Man kann es so nicht lösen. Dafür ist (im Normalfall) der Rechtsstaat zuständig. Der Rechtsstaat und die Grundrechte scheinen hierbei aber eine untergeordnete Rolle zu spielen, wenn es um höher gestellte (politische) Interessen gilt. Was kann man machen? Aufzeigen wo die Fehler, die Vertuschungen und die Widersprüche sind. Druck erzeugen. Nicht vergessen. Alleine der Opfer wegen.

Menzel soll wohl einst sinngemäß gesagt haben:

„Wir haben die Schweine die unsere Michele getötet haben“

Ich bin der Meinung, sie laufen noch immer ungestraft umher. Auch ihre Hintermänner.

Nach nunmehr elf Jahren.

ENDE

Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 7

eine Serie von @riemenkarl

.

Die Nacht ist nicht mehr so dunkel.

Eine Zusammenfassung gepaart mit ein wenig Phantasie und Spekulation.

Das frühe Erscheinen der Polizei nach der Tat

Die frühe Anwesenheit der BFE-Kollegen und anderer Einheiten nach der Tat, wirft ein anderes Licht auf den Tagesablauf. So waren zwei BFE-Kollegen, Uwe B. und Timo H., nach eigenen Angaben zum Tatzeitpunkt in Zivil im Bereich des Bahnhofes auf Patrouille. Beide waren nach der Tat dementsprechend früh vor Ort. http://arbeitskreis-n.su/blog/2015/10/27/laendle-nsu-waren-timo-hess-und-uwe-baeuerle-die-ersten-polizisten-am-tatort/

Das schnelle Erscheinen des Einheitsführers Thomas B. hingegen wirft mehr Fragen auf als klare Antworten. So war dieser gegen 15:25 UHR am Tatort obwohl er, laut eigenen Angaben, Mutter-Seelen alleine, am ungefähr 50 km weit entfernten Bärensee geradelt sein will. Sein Erscheinen erklärt er damit, dass er gegen 14:25 UHR von Timo H. vom Tatort aus angerufen wurde. Nach dem Telefonat will er anschließend seine Radtour abgebrochen haben und nach Hause gefahren sein. Dort habe er sich geduscht und anschließend sei er mit dem Privatwagen zum Tatort gefahren. Zeitlich ist dies sehr knapp realisierbar. Bei dieser Darstellung gibt es daher zwei große Probleme.

Er stand zu diesem Zeitpunkt unter Polizeischutz, da er die Lebensgefährtin eines Mafia-Bosses als VP angeworben hatte und diese Aktion aufflog. Auch die Distanz mit der zusammenhängenden Zeit ist fragwürdig. Kurz nach der Alarmierung wurden Polizeimaßnahmen eingeleitet, woraufhin sich Heilbronn kurz nach der Tat in eine zäh fließende Verkehrsmaße verwandelte. Durch das entstandene Verkehrschaos wäre es im nahezu unmöglich gewesen, von außerhalb zur angegebenen Zeit auf die Theresienwiese auf zu fahren. Ein weiteres Mysterium nach seinem Erscheinen am Tatort ist ein Anruf auf Michele Kiesewetters Handy. Er rief ihr Handy an obwohl er unmittelbar neben der Toten stand!

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/09/02/die-marchen-des-bfe-chefs-thomas-bartelt/

Auch waren Beamte von anderen Polizei-Einheiten verhältnismäßig schnell am Tatort. Eine Interessante Aussage zum Zeitpunkt des Erscheinens am Tatort, machte ein Polizist der PD Neckarsulm. Er war verantwortlich für die Einsatzkonzeption der BFE-522, die Schwestereinheit der beiden Opfer, wovon Teile dieser Einheit auch an jenem Tag in Neckarsulm im Einsatz waren. Steffen B. befand sich im nur wenige Kilometer entfernten Polizeirevier in Neckarsulm als sie der Funkspruch über die angeschossenen Kollegen erreichte. Anschließend begab er sich umgehend mit seiner Kollegin zum Tatort. Zum Moment des Antreffens am Tatort sagte er aus, dass die tote Michele Kiesewetter noch halb aus dem Auto heraus hing.

Anmerkung:

Diese Darstellung passt nicht zu der Schilderung der ersten drei „offiziellen“ Kollegen, wobei PM Jochen T. die tote Michele Kiesewetter aus dem Auto gezogen haben will (was Tatortzeugen so nicht schildern!). Auch sind hierbei die Zeugenaussagen die am Tatort waren widersprüchlich.

In der Aussage von Steffen B. gibt es noch einer weitere Auffälligkeit: Rettungskräfte wie Notarzt, Krankenwagen oder Rettungshubschrauber, habe er keine zum Zeitpunkt des Antreffens am Tatort gesehen. Während dieser Zeit seien die Kollegen der D23 mit Absperrmaßnahmen beschäftigt gewesen. Um es deutlicher zu sagen: Die Rettungskräfte kamen nach 14:20 UHR!

Die Notärztin kam laut offizieller Darstellung gegen 14:20 UHR, alle anderen erst danach!

Anmerkung:

Michele Kiesewetter lag bei Antreffen der Tatortgruppe, bedeckt mit einer schwarzen Plane, neben dem Auto auf der Fahrerseite. Absperrmaßnahmen des Tatortes wurden gegen kurz vor 14:20 UHR vorgenommen. Der Rettungshubschrauber flog gegen 14:45 UHR ab. Berücksichtigt man hierbei die ungefähre Fahrtdauer von 11 Minuten und davon ausgehend der erste Funkspruch erreichte ihn um 14:14 UHR, dann kommt man rechnerisch auf 14:25 UHR. Zu diesem Zeitpunkt waren aber schon mehrere Polizisten und Rettungskräfte vor Ort! Somit mussten diese Polizisten womöglich noch vor dem offiziellen Funkspruch der Leitstelle (14:14 UHR) verständigt worden sein, um am Tatort vor 14:20 UHR antreffen zu können! Im Umkehrschluss, wenn er um 14:25 UHR angekommen wäre – laut Funkspruch 14:14 UHR- dann wären bei seiner Ankunft sowohl mehrere Rettungskräfte, als auch etliches mehr an Polizei dort gewesen!

Andere in Neckarsulm eingesetzte Beamte der Einheit BFE-522, schildern ihr Erscheinen etwas anders. So sagten Jochen R., und Thomas G. übereinstimmend, dass nachdem sie von dem Überfall erfuhren, beide (mit anderen Kollegen) zurück ins Revier von Neckarsulm fuhren, sich dort aufrüsteten und anschließend zum Tatort fuhren. Vor Ort hätten sie noch den Rettungshubschrauber gesehen. Jessica B. eine weitere Kollegin der BFE 522, die an einer Observation in Neckarsulm teilnahm, fuhr ebenfalls nach der Meldung auf die Theresienwiese. Auch sie bestätigt die Anwesenheit des Rettungshubschraubers!

Anmerkung:

Wenn dem so wäre, dann müssen sie aufgrund der Fahrtdauer und der Ausrüstungsaufnahme im PD Neckarsulm sehr früh gewesen sein, um ungefähr gegen 14:45 UHR (bis der Hubschrauber abflog) vor Ort zu sein.

http://friedensblick.de/25013/teil-5-war-heilbronner-polizei-bereits-um-1400-von-ueberfall-informiert/

Das frühe Erscheinen der Polizei am Tatort, könnte durch eine Übermittlung des wirklich ersten Funkspruches direkt nach der Tat erklärbar sein. Hierbei erinnern wir uns auch an die Polizeiwagen Sichtungen der Zeugen kurz nach 14:00 UHR. Gepaart mit diesen zwei Anhaltspunkten, könnten somit Polizisten unmittelbar nach der Tat den Ersten Funkspruch abgesetzt haben. Vielleicht spielt die Kollegen-DNA auch hier mit hinein. http://arbeitskreis-n.su/blog/2014/09/05/der-dna-polizisten-krimi-von-heilbronn-2011-den-der-nsu-abrupt-stoppte/

Es muss auch einen Grund dafür geben, warum auch Teile der BFE-Einheiten in Heilbronn waren, die nicht offiziell im Einsatz gewesen sind. Hier liegt die Vermutung über einen bis heute verschwiegenen Einsatz nahe, der auch das hohe Aufgebot an Polizeifahrzeugen vor der Tat und innerhalb der Stadt Heilbronn, bzw. in der Nähe der Theresienwiese erklären könnte. http://arbeitskreis-n.su/blog/2017/12/19/polizistenmord-heilbronn-ordner-53-die-heroin-spur-2-taeterwissen-eines-v-mannes/

Etwa inzwischen rund 6000 Deutsch-Russen mit Doppelpässen, die schon Anfang der 2000er Jahre polizei-intern in Heilbronn die „NSU-Russen“ hießen…

Spannend, schon weil es so dicht am 4.11.2011 herauskam. Sind da Zigeuner dabei? OK-Einsatz der BFE 523 am 25.4.2007 auf der Theresienwiese? War das SEK Karlsruhe auch dabei? (War ein VW Bus dort, siehe „Heimatschutz“, ratzfatz wie aus dem Nichts)

 

Es scheint sehr danach, dass es einen früheren Notruf gegeben haben muss, der vor dem Zeugen Peter S. einging. Auch die Minuten frühere Anwesenheit der „echten“ offiziellen Beamten spricht dafür. Denn so wie die Darstellungen von PHK Joachim T., PMin Kerstin K. und PHK Jörg H. lauten, kann es offensichtlich nicht gewesen sein! Man weiß mehr über den Ablauf als man zugibt.

Wer waren die „echten“ ersten Polizisten am Tatort gegen 14:16/18 UHR?

Laut Zeugenaussagen müssen die ersten Polizisten im Zeitraum zur oben genannten Zeit angekommen sein. Nach der offiziellen Darstellung, soll es sich hierbei um das Streifenpaar PM´in Kerstin K. und PHK Joachim T. handeln. In der ersten Vernehmung wollen beide erstgenannten um 14:18 UHR am Tatort angekommen sein, PHK Jörg H. direkt danach. Zu dieser Zeit gab eine Polizistin -die ihren Namen nicht nannte- eine Meldung über Funk durch: „Kollegin Ex und Kollege angeschossen“. Diese Meldung suggeriert, dass der Funkspruch vor Ort abgegeben wurde. PM´in Kerstin K. saß jedoch nachweislich gegen 14:15 UHR noch im Funkraum der PD Heilbronn. Durch die Entfernung und das damit verbundene rechtzeitliche Eintreffen gegen 14:16/18UHR, kann sie nicht jene erste Polizistin gewesen sein! Für ihren Streifenpartner PHK Joachim T. besteht somit das gleiche Problem zeitnah an der Theresienwiese an zu kommen. Als man diese zeitlich unmögliche Spanne bemerkte, wurde daraufhin die Uhrzeit mit 14:22 UHR angegeben. Aber genau dieser Punkt hebelt sich selbst in der Darstellung aus. Denn der Funkspruch der unbekannten Polizistin wurde um 14:18 UHR abgegeben! Laut offizieller Darstellung gab es nie eine „alternative“ Polizistin die einen Funkspruch vor Ort absetzte. Es war immer PMin Kerstin K.!

Auch sind die Aussagen der drei offiziellen Beamten zur Auffinde-Situation und deren darauffolgenden Handlungen widersprüchlich.

Hier am Beispiel der Zeugin Hermina Z. Sie befand sich am Tatort und bekam das Eintreffen und die Handlungen der ersten Beamten mit. Nach ihrer Darstellung fast der eintreffende Polizist die am Boden liegende Polizistin am Kopf an (Überprüfung auf Vitalfunktion?). Er zieht sie NICHT aus dem Auto, so wie PM Kerstin K., PHK Joachim T. und PHK Jörg H. angegeben haben, da die Person laut der Zeugin neben dem Auto lag! Andere am Tatort anwesende Zeugen beschreiben überhaupt keine Ersthilfe-Maßnahmen der Polizisten. Noch ein weiteres Indiz: Es wurde KEINE DNA der drei Beamten auf der Opferbekleidung gefunden, obwohl diese Ersthilfemaßnahmen geleistet haben wollen!

Als Gedächtnisstütze dienen hier wieder die Zeugenaussagen über ein Polizeiwagen, der kurz nach 14:00 UHR am nördlichen Eingang der Theresienwiese gesehen wurde. Was also wenn zum Beispiel diese Streife die Tat meldete und daraufhin die ersten Polizisten eintrafen? Wenn also die drei offiziell angegebenen Polizisten nicht die ersten waren die am Tatort ankamen, wer war es dann?

Viel wahrscheinlicher ist, dass es völlig andere Polizisten waren die als erste am Tatort eintrafen und womöglich auch früher als die ersten Zeugen (kurzzeitig) dort waren. Denn es gibt ein dunkles Zeitfenster von 14:00 UHR bis ungefähr 14:10 UHR in welchem keine Beobachtungen gemacht wurden. Hier würden die nicht-gemachten 165 Schaustelleraussagen vielleicht Licht ins Dunkel bringen können. Die später mit den Taxifahrern angekommenen Polizisten werden höchstwahrscheinlich völlig andere gewesen sein, als die benannten drei „offiziellen“ Polizisten. Diese „offiziellen“ Polizisten musste man womöglich durch die echten Polizisten ersetzen, um dadurch deren Identität und gleichzeitig einen geheimen Einsatz o.ä. vertuschen zu können.

Heimatschutz:

Das MEK Karlsruhe ist 92 Kilometer weit weg stationiert. Auf einigen Fotos nach der Tat sind Kastenwagen mit dem Nummernschild KA für Karlsruhe zu erkennen. Es ist ungeklärt, was das MEK Karlsruhe so schnell, wenige Minuten nach der Tat, am Tatort gemacht hat.

Was spielen die drei südost-europäisch aussehenden Männer für eine Rolle -wenn man von ein und derselben Sichtung ausgeht-, die vor der Tat und unmittelbar danach gesehen wurden? Gibt es dazu eine „harmlose“ Erklärung (Schwarzarbeiter etc.)? Waren es vielleicht Zivilbeamte welche in der Nähe dienstlich unterwegs waren? Könnten sie gar die Tat beobachtet haben? Waren sie es vielleicht, die zuerst den Hilferuf abgegeben haben? Vielleicht könnte auch das helle/silberne Auto eine Rolle spielen, dass gegen 14:10 UHR gesehen wurde und danach genauso schnell wieder verschwand wie es auftauchte. Man weiß es nicht.

Wer könnten also diese Beamten gewesen sein? Weitere Spekulation: Vielleicht jene vier nachfolgend aufgeführten Kollegen, von denen man auch die DNA auf der Opferbekleidung gefunden hatte? Waren Steffen K., Daniel S., Matthias S. und Rainer B. diejenigen die vorher da waren und Erste-hilfe-Maßnahmen einleiteten und Susanne M. vielleicht diejenige, die den Funkspruch abgesetzt hat? Alle diese BFE-Beamten waren an jenem Tag offiziell nicht in Heilbronn. Einer von ihnen, Daniel S. der offiziell Urlaub hatte, kontrollierte sogar um 14:40 UHR Personen auf der Theresienwiese. Auf den Opfern und im Fahrzeug gab es insgesamt noch sechs weitere nicht ausgewertete DNA Spuren, denen auch nicht mehr nachgegangen wurde. Gleiches betrifft die Schutzweste von Martin Arnold, die von den Ersthelfern ausgezogen wurde, aber nicht auf DNA überprüft wurde! Die Polizistin Susanne M. (BFE 523) verweigerte nicht nur die Herausgabe von wichtigen Akten über Michele Kiesewetters Einsätze, sondern auch die Herausgabe ihrer DNA. Später fand man während der Spurenauswertung am BMW ein Fingerabdruck-Fragment, welches mit BFE-523 Kollegen abgeglichen werden sollte, aber nicht mehr ausgewertet wurde.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/12/19/warum-verweigert-phk-susanne-motz-eine-dna-probe-und-akten-uber-kiesewetters-noep-einsatze/

Der blaue Audi – „MOS i denn, MOS i denn zum Städtele hinaus…“

Eigentlich sprechen die aufgeführten Zeugenberichte für sich selbst. Der gesehene Wagen, meist in den Zeugenbeschreibungen im Groben zueinander identisch, taucht den ganzen Tag über immer wieder auf. Wohl bemerkt, auch im Zeitraum der Tat unmittelbar bei der Theresienwiese. Nicht nur das Fahrzeug selbst ist auffällig, sondern auch wie man mit dieser Sichtung in den Akten umgegangen ist. Die erste Erwähnung über ein blaues, im Landkreis Mosbach gemeldetes Fahrzeug, machte der Zeuge Mehmet C. am Vormittag gegen 11:30 UHR am Salzhafen. Zwar konnte er die drei russisch wirkenden Männer nicht phantombildgerecht darstellen, dafür das Fahrzeug aber umso genauer. Er beschrieb es als einen blauen Audi A4 mit Mosbacher Kennzeichen. An dem Platz wo er jene Sichtung machte, wurden später Gegenstände zur näheren Untersuchung und möglichen Identifizierung der Personen eingesammelt. An jener Stelle fand man außer Zigarettenkippen auch ein silbernes Feuerzeug. Dieses asservierte und mehrfach als silbern benannte Feuerzeug, wird aber später als ein bunt beklebtes Feuerzeug mit schwarzem Grund abgebildet. Also ein völlig anderes Feuerzeug wie es visuell scheint. Das Ergebnis der Spurenauswertung war ernüchternd. Die DNA Auswertung der eingesammelten Gegenstände erbrachte keine brauchbaren Spuren oder Treffer.

Es fällt zum blauen Audi noch etwas auf. Gerade die Zeugenaussagen zur unmittelbaren Tat-Phase finden nur geringe Erwähnung. So gibt es zur sehr knapp beschriebenen Aussage des Ehepaars F. nur einen kurzen Vermerk von ihrer Sichtung. Darin soll ein blauer Audi, hier jedoch mit LB-Kennzeichen angegeben, zum nördlichen Eingang der Theresienwiese eilig aufgefahren sein. Die zwei Insassen wurden nur dürftig beschrieben. Im Zusammenfassungsordner taucht diese Aussage schon gar nicht mehr auf. Ebenso was die Schilderung des Zeugen Andrei F. betrifft, der ein ähnliches Fahrzeug sah, dass in Tatzeitnähe von der Theresienwiese aus flüchtete. So wiederrief er anscheinend seine Aussage bei einer zwei Jahre später gemachten Vernehmung mit der Begründung, er habe unter Drogen gestanden und sich diese Geschichte nur ausgedacht um die ausgeschriebene Belohnung zu kassieren. So etwas soll es ja geben. Was aber an seiner angeblich frei erfundenen Geschichte deutlich auffällt ist die Fahrzeugbeschreibung selbst. Zwar gibt er das Fahrzeug als einen blauen Ford Kombi an, jedoch sind wie bei anderen Schilderungen Farbe und Nummernschild identisch. Auch die zeitliche Nähe nach der Tat und die Fahrtrichtung die „sein“ Auto genommen hat, könnte sich mit der Darstellung der Zeugin Liselotte W. ergänzen. Die Analogie zu anderen Beobachtungen ist unverkennbar. Wie viel Glück musste Andrei F. also bei seiner Phantasiererei haben, um solch eine Übereinstimmung zu anderen Zeugenaussagen zu bekommen? In den Medien war zu solch einem Fahrzeug nichts bekannt.

Ein eigenartiges Gefühl beschleicht einen auch, wenn man sich die beiden Aussagen der Zeugin Liselotte W. betrachtet. Zuerst gab sie an, nicht nur zur ungefähren Tatzeit die Schüsse vernommen zu haben, sondern auch einen blutverschmierten „Russen“, in eine an der Kreuzung wartende, dunkle/blaue Limousine mit Mosbacher Kennzeichen hechten zu sehen. Bei ihrer zweiten Vernehmung, ungefähr zwei Jahre später, ändert sie nicht nur seltsamerweise den Ort ihrer Sichtung, sondern sie beschreibt das Fahrzeug völlig anders als zuvor! Jetzt soll dieses Fahrzeug eine helle Farbe gehabt haben und vermutlich ein Mercedes gewesen sein. Diese nachträglich gemachte Aussage der Zeugin, ist jedoch weder von den Beamten, noch von ihr selbst unterschrieben worden. Die größte Auffälligkeit in dieser Spurenkette macht sich bei der VP- Sichtung aus der Sontheimer Straße gegen 14:30 UHR (vorher 13:40 UHR) bemerkbar. Der Zeuge gab eine sehr genaue Beschreibung seiner Sichtung ab. Auch er beschrieb sehr detailreich einen blauen Audi mit Mosbacher Kennzeichen. Hier mit der Typenbezeichnung A4. Als man vermutlich merkte welche Brisanz diese Spur zu haben schien und man sie mit anderen Spuren und Zeugenaussagen abgeglichen hatte, ermittelte man nach potenziellen Fahrzeughaltern eines solchen Fahrzeugs. Als man die nötigen Daten zur Fahrzeughalterermittlung eingegrenzt und den Wagen zur Fahrzeugfahndung ausgeschrieben hatte, schickte man noch am selben Tag ein Fax der zuständigen Stelle hinter her, das man ausschließlich nach Dieselfahrzeugen fahnden solle. Das große Problem bei dieser Aussage ist, dass der Zeuge aus der Sontheimer Straße die Angabe eines Dieselfahrzeuges nie gemacht hatte!

O-Ton:

Warum wurde beim KBA auf Dieselfahrzeuge begrenzt? Der Zeuge macht hierzu keine Angaben.

Diese nicht-gemachte Aussage bemerkten selbst die untergeordneten Ermittler 2010 in den Akten! Vielleicht spielen hierbei auch in irgendeiner Form die verschwundenen Ringfahndungslisten mit ein. Also welchen Sinn soll es haben ein mögliches und potenzielles Fluchtauto und somit automatisch seine dazugehörige osteuropäische Besatzung zu vertuschen, die im dringenden Verdacht stehen etwas mit der Tat zu tun haben zu können?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten der sich mit diesen Fakten auseinander setzt. Eigentlich springt einem die Absicht hinter dieser Aktion ins Gesicht. Genauso, wie die blutverschmierten „Russen“ am 25.04.2007 bildlich in jenen Audi gesprungen sind.

Das helle/silberne Auto. Hohe Relevanz, wenig Ermittlungsschritte.

Ebenfalls finden diese Beobachtungen im Vergleich zu ihrer Brisanz nur eine geringe Erwähnung. Die dementsprechenden Aussagen sind lediglich knapp aufgelistet. Man erkennt daran keine Bewegung oder Spurenverfolgung innerhalb der Akten.

Im Zusammenfassungsordner gibt der Zeuge Jamil Chehade dieses Fahrzeug vermutlich als Erster an. Darin ist in seiner Aussage vermerkt, dass das Fahrzeug ein Taxi gewesen sein soll, welches mit schneller Fahrt auf die Theresienwiese zum Trafohaus gefahren und nach wenigen Augenblicken ebenso schnell wieder weg gefahren sein soll. Widerspruch hierbei: die Taxis kamen anhand der Zeugenaussagen nachweislich Minuten später. Deutlich wird das auch durch Jamil Chehades Aussagen selbst, der am Tatort angelangt ist als die Taxis kurz darauf und nach ihm ankamen. Andere Zeugenaussagen die ebenfalls am Tatort waren stützen diese Darstellung untereinander. Außerdem fuhren beide Taxis erst ab als die offiziellen Polizisten am Tatort waren. Dieses helle/silberne Auto wurde auch von zwei weiteren Zeugen beobachtet. Vermutlich zur gleichen Zeit als Jamil Chehade sich auf Höhe des Stellwerkes befand, fuhr der Zeuge Heiko N. mit der S-4 Straßenbahn am Tatort entlang. Dabei sah er eine silberne Limousine unmittelbar vor dem Opferfahrzeug stehen. Vermutlich nach den Sichtungen von Jamil Chehade und Heiko N., macht der Zeuge Herbert M. in unmittelbarer Nähe der Theresienwiese eine ähnliche Beobachtung. So sieht er wie ein silbernes Fahrzeug, nach seiner Beobachtung vermutlich eine Mercedes E-Klasse, in schneller Fahrt auf der Theresienstraße in südlicher Richtung zur B-27 davon fährt.

Zu diesem Auto gibt es trotz seiner offensichtlichen Wichtigkeit keinerlei Spurenermittlungsberichte. Welche Rolle spielte dieser Wagen an jenem Tag? Was machte dieses Fahrzeug auf der Theresienwiese? Warum fehlen dazu Berichte, wobei die hohe Relevanz dieser Beobachtungen doch unverkennbar ist? Wusste man was es für ein Fahrzeug (Personen) war?

Waren es Täter oder Waffendiebe? Waren es vielleicht Zivilbeamte die helfen wollten aber offiziell nicht helfen „durften“? Nicht nachvollziehbar und völlig im Nebel.

Eine tote Spur. Wieder einmal.

Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 6

eine Serie von @riemenkarl

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Unmittelbare Nachtatphase. Ungefähr nach 14:10 UHR.

Weiter mit den Zeugen.

Anmerkung:

Alle aufgeführten Uhrzeiten sind nicht zweifelsfrei klar. Es sind nur Schätzwerte (der Zeugen). Manche von ihnen wurden mit Hilfe von anderen Zeugenaussagen über die gleiche Sichtung abgeglichen, um dadurch den „Mittelwert“ an zu nehmen. Zur genauen Ermittlung von Wegstrecken (Zeiten für Fahrt- und Fußweg) wurde Google Maps verwendet.

14:10/:12 UHR + weitere Minuten, Mustafa K.

Der Zeuge Peter S. kommt am Bahnhof an und berichtet dem Taxi-Fahrer Mustafa Kandil über das eben Gesehene auf der Theresienwiese. Da Mustafa K. Schwierigkeiten beim Absetzen des Notrufs hat, reicht er sein Handy weiter an Peter S. der den Notruf absetzt. Dieser geht über Mustafa K.s Handy bei der Leitstelle um 14:12 UHR ein. Zwei weitere Taxi-Fahrer, Ralph D. und Marianne Barbara H., bekommen den abgesetzten Notruf und das Gespräch über die Tat mit. Beide Taxifahrer (Ralf D. und Marianne Barbara H.) fahren unmittelbar danach gemeinsam in einem Taxi los, um sich der Situation auf der Theresienwiese zu vergewissern. Mustafa K. macht nach Beendigung des Gespräches ebenfalls auf den Weg zur Theresienwiese.

Anmerkung:

Notrufende/Telefonat verm. gegen 14:14/15 UHR. Zeiten nicht klar (Schätzwert). Ralf D. und Marianne Barbara H. befinden bereits am Tatort (ungefähr ab 14:13 UHR+).

Als Mustafa K. ebenfalls am Tatort eintrifft kommen auch fast zeitgleich die ersten offiziellen Polizisten an. Von diesen Polizisten werden die Personalien der Anwesenden aufgenommen. Anschließend werden die Zeugen weggeschickt. Mustafa K. bemerkt am Tatort einen jungen Mann der sich in unmittelbarer Nähe am Trafohaus befindet und auf einer Eisenstange am Trafohaus angelehnt gewesen sei. Dieser junge Mann soll sich von hinten an den Streifenwagen angenähert und die Szene beobachtet haben, woraufhin der junge Mann anschließend verschwand. Diesen beschreibt er wie folgt: Schwarze Haare, rotes T-Shirt und circa 25 Jahre alt. Ferner sieht er zwei junge Männer auf der Brücke.

Anmerkung:

Mustafa K. ruft um 14:12 UHR bei der Leitstelle an. Das Telefonat/Notruf wird zeitgleich von den beiden Taxifahrern mitgehört. Daraufhin machen sich beide umgehend auf den Weg zur Theresienwiese. Die geschätzte Fahr-Zeit (laut Google-maps) vom Taxi-Stand am Bahnhof bis zur Theresienwiese, beträgt mit dem Auto circa zwei Minuten. Die geschätzte Ankunft-Zeit der beiden Taxifahrer 14:13/14 UHR. Wer war dieser Mann hinterm Trafo-Haus? Arthur Christ? Ähnlich vermuteten dies auch die Ermittler durch das Phantombild von Loretta E. Vermutlich sind mit den beiden jungen Männern die beiden Zeugen Devinder und Pargath S. gemeint. Zur Reihenfolge der Ankunft auf der Theresienwiese: Erst kommen Ralf D. und Marianne Barbara H. an, dann Mustafa K. und mit ihm fast zeitgleich die ersten Polizisten. Anschließend wird er mit Antreffen der ersten „offiziellen“ Polizisten davon gejagt. <- Geschätzt circa 14:20 UHR.

Siehe: Quelle: Heimatschutz. Ungekürzte Passagen http://arbeitskreis-n.su/blog/2015/04/21/hn-wer-waren-die-ersten-polizisten-am-tatort/

14:12:24 UHR, telefonischer Notruf geht bei der PD Heilbronn ein

Angeschossene Polizisten auf der Theresienwiese. Abgesetzt vom Zeugen Peter S. über Mustafa K. Handy.

14:13/:15 UHR, Ralf D.

Der Zeuge hört das Gespräch über den Vorfall auf der Theresienwiese und den Notruf von Peter S. und Mustafa K. mit. Er fordert daraufhin seine Kollegin Marianne Barbara H. auf mit ihm mit zu fahren, um sich vor Ort der Situation zu vergewissern. Beide fahren vom Bahnhof aus sofort zur Theresienwiese.

Anmerkung:

Geschätzte Ankunftszeit, wenige Minuten nach dem Notruf, circa 14:14/15 UHR (Weg/Zeit-Berechnung. google-maps).

Beide treffen am Tatort ein. Am Polizeiauto sind beide Türen geöffnet. An der Fahrerseite liegt der Polizist am Boden, auf der Beifahrerseite die Polizistin mit den Füßen im Fußraum. Unmittelbar danach ruft er die Polizei an. Kurze Zeit darauf trifft ein Streifenwagen ein.

14:13/:15 UHR, Marianne Barbara H.

Die Zeugin hört den Notruf von Peter S. und Mustafa K. mit, woraufhin sie und ihr Kollege Ralf D. in seinem Taxi zum Tatort fuhren. Vor Ort angekommen, gibt sie an, dass beide Türen offen gestanden sind. An der untersten Ecke der Brücke sieht sie zwei ausländische Jugendliche, vermutlich die beiden Singhs.

Anmerkung:

Geschätzte Ankunftszeit, wenige Minuten nach dem Notruf, circa 14:14/15 UHR (google-maps). Devinder S. und Pargath S. kommen nur wenige Minuten später als beide Taxifahrer an den Tatort.

14:10/:15 Uhr, Devinder S.

Beide Zeugen (Pargat und Devinder S.) kamen kurz nach der Tat über die Brücke in Richtung Theresienwiese. Der Zeuge bemerkte die offen stehende Fahrertür des Polizeiautos, worin eine Beamtin nach vorne gebeugt auf dem Fahrersitz saß. Kurze Zeit später traf ein Taxi ein. Unmittelbar danach kam der erste Streifenwagen dazu.

Anmerkung:

Antreffendes Taxi besetzt mit Ralf D. und Marianne Barbara H.

Befragt nach allgemeinen Auffälligkeiten zur Theresienwiese in den letzten Wochen:

Die Polizeiauto Sichtungen auf der Theresienwiese sind dem Zeugen erst seit circa zwei Wochen von der Tat zurück gerechnet aufgefallen. Auch gab es in dieser Zeit Sichtungen von nicht nur einem, sondern auch von zwei Polizeiautos welche dort gestanden haben. Er geht diesen Weg seit Jahren täglich.

Anmerkung:

Er kommt gleichzeitig mit Pargath S. die Brücke entlang. Widersprüchlich: Sagte ebenfalls aus, dass die Polizistin auf dem Fahrersitz zur Seite übergebeugt sitzt (hängt?). Anschließend kommen Taxifahrer Ralf D. und Marianne Barbara H. Kurz darauf die ersten Streifenwagen. Polizeiauto-Sichtungen, auch mit mehreren Streifenwagen, bemerkte der Zeuge jedoch erst seit circa zwei Wochen vor der Tat!

14:10/:15 UHR, Pargath S.

Bemerkt beim Überqueren der Brücke ein Polizeifahrzeug am Trafohaus. Neben dem Fahrzeug liegt eine Polizistin am Boden (noch auf der Brücke). Er geht an den Tatort heran und bemerkt nachdem Beide auf den Streifenwagen zugehen und fast in Front des Fahrzeuges stehen, dass ein Polizeibeamter auf der Beifahrerseite liegt. Beim näheren Herangehen unmittelbar an den Tatort (bis circa 4 bis 5m), bemerken beide sie einen Taxifahrer und sprechen diesen an um Hilfe an zu fordern (wahrscheinlich Ralf D.). Dieser versucht daraufhin telefonisch einen Notruf ab zu setzen, woraufhin bald die ersten Streifenwagen ankommen.

Anmerkung:

Er kommt gleichzeitig mit Devinder S. am Tatort an. Sieht die Polizisten neben dem Streifenwagen liegen. Auch der Polizist liegt daneben (Der Zeuge gibt deutlich 14:10 UHR an da er zu diesem Zeitpunkt auf sein Handy schaute um Hilfe zu rufen).

14:00/:15UHR (vermutlich 14:13UHR+), Hermina Z.

Die Zeugin lief über die Brücke von Böckingen kommend nach Heilbronn. Beim Überqueren der Brücke sah sie den Streifenwagen. Bis auf 20m herangekommen, konnte sie eine blutüberströmte Person erkennen, die neben dem Fahrzeug lag aber die Beine noch im Fahrzeug hatte. Die am Boden liegende Person beschrieb sie aufgrund ihrer Statur als Polizistin. Während dieser Beobachtung stellte sie einen Taxifahrer fest, dessen Taxi sich mit geöffneten Türen vor dem Streifenwagen befand. Im nächsten Moment kam eine herannahende Streife, die der Taxifahrer (verm. Ralf D.) versuchte mit Handzeichen auf die Unfallstelle aufmerksam zu machen. Als die Streife eintrifft, stieg der Polizist aus, ging zur verletzten Person auf der Fahrerseite und fasste diese am Kopf an. Danach ging er umgehend auf die Beifahrerseite. Anschließend habe er zweimal „Scheiße, Scheiße“ gesagt und mit seinem Handy telefoniert.

Anmerkung:

Die Zeugin konnte in der ersten Vernehmung nicht sagen, ob es sich bei dem Polizisten auf der Fahrerseite um einen männlichen oder eine weibliche Person handelt. Später gab sie diese als Polizistin an. Bei einer anderen Darstellung in den Akten, ist bei ihrer Aussage vom einen Polizisten die Rede, der auf der Fahrerseite neben dem Auto liegt. Der eintreffende Polizist fast die am Boden liegende Person (Polizistin lt. Zeugin?) am Kopf an (Überprüfung auf Vitalfunktion?). Er zieht sie NICHT aus dem Auto, so wie PM Kerstin K., PHK Joachim T. und PHK Jörg H. angegeben haben, da die Person laut der Zeugin neben dem Auto lag! Außerdem gaben beide Polizisten an, dass sie erst gegen 14:20/22 UHR am Tatort ankamen! Mit wem telefoniert der Polizist? Wurde hier ein zweiter Notruf abgesetzt oder war das Telefonat anderer Natur? Das Telefonat erwähnt keiner der drei offiziellen ersten Beamten in ihren Aussagen!

14:10/20 UHR, Zeuge Anton M.

Der Zeuge befuhr mit seinem Fahrrad den Weg parallel des Neckars von der Böckinger Brücke zur Otto Konz Brücke, wo er nach ungefähr 500m drei Personen bemerkte die ihm entgegen kamen. Zwei Männer und eine Frau mit Kopftuch. Einer von Ihnen wusch sich (augenscheinlich) die blutverschmierten Hände im Neckar. Später sah der Zeuge die drei Personen erneut im Bereich Wertwiesenpark, woraufhin er den Eindruck hatte, dass diese sich vor ihm verstecken würden. An der Stelle wo sich einer der Männer seine Hände wusch, fand man am 27.04.2007 blutverschmierte Taschentücher. Phantombilder wurden gefertigt.

Anmerkung:

Der Zeuge machte die erste Aussage am 12.05.2009. Wie seine Zeugenaussagen zu bewerten sind ist fraglich. Er machte seine Angaben erst Jahre später. Auffallend ist aber, dass seine Schilderungen zu dem sich am Neckar waschenden Mann mit dem Fundort der blutverschmierten Taschentücher übereinstimmen. Die Zeit der Sichtung ergibt sich aus der Wegstreckenermittlung und durch seine Darstellungen. Die asservierten und untersuchten Taschentücher erbrachten keine auswertbaren DNA-Ergebnisse (keine Übereinstimmung von z.B. dem Blut der beiden Opfer). Die Ermittlungen in die Richtung dieser Spur ergaben (bis zum 04.11.2011) keine zielführenden Ergebnisse.

14:14UHR (ungefähr), Erste Meldung aus Zentrale über Funk an

Polizeieinheiten. Angeschossene Kollegin auf der Theresienwiese.

Der Notruf von Peter S. dauert vermutlich noch an.

Anmerkung:

Die Beamten waren nur wenige Minuten nach der Meldung aus der Zentrale am Tatort.

Geht man nach den ersten Tatortzeugen und deren Zeitangaben, treffen vermutlich ab jetzt ungefähr (gegen 14:15/16 UHR

die ersten (inoffiziellen) Polizisten am Tatort ein. Angeblich soll der Sachverhalt in der Funkzentralle um 14:18 UHR

vollständig aufgenommen worden sein (durch eine Funkmeldung von einer Kollegin vor Ort?).

14:15 UHR (ungefähr), Tatortbereichsfahndung R-5

Tatortbereichsfahndung im Radius von 5 km wird ausgelöst.

14:16/18 UHR, Die Ankunft der ersten Beamten am Tatort?

14:18 UHR, Funkspruch einer unbekannten Polizistin vor Ort

Kollegin EX, Kollege schwer verletzt. Notarzt ist vor Ort“. Der Funkspruch wird von einer Frau abgegeben die ihren Namen nicht nennt.

Anmerkung:

Die erwähnte Zeit ergibt sich durch die Zeitangaben der ersten Zeugen am Tatort (u.a.Taxifahrer. Grundlage für diese Schätzung: Beginn des Notrufes von Mustafa K. und Peter S., 14:12 UHR, plus ungefähre Gesprächsdauer 2min, plus geschätzte Fahrtdauer vom Bahnhof zur Theresienwiese (lt. Google maps) 1min. Ergibt ungefähre Ankunftzeit 14:15 UHR.

Angenommen der Notruf dauerte 2 Minuten (die Leitstelle nahm den Sachverhalt gegen 14:14 UHR auf) und Mustafa K. machte sich danach umgehend auf den Weg, so kam er vermutlich gegen 14:15/16UHR ebenfalls am Tatort an. Fast zeitgleich (oder kurz danach) trafen die ersten Polizisten ein.

Wenn man nach der oben stehenden Milchmädchen-Rechnung anhand der Zeugenaussagen geht, dann müssen die ersten Polizisten ungefähr in oben dargestelltem Zeitraum -und früher als es die offizielle Darstellung sagt- da gewesen sein! Die ersten offiziellen Beamten sollen PHK Joachim T., PMin Kerstin K. und PHK H. gewesen sein. Die beiden erstgenannten Polizisten bildeten eine Streife. Angeblich kam PHK Jörg H. anschließend dazu. Der erste „offizielle“ Funkspruch wurde um 14:18 UHR von einer weiblichen Polizistin (die Ihren Namen nicht nannte) vom Tatort abgegeben. Diesen Funkspruch soll angeblich PMin Kerstin K. abgegeben haben. PMin Kerstin K. befand sich jedoch um 14:15 UHR nachweislich noch im Funkraum der PD Heilbronn. Das rechtzeitige Eintreffen beider Polizisten am Tatort, ist aufgrund der Strecke und der damit verbundenen Dauer unmöglich. Diese Zeitangabe wurde dann später mit 14:20/22 UHR angegeben. Laut dieser Darstellung heißt das im Umkehrschluss, wenn PMin Kerstin K. und ihre Kollegen gegen 14:20/22 UHR angekommen sein wollen, kann sie nicht den Funkspruch vor Ort um 14:18 UHR abgesetzt haben! Eine „alternative“ weibliche Beamtin am Funkgerät hat es nie gegeben. Offiziell war es immer PMin Kerstin K.! Nicht nur diese Gründe sprechen dagegen. Alle drei offiziell ersten Beamten wurden nicht auf der Opferbekleidung nachgewiesen (DNA), obwohl sie Ersthelfer-Maßnahmen geleistet haben wollen! In diesem Zusammenhang hatte man auch angefordert die Schutzweste (welche die Ersthelfer Martin Arnold ausgezogen haben) auf DNA zu untersuchen – was aber nicht geschah!

ERGO: PMin Kerstin K., PHK Joachim T. und PHK Jörg H. waren sehr wahrscheinlich nicht die ersten „offiziellen“ Polizisten.

Eine andere interessante Frage: Wer genau waren also dann diese Beamten und warum waren sie schon so schnell vor Ort, wenn der Notruf von Peter S. und Mustafa K. zum oben genannten Zeitpunkt vermutlich gerade so beendet wurde? Die Beamten hätten in unmittelbarer Nähe sein müssen, wenn der Funkspruch der Leitstelle um 14:14 UHR an die umliegenden Einheiten ausgegeben wurde! Oder anders gedacht:

SIE HÄTTEN FRÜHER ÜBER DEN VORFALL INFORMIERT WORDEN SEIN MÜSSEN!

Wer könnten also diese Beamten gewesen sein? Die Wahrscheinlichkeit eines früheren Notrufes liegt nahe!

Man denke hierbei wieder an die Polizeiwagen-Sichtungen von kurz nach 14:00 UHR…

https://sicherungsblog.wordpress.com/tag/susanne-motz/

https://sicherungsblog.wordpress.com/2014/12/19/warum-verweigert-phk-susanne-motz-eine-dna-probe-und-akten-uber-kiesewetters-noep-einsatze/

Gegen 14:20/22 UHR, Erste Polizisten – nach zweiter offizieller Darstellung

Die angeblich ersten „offiziellen“ Beamten am Tatort, sollen PMin Kerstin K., PHK Joachim T. und PHK H. gewesen sein.

Anmerkung:

Die angegebene Uhrzeit der Beamten PMin Kerstin K. und PHK Joachim T. zum Antreffen am Tatort, ist hierbei ebenfalls zeitlich sehr knapp. Alle drei wollen mehr oder weniger Ersthelfer-Maßnahmen durchgeführt haben. Die Zeugin Hermina Z., welche das Eintreffen der Polizisten und die darauffolgenden Szenen beobachtete, verlor in ihrer Aussage kein Wort über Ersthelfer-Maßnahmen der Polizisten, obwohl sie das Antreffen der ersten Beamten genau schildert. Auch nicht darüber, dass Michele Kiesewetter von Polizisten aus dem Auto gezogen worden sein soll! Der Polizist fasste der am Boden liegenden verletzten Beamtin lediglich an den Kopf und ging dann zur Beifahrerseite. Auch erwähnt keiner der „offiziellen“ drei Beamten, dass einer von ihnen telefoniert haben will – was die Zeugin aber beobachtete! Es ist sehr unwahrscheinlich dass diese drei jene ersten Beamten waren. Wer traf in diesem Zeitraum (oder kurz danach) dort alles ein?

Vielleicht auch die BFE-523 Angehörigen Uwe B. und Timo H.? Diese befanden sich am Bahnhof, circa 3 Minuten per PKW von der Theresienwiese entfernt.

14:22 UHR, Frau Dr. Schröder. Notärztin.

Sie stellt zur genannten Zeit den Tod von Michele Kiesewetter fest. Alle anderen Rettungskräfte kommen wenige Minuten später am Tatort an.

Anmerkung:

Von Ihr gibt es kein Protokoll in den Akten, welche ihre Darstellung auf der Theresienwiese und ihres Einsatzes wiederspiegelt. Auch so etwas wie eine Zeugenaussage gibt es nicht. Lediglich den Vermerk, dass sie den Tod von Michele Kiesewetter festgestellt hat. Ihre DNA wurde außerdem ebenfalls nicht auf der Opferbekleidung festgestellt. Ebenso wie die der angeblich ersten offiziellen Kollegen, die unter anderem auch Erste-Hilfe Maßnahmen geleistet haben wollen. Die Notärztin muss gegen kurz vor 14:18/20 UHR (ungefähr) eingetroffen sein, um wenige Augenblicke danach den Tod von Michele Kiesewetter fest zu stellen. Die Uhrzeit ergibt sich auch aus dem Funkspruch der unbekannten Polizisten von 14:18 UHR, die da sagte, „Notarzt ist vor Ort“.

14:30 UHR, Anonymer HWG. Beobachtung in der Sontheimer Straße.

Die Vertrauensperson 1749 der Polizei Heilbronn gab zum Tattag an, in der Sontheimer Straße Richtung Stadtmitte zu laufen, wo er einen blutverschmierten Mann sah der in ein wartendes Auto hechtete. Der Mann war am Unterarm blutverschmiert und habe dort eine Tätowierung in Form von Kreuz auf Hügel gehabt. Er soll muskulös, schlank, 1,80m circa 30 Jahre alt gewesen sein und hatte kurze blonde, zum Mittelscheitel gekämmte Haare. Er beschrieb ihn als „Russe“. Während er die Beobachtung machte, hechtete der beschriebene Mann eine Böschung vom Wertwiesen-Park her kommend, quer über die Fahrbahn in ein wartendes Auto. Er sprang in einen wartenden, dunklen, blauen Audi 80 mit Mosbacher Kennzeichen. Der Fahrer habe ihm „Dawai dawai“ zugerufen. Angaben zum Fahrer konnte er nicht machen. Der Zeuge korrigierte später seine Uhrzeitangabe und gab diese mit 14:30 UHR an. Vorher wurde die Zeit mit 13:40 Uhr angegeben.

Anmerkung:

Zur Spur 22. Der besagte blaue / dunkle Audi 80 (oder A4) mit Mosbacher Kennzeichen, wurde am selben Tag gegen 11:30 UHR in der Hafenstraße in Heilbronn gesichtet. Die drei Männer, die dem Audi zugerechnet werden, unterhielten und stritten sich lautstark. Die Männer seien ebenfalls „Russen“ gewesen. An dem besagten Aufenthaltsort wurden später Zigarettenkippen und ein Einwegfeuerzeug gefunden. Zur Personenbeschreibung der drei Männer ist nur bekannt, dass es junge Leute und ausschließlich „Russen“ gewesen sein sollen. Auch fällt hier wieder die Beschreibung des Autos auf, die eine deutliche Verbindung zu den Beobachtungen der Zeugen kurz vor und nach der Tat darstellt könnte.

14:30/40 UHR, Die Tatortermittler kommen am Tatort an.

Anmerkung:

Wann wurde Michele Kiesewetter aus dem Auto gehoben? Laut den offiziellen Beamten direkt nachdem sie eintrafen. Die Zeugenaussagen die am Tatort waren sprechen zum Teil dagegen. Drei von vier Zeugen sagen, dass die Polizisten außerhalb des Autos lagen! Die Tatortgruppe vermerkt bei ihrem Eintreffen, dass die Tote neben dem Auto unter einer schwarzen Plane liegt.

14:40 UHR, Timo H. Gruppenführer BFE-523 am Tatort

Der BFE-523 Beamte Timo H. ruft den Chef der Einheit Thomas B. an. Die tote Michele Kiesewetter läge neben ihm.

14:40 UHR und weitere Minuten, Daniel S. BFE-523

Der BFE-523-Beamte kontrollierte zur genannten Zeit Personen auf der Theresienwiese.

Auffallend hierbei: er hatte an diesem Tag offiziell Urlaub! Zudem wurde seine DNA auf der Opferbekleidung nachgewiesen.

Anmerkung:

Trotz der dazwischen liegenden Grundreinigung des BMWs fand man neben seiner DNA noch drei weitere Kollegen-DNAs auf den Opfern. Zum Teil an ungewöhnlichen Stellen die eher unwahrscheinlich durch äußere Berührung oder DNA Verschleppung übertragen werden könnten. Erklärt wurde dies damit, dass man innerhalb des Kollegenkreises Ausrüstungsgegenstände untereinander gelegentlich tauschen würde.

14:45 UHR, Martin Arnold wird ins Klinikum Ludwigsburg abgeflogen

15:25 UHR, Thomas B. am Tatort. Chef der BFE-523

Zur genannten Uhrzeit ruft Thomas B. das Handy der toten Michele Kiesewetter an. Während des Anrufes steht er unmittelbar neben ihr.

Anmerkung:

Warum rief er die tote neben ihm liegende Michele Kiesewetter an? Um das Handy zu finden? Es gibt ein Handy von ihr welches offensichtlich verschwunden ist (besaß zwei private Handys. Eines fehlt). Was sollte diese Handlung bezwecken? Was hätte man auf diesem Handy finden können? Absprachen für einen Diensttausch oder ähnliches?

Noch am selben Nachmittag wurde die Sonderkommission „Parkplatz“ ins Leben gerufen. Die Ermittlungen endeten mit insgesamt drei SOKO-Leitern am 04.11.2011 ohne Ergebnis. Ab jenem magischen Datum entwickelte der Fall eine interessante Eigendynamik.

Die Täter waren „klar“. NSU.

Fünfte Jahreszeit (@parlograph)

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“Man ist ja ein Mann, hätte die Möglichkeit gehabt, den niederzuschlagen. Warum hat man das nicht gemacht?“
Ein Arnstädter Sparkassenfilialleiter

Kommst du nach Gotha, Oswald Ackermann, sag ihnen, wir haben die Wahrheit gesucht in närrischer Zeit, als das Gesetz verhöhnten, die es beschützen sollten. Wer die NSU-Stränge Eisenach und Zwickau entwirren will, den thüringischen und den sächsischen, bis an den Rand des stillen Naziuntergrunds, der gelangt über Gotha zum Arnstädter Überfall, wo du kein Mann warst.

Am 7. September 2011 endet in deiner Sparkasse das Exil der Bombenbastler. Das Ereignis verbindet Eisenach und Zwickau, Naziterror und Registriergeld. Ein Bankraub bringt sie nach Hause und löst die Katastrophe aus. Hier beginnt die Verwandlung dreier Menschen, die der Staat um ihr Leben betrog, zum NSU-Phantom. Kriminaldirektor Menzel wird zum Gott aus der Maschine, Christian Leucht ist sein Prophet.

Wenn Binningers VT-Ausschuß zu irgendetwas nütze war, dann hat er die dürftige Faktenlage zum Überfall um Zeugenaussagen und ein paar Aktenschnipsel ergänzt. Aufklärung wider Willen also, beim zweiten Versuch, die heimliche Entsorgung des Rechtsstaates abzutarnen, mit Trugspuren, „limited hangouts“ und einer weiteren Verschwörungstheorie: Das Kerntrio und seine unerkannten Helferlein.1)

Freilich bleibt der Unterstützerkreis beweislos wie die Verbrechen der Zwickauer Zelle. Für den Ausschuß ist das kein Problem, im Gegenteil. Und so treiben die Polizisten Binninger und Schuster ihre Zeugen spielerisch in die Enge, füttern Spekulationen, die man angeblich ausräumen will, und übergeben, werden Zeugen mal nervös, das Fragerecht an das Marschner-Groupie Pau.

Serienjunkies

Die „sächsisch-bundesweite“ Bankraubserie, die 1998 in Chemnitz beginnt und in Eisenach beendet wird, haben die Polizisten Leucht, Flämig und Merten erkannt, sie begründet materiell den NSU, das Fundament, das Selbstenttarnungen und alles Folgende erst möglich macht.

Aber diese wunderbare Serie hat Makel: Objektive Spuren fehlen oder sind vernichtet,2) Allgemeines wird zum Besonderen erklärt, Muster werden behauptet, Abweichungen ignoriert. Solche klaren Muster ergeben sich nicht bei Wiederholungstaten, weder bei Zeitspannen3), noch Orten, noch bei angeblich „zu geringer“ Beute.4) In Stralsund kommen die Täter wieder, obwohl oder weil der erste Überfall erfolgreich war. Dringend nötig brauchen auch die Arnstädter Räuber den Nachschlag nicht; am 4. November fahren sie 40.000 Euro Altbeute spazieren. Aber das können die Brainstormer Wötzel und Leucht nicht wissen.

Daß die Serie konstruiert wirkt, weil der Modus operandi diesselbe Täterschaft keineswegs zwingend macht und Täterbeschreibungen, Bekleidung, Waffen, Maskierung, Wochentage und Fluchtfahrzeuge variieren, wurde gezeigt.5)Trotzdem geht man damit in Thüringen hausieren.

Selbst Linkshändigkeit ist ein unsicheres Indiz, der Anteil im Volk schwankt zwischen fünf und dreißig Prozent.6) Bei zehn Prozent hält jeder zehnte Bankräuber die Pistole mit links. Oder auch nicht. Denn Frauenschläger Böhnhardt traktiert ja in Arnstadt mit dem Telefon die Dame am Empfang. Den Revolver steckt er ein, statt sie einfach damit zu bedrohen? Oder legt doch die Handgranate ab?

Bleiben die Fahrräder. Zeugen, die sie sehen, gibt es in Arnstadt auch. Fahrräder sind inzwischen ein so stark suggestiver Beweis, daß egal scheint, wer damit fährt oder sie schiebt. Das können immer nur Böhnhardt und Mundlos sein, die einzigen Radfahrer der Welt. Folglich werden, wenn es sonst schon keine Spuren gibt,7) Räder zum Fingerabdruck des NSU bei Dönermorden bis zum Bombenterror von Köln.

Nur geträumt

Die Idee vom Fahrradtransporter haben Leucht und Genossen schon 2006, noch vor den Banküberfällen in Stralsund, bei denen hohe Beträge erbeutet werden.8)Sie ist 2011 also fünf Jahre alt. Und es gibt eine Parallele zu Arnstadt: Auch in Stralsund meldet man sich spontan von Sachsen aus, ist sich sicher, fährt hin zum Meinungsaustausch und will es da schon „bundesweit“.

Trotz des Erfolgs und erneut abweichend vom Muster, überfallen die Täter zwei Monate später, Mitte Januar 2007, dieselbe Bank.9) Leuchts „scharfe Waffe“ scheint nun eine Schreckschußpistole zu sein. Auf Konsequenzen nach dem letzten Raub hat die Sparkasse verzichtet und Polizeimaßnahmen bringen nichts trotz sächsischer Tips? Keine Ringfahndung nach einem Transporter mit mitteldeutschem Kennzeichen? Sächselnder Tourismus an der Küste dürfte im November und Mitte Januar überschaubar sein.

Denken die Kripobeamten in fünf Jahren, in denen sie mit der Idee vom Fahrradtransporter schwanger gehen, auch an Beschaffungskriminalität? Wie lange brauchen sie, um auf die Thüringer Bombenbastler zu kommen, 1998 abgetaucht in ihrem Revier? Hört man von Observationen in Chemnitz beim Kollegentratsch; Meldungen und Gerüchten, die man verknüpft? Auffallen darf den rührigen Polizisten auch das zeitliche Zusammentreffen der Chemnitzer Bankraube mit dem Trio, das dort vermutet wird.

Kannten sie vielleicht sogar die Namen der 2011 längst nicht mehr Gesuchten, die sie im „Brainstorming“ dann nach Thüringen geben? Ein Köder für Gothas antifaschistische Aktion oder war das Wunderlich, der sich erinnert hat? Erklären würde es Menzels Schnitzer der zu früh beschafften Vermißtenakte Mundlos, deren Beiziehung er später auf den 5. November verschiebt, auf einen Zeitpunkt, als sie niemand mehr braucht.

Hat die BAO Bosporus am 12. März 200710) Phantasien zu den Ceskamorden ausgelöst, über „eindeutige“ Merkmale vom spurlosen Fahrradphantom, ähnlich den Eingebungen bei Michèle Kiesewetters Polizistenonkel Mike?

Zwickaus früherer Staatschutzchef Andrä verneint vehement Wissen über die Verschollenen;11) trotz Fahndung, MDR-Sendungen und Bernd Merbitz, der einst die Soko Rex anführte beim Kampf gegen Rechts im renitenten Südsachsen und intensiver Mühe, die Jenaer nicht zu finden. Andererseits hält Fremden gegenüber die Omertà der Beamtenschaft bis heute.

Ist die „thüringisch-bundesweite“ Raubserie, die 2008 mit einem Überfall in Schmiedeberg am Rennsteig beginnt und in einem Stralsunder Gericht endet,12)bei deren Aufklärung Michael Menzels Soko hilft, halbbewußte Vorlage für Leucht? Soll Ähnlichkeit der Serien Gothas Polizeichef begeistern fürs sächsische Plagiat? Gothas KOK Wötzel jedenfalls beißt an.

Warten aufs Phantom

Aber Mario Wötzel bleibt nach dem Arnstädter Überfall einziger Bearbeiter, eine Soko fällt aus, Super-Menzel scheint an priorisierter Ermittlung nicht interessiert.13) Dennoch: Im merkwürdigen Kontrast wird man aktiv, erwartet einen neuen Überfall, glaubt den Sachsen also. Das LKA ist eingebunden. Jürgen Dressler, 2012 im Dezernat 34, Bereich „Verdeckte Ermittlungen“:14), 15)

Man habe dort im Hinblick auf mögliche weitere Banküberfälle mehrere Kräfte vorsorglich zusammengezogen bzw. in Bereitschaft versetzt. Der Zeuge bestätigte, er könne sich daran erinnern, weil auch immer entsprechende Observationskräfte dazu gehört hätten und insoweit bei ihnen immer ein Engpass bestehe. Ob Herr Menzel an dem Wochenende (4./5. November 2011) Einsatzkräfte des TLKA bekommen hatte, wisse er nicht. Er wisse aber, dass dieses Thema – und das sei auch richtig so – im Vorfeld der Ereignisse am 4. November 2011 schon über mehrere Wochen bedeutsam gewesen sei und entsprechende Einsatzpläne vorhanden gewesen seien.“

Einsatzpläne und Observationskräfte auf einen vagen Verdacht hin und einer fixen Idee aus Sachsen. Wötzel macht einen Aktenvermerk, in den er eine „hoch wahrscheinliche“ Verbindung nach Sachsen notiert. Für besonders auffällig hält er, daß in der sächsischen Serie fast immer zwei Täter gehandelt hätten.16)Allerdings ist das Internet voll mit Banküberfällen, bei denen zwei Täter, maskiert, mehr oder weniger brutal mit Schusswaffen agieren.17)

Kann man sich auf einen individuellen Modus operandi versteifen, wenn Merkmale eher üblich sind? Ein Bankraub mehrerer maskierter Männer ist kein Gesprächskreis, er dürfte typische Elemente haben bei aggressivem Auftreten, Fixieren von Personal und Kunden, Anweisungen zur Geldübergabe, Absichern und gemeinsamer Flucht, zumal in einer Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren, wie sie von Zeugen beschrieben wird.

Auffälligkeiten dagegen werden heruntergespielt: In Arnstadt schlägt ein Täter mehrfach mit einem Telefonhörer brutal auf eine Angestellte ein, fast exzessiv. Diese übertriebene Gewalt ist für die Bankräuber unnötig und riskant; ein eingespieltes Team wird Komplikationen vermeiden und auf Routine und Effizienz setzen, erst recht wenn es planvoll vorgeht, wie die Radfahrer vom NSU.

Paradoxerweise schaffen Leucht, Flämig und Merten mit ihrer fast willkürlich anmutenden Individualisierung am Ende einen neuen, unglaubwürdigen Typus: den deutschen Rechtsterroristen, der sich – wie sein Pendant von der RAF – mit Banküberfällen ein Leben im Untergrund finanziert.

Die schlafwandlerische Sicherheit, mit der sie „ihre Serie“ behaupten, ohne materielle Beweise, und den Bankraub am 4. November prophezeien, ist bis zuletzt schwer nachvollziehbar: Der „Mulatte“ im Erkenntnisfernschreiben vom 13. September 201118) wird von Leucht und Flämig ignoriert wie der Langhaarige in Eisenach von Menzel; das sind dann Wahrnehmungsfehler einer doofen Friseuse und eines schlichten Kutschers.

Einen Tag später schon drängen sich die „elektrisierten“ Zwickauer den Thüringern auf. Kurz darauf meldet sich auch Merten, der Ohrengutachter aus Chemnitz, mit dem „sächsisch-bundesweiten“ Konstrukt.

Alles nur Übung?

Und doch wird die Vermutung zur Realität und Christian Leucht verfaßt am 4. November 2011 eine Meldung, die um 10.17 Uhr im Lagezentrum der Polizeidirektion Zwickau eingeht:19)

10:17 Ausgangsinformation <- KPf/ Dez 2, Kollege Leucht
>>Fahndungsinfomation<<
Hat Infos zu einer Raubstraftat Im Bereich Eisenach/ Th, bei dem ein Wohnmobil mit V-…Kennzeichen eine Rolle spielen soll.“

Das ist eine Stunde nach dem Überfall. Gegen 9.30 Uhr beobachtet Rentner Stutzke angeblich, wie Fahrräder in ein Wohnmobil verladen werden, geht einkaufen und berichtet davon, als er zurückkommt, der Polizei; geschätzt 9.50 Uhr.20) Da wird das V-Kennzeichen bekannt. Erst 10.08 Uhr ist die Hubschrauberstaffel über ein Womo aus Sachsen informiert.

Aber schon 10.29 Uhr legt Leucht nach:

10:29 Sachverhalt <- OE: Kriminaipolizeiinspektion
Herr Leucht;

Heute gegen 09.20 Uhr kam es in Eisenach zu einem Raubüberfall auf ein Geldinstitut, Täter flüchteten mit einem weißen WoMo mit V-Kennzeichen. Tat steht im Zusammenhang mit einer Serie von Überfällen auf Geldinstitute im Bereich Thüringen und Sachsen.

Vorsicht Schusswaffe!! Eigensicherung beachten!!“

Für Leucht ist zu diesem Zeitpunkt nicht nur klar, daß die Täter von Eisenach und Arnstadt, wie erwartet, dieselben sind, er ist völlig sicher; das ist „seine Serie“. Wenige Stunden später ist die zuende. Unheimlich. In Eisenach erhält KOK Lotz kurz vor Leuchts Eintrag gegen 10.20 Uhr einen Anruf von Mario Wötzel aus Gotha, dem Ermittler des Arnstädter Überfalls. Auch hier legt man sich rasch auf die Ermittlungsrichtung fest. Eine Stunde nach dem Raub, in dynamischer Lage, sind alle Hinweise ausgewertet und keine Fragen offen:21)

Der Unterzeichner erhielt während der kriminalpolizeilichen Maßnahmen gegen 10:20 Uhr einen Anruf von Herrn KOK Wötzel vom Kommissariat 2 der KPI Gotha. Dieser war Bearbeiter eines Überfalles auf eine Bank in Arnstadt. Es erfolgte ein Informationsaustausch mit dem Ziel, festzustellen, ob es sich in beiden Fällen um die gleiche Tätergruppe handelt. Das es offenkundig so ist, konnte anhand der Begehungsweise, der auffälligen Maskierung und Bekleidung der Täter sowie der Bewaffnung (silberfarbener Revolver) als gesichert angesehen werden. Auf Grundlage dessen konnte KOK Wötzel weitere Ermittlungsergebnisse und Hinweise an den Unterzeichner übermitteln, so dass diese für die weitere Bearbeitung des Sachverhaltes genutzt werden konnten.“

Der Gothaer Wötzel telefoniert mit Lotz und gibt alle Informationen ungeprüft in Echtzeit nach Sachsen weiter? Wie Wötzel überhaupt auf die Idee kommt, in Eisenach anzurufen? Na, der emsige Beamte meldet sich zufällig am Freitagmorgen des 4. November bei der KPI Eisenach, Arnstädter Funkzellendaten wegen, weil ein Eisenacher Kollege schon mal bei der Auswertung half. So erfährt er vom Bankraub und meldet sich bei Lotz, der eigentlich gar nicht für Raubdelikte zuständig ist, aber zum Tatort eilt und gerade anderes zu tun haben sollte.

Auch Polizist Binninger ist über die Kommunikationswege erstaunt. Zu Leucht meint er:22)

Um 9.50 Uhr gibt es die Erstinformation in Thüringen noch am Tatort in einer Lage, die noch vollig dynamisch ist, und um 10.15 Uhr weiß schon der zuständige Sachbearbeiter im anderen Bundesland Bescheid und informiert selber das Lagezentrum. So schnell, muss ich echt sagen, hatte ich – – Die Polizei ist schnell, aber wie kam das so schnell zustande? […]

Oder waren Sie irgendwie in Erwartung, jetzt konnte bald mal ein Anruf kommen?

Zeuge Christian Leucht: Nein. Ich kann es einfach so erklären: Ausgangspunkt war der Überfall in Arnstadt. Da war für uns sofort klar – – Wir haben die KPMD-Meldung gesehen, dort waren, wenn ich mich nicht irre, sogar schon entsprechende Fotos mit angehangen aus der Überwachungskamera, wo sofort klar war: Das sind unsere Leute. Also, da gab es eigentlich wenig Zweifel.

Wir hatten uns dann sofort mit den Kollegen in Verbindung gesetzt, wie schon gesagt, haben die Unterlagen, die wir hatten, die Erkenntnisse sofort transferiert, dass die dort in der Lage gelebt haben, und hatten eigentlich vereinbart: Wenn was passiert, umgehend Info an uns. – So, das war, ich sage mal, eigentlich alltägliche Übung.

Vorsitzender Clemens Binninger: 
Das liegt nahe, aber, sagen wir mal, das war ja dann – – Im Prinzip muss der Kollege das so verstanden haben: Bevor ich irgendwas anderes mache, in Eisenach eine Fahndung einleite, rufe ich erst den Leucht an.

Zeuge Christian Leucht: Das weiß ich nicht, das müssen Sie ihn selber fragen. Es kam dann die Info, wo man sagte: Okay, jetzt, was ist für uns zu tun?

Vorsitzender Clemens Binninger: An Sie persönlich?

Zeuge Christian Leucht: Ja.

Fernsteuerung aus Sachsen also ohne Zuständigkeit. Wer soll das glauben? Nach Menzels Aussagen wird das Zeitfenster für Leuchts Schlußfolgerungen noch kleiner.23)

[…] Gegen 10:30 Uhr habe es die ersten Informationen aus der Bank zur Bekleidung und Bewaffnung der Täter gegeben. Die Beschreibung der Waffen, insbesondere die des mitgeführten Trommelrevolvers, sei unmittelbar an einen Sachbearbeiter in der KPI durchgestellt worden und neben der Anzahl der Täter und deren Bekleidung Anhaltspunkt für die Vermutung gewesen, dass es sich um dieselben Täter wie in Arnstadt handeln könnte.“

Aber gut, man wird fast zu Recht sagen können; verwertbar sind Menzels Zeitangaben nur bedingt.

Helden

Und der Arnstädter Überfall? Begingen den die Uwes und war der wenigstens echt? Fragen wir Filialleiter Ackermann, wie er ihn erlebt. Übersehen wir seine Aufschneiderei, achten wir auf die Chronologie und ein paar interessante Details.24)

Der Täter habe gedroht, ihn zu erschießen: „Ich habe gesagt, was das solle, wenn er mich erschießt, kommt er an den Tresor nicht ran, es dauert halt die acht bis zehn Minuten.” Er habe sich umgedreht, um die Kombination einzugeben. Als er das gemacht habe und sich wieder umgedreht habe, sei der Täter verschwunden gewesen.

[…] Er sei in den Servicebereich gegangen und habe gesehen, dass die Täter verschwunden waren. Dann habe er wahrgenommen, dass die Kollegin verwundet am Boden lag. Sie habe eine klaffende Kopfwunde gehabt.“

Ackermann läuft nach oben in Praxis, um ärztliche Hilfe zu holen, kümmert sich aber nicht weiter um die am Boden Liegende, von der sagt: „Ich dachte, als ich sie fand, sie sei schwer verletzt.”

Er hat dann nichts Besseres zu tun, als vor der Filiale Passanten nach den Flüchtigen zu fragen, erfährt, „dass die auf Rädern geflohen seien“ und fordert seine möglicherweise unter Schock stehenden Mitarbeiter auf, „sich getrennt voneinander hinzusetzen, den Täterbogen auszufüllen, nicht miteinander zu sprechen.“

Ernsthaft, Ackermann, war das so? Interessant die Dauer des Ereignisses. Der Filialleiter drückt den Alarmknopf unmittelbar nach Beginn des Überfalls:

Das Ganze habe insgesamt vom Überfall bis zum Eintreffen der Polizei schätzungsweise 20 Minuten gedauert.“

Zwanzig Minuten. Solange braucht die Polizei Arnstadt bis zur Sparkasse Goethestraße bequem zu Fuß. Neun Minuten mit dem Fahrrad und ohne Blaulicht. Da hätte man die Räuber fast noch treffen können.25)

Zur Beute befragt hat Ackermann „keine konkrete Erinnerung mehr“ und bezieht sich auf Pressemeldungen. Spätestens das läßt grübeln. Für den Leiter einer Sparkasse, der als Zeuge im NSU-Prozeß vom Überfall berichtet, eine merkwürdige Anwort. Weicht er aus? Will er in diesem Punkt nicht lügen müssen? Die Täter beschreibt er als aufgeregt und ein wenig begriffsstutzig:

Was ich noch sagen möchte: Ich war über den Überfall irritiert, weil ich dachte das sind Dilettanten. Die haben uns nicht zusammen gehalten. Die eine Kollegin konnte abhauen, haben rumgeschrien.“ Vorne an der Tür stehe, dass der Tresor zeitschlossgesichert ist. Das sei ihm unprofessionell vorgekommen: „Im Nachhinein war es ihnen vielleicht egal, hat das keine Rolle gespielt.“ Er sagt, dass die aufgeregt gewesen seien, weil sie nur rumgeschrien hätten. Sie hätten denen gesagt, dass sie alles machen, da hätten die nicht drauf reagiert: „War eine ganz ganz hektische und aufgeregte Situation, auch von Seiten der Täter, finde ich.“

Zeitschlossgesicherter Tresor, Mundlos der „Intellektuelle“ mit Leseschwäche, hektische Bankräuber, die nach etlichen Überfällen immer noch patzen, aber als Mörder agieren sie kaltblütig und effizient. Meist zumindest.

Waren das die Uwes? Auch die Körpergrößen stimmen nicht, wie schon in Köln, das Alter paßt nicht, beim Phantombild fehlt die Ähnlichkeit. Tendenz: eher nein.

und Patrioten

Und jetzt? Der Punkt ist: Um den NSU anzuschieben, brauchte man gar keine Lockspitzelzelle a.D. Eigentlich störte sie sogar. Man brauchte ihre Namen, ihre Gesichter, ihre Geschichte als Platzhalter, wie in der „Küstenwache“ oder den „Bestien“, und Beates Geständnis für einen irren Schauprozeß. Mit ihren Identitäten hätten die Uwes den alimentierten Untergrund abbezahlt, warum sollten sie Gefängnis riskieren? Aus Loyalität?

Und hätten sie wirklich bei einem Überfall in Arnstadt mitgemacht, quasi geholfen, sich selbst und das eigene Ende als NSU zu inszenieren, wäre der Dank des Vaterlandes ein Mord? Kaum. Verdiente Staatsbürger werden hier nicht erschossen. Manchmal werden sie eingeschüchtert, zerstört und nicht mehr erwähnt und das ist selten persönlich gemeint.

Tausend Hände belebt ein Geist: Den Arnstädter Bankraub konnte jeder machen, der erpressbar war und naiv genug oder lenkbar oder sonst irgendwie vom Sinn des Ganzen überzeugt.

Wer Leucht und Mertens sächsisch-bundesweite Serie in Zweifel zieht aus Gründen, darf ihn für Zufall halten und für die Einzeltat zweier Dilettanten, die, ohne es zu ahnen, den NSU auslösten, mit „netten“ Nachahmungstätern in Eisenach.26) Wären da nicht die verdammten Räder.

 

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Fußnoten und Anmerkungen:

1) Pau und Binninger über den NSU
„Es gab weitere Mittäter“
Es gibt weitere NSU-Helfer, sind die Linke Petra Pau und CDU-Mann Clemens Binninger überzeugt. Können sie noch gefunden werden?

[Taz:] Bis heute aber ist offen, wie groß der Nationalsozialistische Untergrund überhaupt war. Ihr Ausschuss kam zu dem Schluss: Er war größer als Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Welche Belege haben Sie?

Binninger: Es gibt eine Reihe Indizien, die gegen die Trio-These sprechen. Also: Wir haben keinen einzigen Tatortzeugen, der zweifelsfrei sagt, ich habe Mundlos und Böhnhardt gesehen. Wir haben kein Phantombild, das so richtig passt. Und an keinem der NSU-Tatorte fanden sich DNA-Spuren von Mundlos, Böhnhardt oder Zschäpe. Nicht bei den zehn Morden, nicht bei den zwei Anschlägen, nicht bei den 15 Raubüberfällen. Das ist ein Phänomen. […]“

http://www.taz.de/!5400122/

2) http://www.deutschlandfunk.de/nsu-prozess-die-vergessenen-opfer-der-bankueberfaelle.724.de.html?dram:article_id=327242

3) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215066/umfrage/bankueberfall-beute-der-rechtsextremisten-boehnhardt-mundlos-und-zschaepe/

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Untergrund#Raub%C3%BCberf%C3%A4lle

4) 15.000 Euro in Arnstadt sind keine „geringe Beute“, wie Leucht glauben machen will.
Fallbeispiel München: Die letzten Jahre wurde kein Münchner zum Bankräuber, weil er seinen Job verloren hat, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. „An das große Geld kommt kaum einer der Täter heran“, erklärt Staatsanwältin Daniela Tausend. Die meisten Bankräuber erbeuteten Summen zwischen 2000 und 3000 Euro.“

München: „Bankraub ist nur für Trottel“
https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.muenchen-bankraub-ist-nur-fuer-trottel.d9968e5e-86e7-4594-8d84-4a7ba0df837c.html

Durchschnittliche Beute in den USA, 2015: 6.500 USD; Großbritannien, 2006/2007: 20.000 Pfund
aus: Banküberfälle sind in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen“
https://www.heise.de/tp/features/Bankueberfaelle-sind-in-den-letzten-Jahren-drastisch-zurueckgegangen-3344029.html

5) https://sicherungsblog.wordpress.com/2017/02/14/auch-der-bankraeuber-von-stralsund-ist-ziemlich-sicher-kein-uwe/

http://arbeitskreis-n.su/blog/2016/02/18/dpa-zwickau-2006/

http://arbeitskreis-n.su/blog/2015/06/23/3-bankrauber-3-schusse-und-keine-akten-olg-stadl-sorgt-fur-zahnschmerzen/

http://friedensblick.de/14586/tatort-zeugen-sahen-nicht-uwe-mundlos-uwe-boehnhardt/

6) https://linksherumblog.wordpress.com/2016/10/16/haeufigkeit-von-linkshaendigkeit/
https://de.wikipedia.org/wiki/Linksh%C3%A4nder#Anteil_der_Linksh%C3%A4nder

7) http://wir-koennen-auch-anders.blogspot.de/2014/07/fotobeweise-statt-dna-die-bankrauber_20.html

8) http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%205%20-%2015.%20Sitzung_endg.%20stenogr.%20Protokoll_14.04.2016.pdf
S. 5 des PDF-Dokumentes

9) In beiden Meldungen werden keine Fahrräder erwähnt, die Originalakten zu den Stralsunder Überfällen sind weg (siehe Fußnote 2).:

Bundeskriminalamt. Vermerk: Verlust von Originalakten der Staatsanwaltschaft Stralsund. Die Akten wurden dem BKA im März 2012 auf dem Postweg durch den GBA übersandt. Dabei sind die Akten entweder verloren gegangen oder im BKA selber verlegt worden. Es liegen lediglich Kopien der betreffenden Akten vor, deren Vollständigkeit nicht verifiziert werden kann.“

http://www.hansestadtstralsund.de/index.php?id=18&tx_ttnews[pS]=1266569459&cHash=e5af4c2121&tx_ttnews[tt_news]=259&tx_ttnews[backPid]=15

http://www.hansestadtstralsund.de/index.php?id=18&tx_ttnews[pS]=1266569459&cHash=e5af4c2121&tx_ttnews[tt_news]=318&tx_ttnews[backPid]=15

10) Kleine Anfrage der sächsischen Grünen an die Staatsregierung:

Frage 1: Wann haben in der Zeit von 2000 bis 2011 Informationsveranstaltungen in der Mordserie „Ceska“ in Sachsen stattgefunden?
Frage 2: Welche Funktionsträger welcher sächsischen Behörden und welche sonstigen Personen haben an diesen Veranstaltungen (jeweils) teilgenommen?
Frage 3: Wo fanden die Veranstaltungen (jeweils) statt?

Zusammenfassende Antwort auf die Fragen 1 bis 3:

Am 12. März 2007 fand eine Informationsveranstaltung der BAO Bosporus in Dresden statt. An der Veranstaltung haben Polizeibeamte des Landeskriminalamtes Sachsen sowie der Polizeidirektionen Chemnitz-Erzgebirge Dresden, Leipzig, Oberes Elbtal-Osterzgebirge, Oberlausitz-Niederschlesien, Westsachsen und Südwestsachsen teilgenommen.

Frage 4: Welche Maßnahmen wurden in Folge der Veranstaltungen (jeweils) wann von welcher sächsischen Behörde veranlasst?

Die Frage betrifft Bestandteile eines Ermittlungsverfahrens der Generalbundesanwaltschaft.

Zu laufenden Ermittlungsverfahren der Generalbundesanwaltschaft kann die sächsische Polizei keine Auskünfte erteilen.

http://www.gruene-fraktion-sachsen.de/fileadmin/user_upload/Kleine_Anfragen/5_Drs_9587_-1_1_3_.pdf

11) http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2059a.pdf

12) „Schmiedefeld. 19. Februar 2008 – für die Angestellten der Sparkassenfiliale ein Horrortag. Plötzlich sehen sie sich drei bewaffneten Maskierten gegenüber. Die verlangen Geld, schlagen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, eine der Frauen. Die geben nach. Doch auf dem Weg nach draußen geschieht etwas Unvorhergesehenes – einer der Täter bricht im Foyer zusammen – vermutlich jener Werner K. Ein Zeuge hatte beobachtet, dass einer der Täter von seinen Komplizen beim Verlassen der Sparkasse gestützt wurde. Das Trio flüchtete Richtung Suhl. Etwa acht Kilometer vom Tatort fand die Polizei das Fluchtauto, dann verlor sich zunächst die Spur. Doch im September 2009, nach einem weiteren Überfall auf eine Bank im schleswig-holsteinischen Todenbüttel, wurden die Täter auch dank der monatelangen akribischen Arbeit der Kripo Gotha gefasst – ein Duo. Der dritte Mann blieb verschwunden. Die Polizei ging davon aus, dass der dritte Täter auf der Flucht verstorben und die Leiche irgendwo im Wald zwischen Schmiedefeld und Suhl zurückgelassen wurde. Eine erste Suchaktion war ohne Ergebnis geblieben. Aber das Gelände sei eben auch sehr unübersichtlich, hatte noch Anfang Februar 2010 der Chef der Polizeidirektion Gotha, Michael Menzel, die Hoffnung auf eine erfolgreiche Suche genährt. […]“

https://ilmenau.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/leben/blaulicht/detail/-/specific/Toter-Komplize-nach-Ueberfall-in-Thueringen-im-See-versenkt-1413953830

Stralsund. Die Gangster planten die Sparkassenüberfälle generalstabsmäßig bis ins kleinste Detail: Schon Wochen vor dem jeweiligen Raubzug spionierten sie Fluchtwege aus, präparierten Geldverstecke in nahegelegenen Wäldern und bastelten Türsperren, um während der Tat nicht von Bankkunden überrascht zu werden. Mitten im laufenden Kundenbetrieb schlugen sie dann zu – deutschlandweit und immer nach ähnlichem Muster. […]“

https://www.abendblatt.de/region/norddeutschland/article106511021/Bundesweite-Bankueberfaelle-Serienraeuber-verurteilt.html

13) „Zeuge Mario Wötzel: Also, ich war – – Das war mein Fall. Also, ich war der einzige Sachbearbeiter in der Sache.
Vorsitzender Clemens Binninger: Gab keine Sonderkommission,
Zeuge Mario Wötzel: Nein.“

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%207%20-%2019.%20Sitzung_endg.%20stenogr.%20Protokoll_11.05.2016.pdf

14) https://www.gruene-thl.de/nsu-untersuchungsausschuss/bericht-aus-dem-nsu-untersuchungsausschuss-10

15) http://www.thueringer-landtag.de/mam/landtag/aktuell/2014_8/drs58080_band02.pdf

16) Zeuge Mario Wötzel:

Wie gesagt, unsere Ermittlungen hatten insgesamt zu 18 Spuren geführt, wobei wir auch schon recht früh ein Erkenntnisfernschreiben bundesweit gesteuert hatten. Das war am 13.09. Daraufhin hat sich am 14.09. der Kollege […] von der KPI Zwickau bei mir gemeldet, […]

Daraufhin habe ich dann einen Aktenvermerk geschrieben, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit hier ein Tatzusammenhang zu der Raubserie besteht, und habe das auch an entsprechenden Fakten begründet. Hier war also besonders auffällig, dass zwei Tater immer gehandelt haben – bis auf ein Delikt, wo nur ein Täter gehandelt hatte, dass die Tater äußerst brutal und arbeitsteilig vorgegangen sind und dass einer der Täter Linkshänder war. Aufgrund der Feststellung, dass die Beute in der Sparkassenfiliale Arnstadt-West nicht besonders hoch war – es waren um die 15 000 Euro erbeutet worden –, hatte ich in Anbetracht der übrigen Erkenntnisse aus dieser Tatserie die Vermutung geäußert, dass es vermutlich zu weiteren Taten der Täter kommen wird. Natürlich konnte ich nicht voraussagen, wann und wo. Das habe ich entsprechend auch meinem Dienstvorgesetzten mitgeteilt.“

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%207%20-%2019.%20Sitzung_endg.%20stenogr.%20Protokoll_11.05.2016.pdf

S. 5 des PDF-Dokumentes

17) https://eisenach.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/leben/blaulicht/detail/-/specific/Maskierte-Maenner-ueberfallen-Sparkasse-im-Wartburgkreis-1317417694

https://www.swr.de/marktcheck/bankraub-in-oberkail-und-boos/-/id=100834/did=20924022/nid=100834/kyiscg/index.html

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Bankraub-in-Endenich-Polizei-fahndet-nach-zwei-T%C3%A4tern-article181077.html

http://www.nw.de/lokal/bielefeld/senne/20409913_Polizist-schiesst-nach-Bankueberfall-auf-Taeter.html

18) Personenbeschreibung eines der Radfahrer von Arnstadt aus dem Erkenntnisfernschreiben vom 13. September 2011:

Vorsitzender Clemens Binninger: So. Genau.
Und da schreibt sie:
Die Bilder der Überfallkameras liegen jetzt vor.
[Die haben wir uns gerade angeguckt. Und dann geht es weiter unten weiter:]
Die Täter können wie folgt beschrieben werden:
– beide sollen ca. 20 bis 25 Jahre alt sein [wir reden über das Jahr 2011]
– von schlanker Statur
– die Körpergröße … 180-185 cm
– einer der beiden Täter soll dunkelbraune Haare gehabt haben
– einer der beiden Täter soll …
[jetzt verkürze ich hier] afrikanischen Phänotypes …
[also dunkelhäutig gewesen sein]
– beide sprachen akzentfreies Deutsch“

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%205%20-%2015.%20Sitzung_endg.%20stenogr.%20Protokoll_14.04.2016.pdf
S. 11 des PDF-Dokumentes

Jim Knopf oder doch Samuel Meffire, Sachsens gefallener schwarzer Polizist?
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/samuel-meffire-im-gespraech-es-gibt-dinge-da-habe-ich-keine-antwort-12769467.html

Zeuge Christian Leucht:

Am 13.09.2011, zwei Monate vor dem letzten Überfall in Eisenach, ging erneut eine KPMD-Meldung zu einem Überfall bei uns ein, diesmal von der KPI Gotha zu einem am 07.09.2011 gegen 9 Uhr stattgefundenen Überfall auf eine Filiale der Sparkasse Arnstadt. Der Modus Operandi sowie die mitgelieferten Bilder der Überwachungskamera haben uns regelrecht elektrisiert, da wir uns ziemlich sicher waren, dass es sich wieder um unsere Serienräuber handelte. Wir informierten umgehend die Kollegen in Gotha, verwiesen auf die Serie im Bereich Chemnitz/Zwickau/Stralsund und übersandten die wichtigsten Informationen aus den zurückliegenden Handlungen. Gleichzeitig haben wir die Kollegen in Gotha daraufhingewiesen, dass die hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Täter aufgrund der geringen Tatbeute erneut im Bereich auftreten.“

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%205%20-%2015.%20Sitzung_endg.%20stenogr.%20Protokoll_14.04.2016.pdf

19) http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%2083,%2084%20-%20MAT%20SN-25,%20Anl.%201,%20Ordner%201,%20S.%201-2,%20S.%20148-155.pdf

20) http://www.sueddeutsche.de/politik/nsu-prozess-drei-schuesse-am-schafrain-1.1971537
https://www.nsu-watch.info/2014/05/protokoll-113-verhandlungstag-20-mai-2014/

21) Bd4-1Ordner1WohnmobilAllgemeines.pdf

22) http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/CD12950/Anlagen%200001-0094/Anlage%205%20-%2015.%20Sitzung_endg.%20stenogr.%20Protokoll_14.04.2016.pdf
S. 8 des PDF-Dokumentes

23) http://www.thueringer-landtag.de/mam/landtag/aktuell/2014_8/drs58080_band02.pdf
S. 414 des PDF-Dokumentes

24) https://www.nsu-watch.info/2015/03/protokoll-195-verhandlungstag-25-maerz-2015/

25) Mit Einsatzfahrzeugen brauchen sie für 1,8 km fünf Minuten, was schon viel erscheint: Google Maps

26) „Zunächst hätten beide bei ihrem Sparkassen-Überfall am 4. November 2011 in Eisenach einen älteren Kunden im Schalterraum zu Boden gestoßen, berichtete der Beamte am Donnerstag in Erfurt. Doch dann zeigten sie sich ihm gegenüber überraschend freundlich: Sie hätten ihm seine Geldkarte und die von ihm gerade abgehobenen 50 Euro hingelegt und nicht geraubt.“

aus: „Das 50-Euro-Detail passt nicht zum NSU“
https://www.welt.de/politik/deutschland/article152123872/Das-50-Euro-Detail-passt-nicht-zum-NSU.html

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Bildnachweis:

Titelfoto und Screenshot aus: https://www.meinanzeiger.de/saalfeld/c-kultur/arnstadt-aktuell-ueberfall-auf-die-erfurter-bank-eg_a57355

Dieser inszenierte Überfall fand nicht in der Sparkasse Goethestraße statt, sondern in der Erfurter Bank, einige Straßen weiter. Er gehört zu einer Serie mit fast identischem Modus operandi. Achtung, Erster von links: Linkshänder! Fotos: Andreas Abendroth

Schwarz maskierte Männer stürmten die Bank – Bankangestellte und Kunden wurden freigekauft

Von Andreas Abendroth

Zum dritten Mal wurde die Filiale der Erfurter Bank in Arnstadt überfallen. Sechs mit schwarzen Anzügen bekleidete, maskierte und bewaffnete Männer stürmten kurz vor der Mittagszeit die Filiale in der Lindenallee. Nach zähen Verhandlungen kaufte die Bank ihre Mitarbeiter und einige Kunden, die sich zurzeit in dem Bankgebäude aufgehalten haben, frei. Die Summe betrug 999,99 Euro.“

Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 5

eine Serie von @riemenkarl

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Die Tat und die Auffinde-Situation

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der BMW5er neben dem Trafohaus

13:58 UHR, diverse Ohrenzeugen hören Schüsse

14:00 UHR, Ehepaar F. (11)

Beide beobachteten wie ein dunkelblauer Audi A 4 mit LB-Kennzeichen in schneller Fahrt auf die Theresienwiese, an der Zufahrt Schlachthof fuhr. Fahrer blond, Kurzhaarschnitt, weiterer Mitfahrer.

Anmerkung:

Auch hier wird wieder ein blauer Audi beschrieben. Was sehr auffällig ist, dass dieser in unmittelbarer Tatortnähe gesehen wurde! Zwar ist hier das Nummernschild ein anderes, aber die Fahrzeugbeschreibung passt weitgehend mit den anderer Zeugen überein! Diese Aussage findet in den Akten nur geringe Erwähnung. Personenbeschreibungen könnten vielleicht mit den Phantomen übereinstimmen. Unklar.

Gegen 14:00 UHR, Andrei F. (12)

Der Zeuge hört gegen 14:00 UHR zwei Schüsse, er sah auch das Polizeifahrzeug. Im Anschluss sah er einen blauen Ford Kombi mit Mosbacher Kennzeichen schnell in Richtung Süden davon fahren. Seine Beobachtungen machte er vermutlich auf Höhe des alten Schlachthofes in der Theresienstraße.

Anmerkung:

Diese Aussagen befinden sich nicht in Ordner1 und sind leider nur dürftig geschildert. Vermutlich ist bei dem Polizeifahrzeug das Opferfahrzeug gemeint. Auch hier taucht wieder der ominöse blaue PKW auf, der hier aber als Ford Kombi bezeichnet wird. Trotzdem wird hierbei wieder das Kennzeichen als Mosbacher Nummer angegeben. Die Polizei schätzte seine Aussagen in weiteren Vernehmungen als unglaubwürdig ein. Spur 603. Diese Aussage machte er ungefähr vor dem 28.08.2007(wann genau ist unklar). Ein Aktenvermerkt dazu:

In einer Folgevernehmung am 27.04.09 erklärte der HWG, dass damals alles gelogen war: Er sei unter Drogen gestanden und wollte schnelles Geld verdienen. Das Handy des HWG war nicht in der Funkzelle.

Wie dieser Aktenvermerk und seine Aussagen im Einklang zu sehen sind ist fraglich. Was aber auffällt ist, dass an dieser Stelle ein blaues Auto mit einem Mosbacher Kennzeichen erwähnt wird. Ähnlich wie bei den Zeugenaussagen von Mehmet C., Lieselotte W. und dem HWG aus der Sontheimer Straße.

Muss man ein Handy dabei haben um etwas gesehen zu haben? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich einen vom Tatort flüchtenden blauen Wagen mit Mosbacher Kennzeichen vorstellt und der im Tagesverlauf von mehreren Zeugen im Groben so gesehen wurde? Solch eine Information war womöglich nicht aus den Medien zu entnehmen.

14:00 UHR (ungefähr), Lieselotte W. (13 und B)

Die Zeugin befuhr von Nordheim her kommend die Neckartalstraße. 150 m bis 200 m bevor sie die Otto-Konz-Brücke befuhr, hörte sie ganz deutlich zwei harte Schüsse. Als sie an der Kreuzung anhielt, sah sie einen Mann, der sowohl am linken Arm als auch an seiner komplett linken Seite blutverschmiert war. Es sah so aus als ob zufällig ein Auto dem Mann entgegen kam. Dieses Auto hielt an, der Mann stellte sich vor die Beifahrertüre, schaute um sich herum und stieg anschließend hinten im Fahrzeug ein. Die Person wird wie folgt beschrieben: Männlich, mittelgroß, 170- 175 cm, nicht dick aber gut genährt, breite Schultern, rundes Gesicht, glatte und dunkelblonde Haare. Er wird als Russe oder Pole beschrieben. Der Mann war ca. 30 – 35 Jahre alt. Er trug ein blau-grün gemustertes Hemd. Er trug keinen Bart und keine Brille. Das Fluchtfahrzeug beschreibt sie als dunkle Limousine, möglicherweise blau. Die Erscheinung des Fahrzeuges beschreibt sie als ungepflegt und runter geritten (sinngemäß). Das Fahrzeug soll aus der Theresienstraße an der Ecke zur Karlsruher Straße gehalten haben und in Richtung Böcking gefahren sein.

Bei einer ergänzenden Vernehmung im Oktober 2009 sagte die Zeugin zu dem Fahrzeug aus, dass es sich hierbei um eine Limousine handelte die hell, vielleicht beige war. Ähnlich wie ein Taxi, aber ausdrücklich war es kein Taxi. Es soll sich hierbei um einen Mercedes („oder sowas“, Ausdruck der Zeugin) mit Mosbacher Kennzeichen gehandelt haben. Bei dem Kennzeichen sei sie sich absolut sicher. Dieses Szenario soll sich nun an der Kreuzung Frankfurter Straße zur Theresienstraße zugetragen haben. Diese Örtlichkeit liegt circa 280m nördlich von der zuerst gemachten Beobachtung (Theresienstraße Ecke Karlsruher Straße) entfernt.

Anmerkung:

Sehr auffällig ist es, dass die Zeugin die Angaben zu dem Fahrzeug und zum Standpunkt ihrer Sichtung im Oktober 2009 ändert. Wie soll sie diese Beobachtung gemacht haben (die sich in der zweiten Darstellung im nördlichen Teil abgespielt haben soll), wenn sie doch aber am südlichen Teil der Theresienwiese entlang fuhr? Das dunkle/blaue Fahrzeug mit Mosbacher Kennzeichen, meist von anderen Zeugen als Audi 80 oder Audi A4 beschrieben, wird nun von ihr als ein völlig anderes Fahrzeug angegeben! Warum macht sie nach einem so langen Zeitraum plötzlich und ohne jede erkennbare Notwendigkeit völlig andere Angaben zum Fahrzeug und zum „Ort des Geschehens“? Angeblich soll sie diese Aussage aus Eigenantrieb gemacht haben, da ihr die Sache keine Ruhe lassen würde. Ein Vermerk zu ihren Vernehmungen lautet, dass die Zeugin einen „unsicheren“ Eindruck in ihren (zweiten) Zeugenaussagen übermitteln würde. Bei der Vernehmung in der sie diese nachträglichen Angaben gemacht hatte, findet sich keine Unterschrift. Weder von den vernehmenden Beamten noch von der Zeugin! Diese „Änderungen“ von Zeugenaussagen zu der Fahrzeugbeschreibung findet sich immer wieder im Verlauf der Zeugenangaben.

14:00/05 UHR, Jürgen N. (14)

Der Zeuge befuhr am Tattag die Hafenstraße in südlicher Richtung. Er fuhr gegen kurz vor 14:00UHR von seinem Wohnort los und parkte sein Fahrzeug gegen kurz nach 14:00 UHR auf der Höhe des Eros-Centers in der Hafenstraße, kurz vor der Eisenbahnunterführung (geschätzte Fahrdauer von seinem Wohnort aus bis zum Abstellen des Autos, laut Google-maps circa 8 Minuten). Anschließend ging er dann von der Hafenstraße, unter der Unterführung hindurch und auf die andere Straßenseite in die Theresienstraße. Dort fiel ihm auf der nördlichen Einfahrt zur Theresienwiese ein Polizeifahrzeug auf. Die folgenden Beobachtungen machte er von der Unterführung aus, circa 10 bis 15m entfernt, in südlich blickender Richtung. Das Polizeifahrzeug, ein 5er BMW Streifenwagen, stand gegen der Fahrtrichtung mit zwei Rädern auf dem Bürgersteig direkt neben der ersten Einfahrt (von Norden gesehen). Neben dem Polizeiauto befanden sich ein Polizist, den er als circa 1,89m groß beschrieb, und eine südländisch aussehende Passantin von circa 1,75m Größe, welcher der Polizist kontrollierte. Einen zweiten Polizisten sah er nicht. Die Frau hatte eine schlanke Gestalt, lange glatte schwarze Haare, ungefähr zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Anmerkung:

Der Zeuge sagt in aller Deutlichkeit, dass er den Beamten und das Polizeifahrzeug um kurz nach 14:00 UHR an der nördlichen Einfahrt der Theresienwiese gesehen hat. Wie kann diese offensichtliche Tatsache in die Geschichte passen? Offiziell kamen die ersten Beamten aber erst gegen 14:22 UHR an! (vorher mit 14:18 UHR angegeben)

Bei der Frage welche Größe der vernehmende Beamte gehabt habe, sagt der Zeuge, dieser sei ungefähr 1,89m groß. Vermerkt wird hierbei, dass der Beamte eine tatsächliche Größe von 1,92m hat. Was lässt sich aus dem Vermerk in den Akten schließen? –> Ist hier bekannt welcher Beamte die Kontrolle kurz nach 14:00 UHR durchführte? Was hatte der Polizist kurz nach dem Anschlag dort zu suchen, wo der Funkspruch und der Notruf offiziell noch gar nicht raus waren?

Nachtatphase. Zeugen entdecken den Tatort.

14:05 UHR, Auffinde-Zeuge. Peter S.

Der Zeuge fuhr mit dem Rad über die Brücke in Richtung Bahnhof entlang und bemerkte dabei das neben dem Trafohaus stehende Polizeiauto. Er fuhr in unmittelbare Nähe auf ungefähr 20m (blieb die ganze Zeit auf dem Radweg) an den Tatort heran. Dabei sah er, dass ein Polizist seitlich aus der geöffneten Fahrertür hing. Es sah so aus, als hinge der Polizist seitlich auf dem Türschweller um sich nach unten zu beugen. Der Polizist sei auf der Brust blutverschmiert gewesen. Beide Türen standen offen. Er fährt zum Bahnhof und verständigt über den Taxifahrer Mustafa K. die Polizeidienststelle Heilbronn. Sein eigenes Handy benutzt er nicht. Der Zeuge beschreibt in einer weiteren Vernehmung den heraushängenden Polizisten. Hierbei gibt er bei der Frisur an, dass diese eine dunkelblonde mit hellen Strähnen gewesen sei. Er beschreibt sie als Kurzhaarfrisur. Weiter gibt er an, dass er keine Langhaarfrisur erkannt haben will. Er sieht während er zum Bahnhof fährt beim Zurückblicken, dass beide Türen geöffnet sind.

13:55/14:15 UHR (zwischen beiden Uhrzeiten), Thorsten B. (C)

Der Zeuge befuhr vermutlich gegen kurz nach 14:00 UHR die Hafenstraße in südlicher Richtung (in Richtung Theresienwiese). Auf der Höhe der Bahnunterführung sah er rechts von sich drei Männer die Böschung hinunter laufen. Für ihn hatte es den Eindruck als würden sie vor etwas davon laufen. Er vermutete eine Kontrolle von Schwarzarbeitern. Als er auf der Höhe der Theresienwiese war bemerkte er, dass sich dort schon Polizeifahrzeuge befunden haben. Seine Verlobte Tina K. bestätigte die Uhrzeit und die Erzählung ihres Verlobten, da dieser sie unmittelbar nach der Sichtung angerufen habe. Die Uhrzeit wird hierbei auf kurz nach 14:00 UHR eingegrenzt.

Anmerkung:

Hier wird von drei flüchtenden Männern gesprochen. Waren dies eventuell dieselben Männer die auch der Zeuge Thomas K. zuvor gesehen hatte, welche die Frankfurter Straße in Richtung Theresienwiese entlang liefen? Mögliche wäre es, da Thomas K.s Darstellungen sich auf nur wenige Minuten zuvor beziehen. Somit könnte es auch möglich sein, dass diese drei Männer kurz nach den Schüssen geflohen sind. Dies ist aber deshalb unklar, da die angegebenen Zeiten recht ungenau sind. In einem Aktenvermerk steht zu den drei Personen, dass es sich hierbei womöglich um Zivilbeamte gehandelt habe (klar ist dies aber nicht. Warum sollten Zivilbeamte (gegen 14:50 UHR) vor etwas davon rennen?

Die Uhrzeit wird mit zwischen kurz vor 14:00 Uhr und 14:15 UHR angegeben. Somit könnte er diese Sichtung vermutlich gegen kurz nach 14:00 UHR gemacht haben. Als Bestätigung der zeitlichen Eingrenzung, dient das Telefonat mit seiner Verlobten, die er kurz danach angerufen haben will. In einem Aktenvermerk ist geschildert, dass die Verbindungsdaten seines Anrufes mit seiner Verlobten, auf 14:48 UHR datiert sind. Jedoch steht diese „Feststellung“ im direkten Gegensatz zu den beiden Aussagen der Zeugen Thorsten B. und seiner Verlobten!

Der Zeuge gibt klar mehrere Polizeifahrzeuge an die gegen kurz nach 14:00 UHR auf der Theresienwiese standen. Offiziell kamen die ersten Beamten aber erst gegen 14:18 UHR, was später auf 14:22 UHR umgeändert wurde (wegen des Funkspruches und der langen Anfahrzeit der ersten Kollegen).

Da offensichtlich mehrere Polizeifahrzeuge (Opferfahrzeug plus X?) vor 14:15 UHR von ihm gesehen wurden, kann es somit -nach der offiziellen Darstellung- unmöglich die Streife von PMin Kerstin K., PHK Joachim T. oder PHK Jörg H. gewesen sein. Wie schon erwähnt trafen diese nach offizieller Darstellung erst gegen 14:22 UHR ein (PMin Kerstin K. gab an als erste Streife gegen 14:22 UHR am Tatort eingetroffen zu sein)!

Wer waren dann diese Polizisten, so es denn mehrere gewesen sein sollten? Möglich wäre auch die Streife die der Zeuge Jürgen N. an der Einfahrt der Theresienwiese gegen 14:05 UHR sah, mit dem Polizist der dort eine Frau kontrollierte.

Sollten seine Schilderungen stimmen (wonach es aussieht), dass die Polizei schon kurz nach 14:00 UHR vor Ort war, so wie es die Zeugen Jürgen N. und Thorsten B. beschrieben, dann stimmt nicht nur die offizielle Version nicht, sondern dann gab es Polizisten die vor den „Offiziellen“ am Tatort waren.

14:10 UHR, Michael Karl W.

Der Zeuge sah gegen 14:10 UHR den Streifenwagen am besagten Tatort stehen. Die Fahrertür war geöffnet und aus dieser hing ein „sackähnlicher“ Gegenstand, den er nicht näher beschreiben konnte. Er befuhr die Strecke mit seinem Fahrrad. Genauere oder andere Beobachtungen konnte er nicht machen.

14:10 UHR (ungefähr), Jamil CHEHADE. (15)

Kam gegen 12:45 UHR schon einmal am späteren Tatort vorbei. Zu diesem Zeitpunkt stand der Streifenwagen noch nicht dort. Vermutlich kurz vor 14:10 UHR läuft er die Bahnhofsstraße zur Frankfurter Straße entlang in Richtung Theresienwiese. Folgende Beobachtung machte er auf Höhe des Stellwerkes: Dabei bemerkt er ein heran eilendes Fahrzeug welches mit hoher Geschwindigkeit auf die Theresienwiese auffährt, auf das Trafo-Häuschen zusteuert und hinter diesem anhält. Während er den Fahrradweg weiter zur Theresienwiese läuft, fährt das helle Fahrzeug nach circa 20 Sekunden mit hoher Geschwindigkeit auf die Theresienstraße in Richtung Süden weg. Es wird in den Akten angegeben, dass es sich hierbei um ein Taxi handelt.

Anmerkung:

Angegeben wird, dass das helle Fahrzeug ein Taxi gewesen sein soll.

Dieser Sachverhalt kann aus zwei Gründen NICHT stimmen!

  1. Die Taxis kamen erst Minuten später an, fast zeitgleich als die ersten offiziellen Polizisten eintrafen. Anschließend blieben die Taxis so lange, bis sie von den Polizisten weg geschickt wurden!
  2. Der Zeuge Chehade spricht an anderer Stelle von einem hellen Fahrzeug welches mit hoher Geschwindigkeit auf die Theresienwiese auffuhr und nach wenigen Sekunden wieder davon raste. Diese Sichtung wird auch in der Doku „Tod einer Polizistin“ (2017-ARD) von ihm so dargestellt.

Ein anonymer Hinweisgeber beschreibt ein silberfarbenes Fahrzeug, möglicherweise ein Mercedes E-Klasse, welches mit hoher Geschwindigkeit von der Theresienstraße in Richtung Otto-Konz-Brücke und weiter in Richtung B-27 fuhr. Auch der Zeuge Heiko N. spricht von einem silbernen Fahrzeug, das unmittelbar vor dem Polizeifahrzeug gestanden haben soll. Dies habe er beim vorbei fahren mit der S-4 gesehen. Hier könnte eine Analogie zur Spur 292 (anonymer HWG) und den Aussagen von Zeuge Heiko N. mit denen von Jamil Chehade bestehen.

Ein logischer und möglicher Schluss wäre, dass das heranfahrende helle Fahrzeug jemanden aufgegabelt haben könnte!

14:00/:10 UHR + weiter Minuten. (ungefähre Zeitangabe) Herbert M. (17)

Der Zeuge sah wie ein silberfarbener Mercedes, vermutlich E-Klasse, mit hoher Geschwindigkeit aus der Theresienstraße auf die Otto-Konz Brücke und weiter in Richtung B-27 fuhr. Seine Angaben beziehen sich auf ungefähr 14:00 UHR oder kurz danach.

Anmerkung:

Hierbei könnte es sich um dasselbe Fahrzeug handeln, dass auch die Zeugen Jamil Chehade und Heiko N.sahen. Der Zeuge Jamil Chehade beschrieb das Fahrzeug als einen hellen Wagen. In seiner Aussage von Ordner.1 steht jedoch, dass dies ein Taxi war. Kann aber nicht sein, da die Taxis nachweislich Minuten später ankamen (siehe seine Aussage oben). Der Zeuge Heiko N. wird womöglich dasselbe Fahrzeug gesehen haben. Er sagt dazu es sei ein silbernes viertüriges Auto gewesen. Die Zeiten von Jamil Chehade und Heiko N. stimmen ungefähr überein.

14:12 UHR, „Ring 30“ LPP Stuttgart ruft Ringfahndung innerhalb 30km aus.

14:15 UHR (vermutlich gegen 14:10 UHR) Heiko N. (16)

Der Zeuge fuhr mit der Straßenbahn S-4 zur ungefähr genannten Zeit von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn. Während dessen sah er beim Vorbeifahren auf der Brücke den Streifenwagen am Backsteingebäude stehen. Dabei sah er wie ein Polizist aus der geöffneten Fahrertür heraushing. Auf der Beifahrerseite saß ebenfalls ein Polizist. Beide Türen waren geöffnet. Unmittelbar vor dem Polizeiwagen, ungefähr drei Meter schräg davor, stand ein silberner, viertüriger PKW. Weitere Personen fielen dem Zeugen nicht auf. Die Türen des silbernen Autos waren geschlossen.

Anmerkung:

Früher als 14:13 UHR deshalb, da die Taxifahrer nach dem Notruf von Zeugen Mustafa K. / Peter S. losfuhren. Fahrdauer vom Bahnhof zur Theresienwiese circa 1 Minute. Hier wird eine Analogie zu den Zeugenaussagen von Jamil Chehade und Herbert M. deutlich, worin beide einen hellen/silberfarbenen PKW beschrieben, der auf die Theresienwiese bzw. zum Trafohaus mit hoher Geschwindigkeit auf und wieder ab fuhr.

14:12 UHR (ungefähr), Jamil Chehade

Nachdem das Fahrzeug abgefahren und eine Staubwolke hinterlassen hat, befindet sich Jamil Chehade am Trafohäuschen/Tatort. Er nähert sich dem Streifenwagen von hinten auf circa 2m. Beide Türen des BMWs sind geöffnet. Er bemerkt dabei, dass die Frau am Boden lag, mit den Füßen noch im Fahrerraum. Dabei bemerkt er, dass die Waffe fehlt und die Polizistin die Hand am Holster hat. Polizist liegt auf der Beifahrerseite auf dem Boden.

Anmerkung:

Die Zeitberechnung ergibt sich aus den ungefähren Standortangaben des Zeugen und den Zeitangaben der Weg-Strecken-Berechnung (google-maps). Hierbei geht aus den Aussagen nicht klar hervor wer auf welcher Seite lag. Polizistin liegt wie der Polizist neben dem Fahrzeug, jedoch sind die Beine noch im Fahrzeug. Möglich wäre, dass MK auf F-Seite und MA auf BF-Seite lag. Dies ist jedoch nicht ganz klar. In seiner zweiten Vernehmung korrigiert er folgendes:

Die Polizistin habe auf der Fahrerseite aus dem Auto gehangen und die „Taxis“ seien schnell von der Theresienwiese abgefahren. Mit Taxis werden womöglich die „echten Taxis“ gemeint sein, die von den Polizisten vom Tatort verscheucht wurden, ohne dass man deren Personalien und Aussagen aufgenommen hat.

Ungefähr 3-4 Minuten (geschätzte Zeit) nach seinem Eintreffen am Tatort, kommen auch die ersten Streifenwagen an. Kurze Zeit zuvor treffen die drei Taxi-Fahrer Ralf D. und Barbara H. ein. Kurz darauf folgt auch der Taxifahrer Mustafa K. mit seinem Taxi, fast zeitgleich mit der Polizei.

Jamil Chehade wird von einer Polizistin weg geschickt ohne dass diese die Personalien des Zeugen aufnehmen.

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Personen und Fahrzeuge unmittelbar nach der Tat

Um die Zeugenaussagen nacheinander im Zusammenhang zu bringen, werden diese weiter unten chronologisch in einem Text dargestellt. Als Stütze soll diese Grafik dienen.

Gegen 13:58 UHR und 14:00 UHR

Die Schüsse fielen gegen 13:58 UHR. Das Ehepaar F. machte gegen 14:00 UHR eine interessante Beobachtung. Sie beschreiben wie ein dunkelblauer Audi A 4 mit LB-Kennzeichen (11) in schneller Fahrt auf die Theresienwiese an der Zufahrt Schlachthof fuhr. Fahrer blond, Kurzhaarschnitt, weiterer Mitfahrer.

Anmerkung:

Die Aussagen des Ehepaars F. findet in den Akten nur eine knappe Erwähnung. Hier wird der Audi mit LB-Kennzeichen und nicht mit einem Mosbacher Kennzeichen angegeben.

Der Zeuge Andrei F. hörte nicht nur gegen 14:00 UHR die Schüsse, sondern er beschrieb eine Szenerie die er ungefähr vom alten Schlachthof aus beobachtete. Dabei sah er das Opferfahrzeug (0) und ein auf der Theresienstraße in südlicher Richtung davon flüchtenden blauen Wagen mit Mosbacher Kennzeichen(12).

Anmerkung:

In den Akten spielt er eine seltsame Rolle. Darin ist ein Vermerk, dass er sich diese Aussagen nur ausgedacht habe um die Belohnung ab zu kassieren. Außerdem soll er zur Tatzeit unter Drogen gestanden haben. Sowas soll´s ja geben. Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich bei seiner Phantasiererei ein blaues flüchtendes Fahrzeug mit Mosbacher Kennzeichen aus zu denken? Die erste Aussage über seine Sichtung wurde am 27.04.2009 wiederrufen. Er gibt das Fahrzeug unter anderem als einen Ford Kombi an. Gegen ihn lag zum Tatzeitpunkt ein BTM-Delikt vor.

Ungefähr im gleichen Zeitraum stand die Zeugin Lieselotte W. mit ihrem Wagen an der südlichen Kreuzung der Theresienwiese. Auch sie vernahm die Schüsse gegen 14:00 UHR. Dort sah sie am südlichen Eingang der Theresienwiese einen dunklen/blauen Wagen (13), eine Limousine mit Mosbacher Kennzeichen auf der Ecke warten, in welche ein flüchtender Mann (B) hinein hechtete. Kurz darauf fuhr der Wagen (13) in Richtung Böckingen mit hoher Geschwindigkeit davon.

Anmerkung:

Bei dem Fahrzeug (11) und (12) könnte es sich um dasselbe Fahrzeug handeln! In ihrer Aussage ist es auffallend, dass sie in ihrer zweiten Vernehmung angeblich andere Angaben zum Aussahen des Fahrzeuges und zur Örtlichkeit der Sichtung macht. Nicht nachvollziehbar – wieso so plötzlich (siehe dazu ihre Aussage).

Kurz nach 14:00 (:05+)UHR

Ungefähr wenige Minuten nach 14:00 UHR, sah der Zeuge Thorsten B. auf der nördlichen Seite des Bahndammes drei Männer (C) die Böschung hinunter rennen die nach Norden flüchteten.

Anmerkung:

Vielleicht haben diese Männer rein gar nichts mit der Tat zu tun, sie sollen hier aber dennoch Erwähnung finden. Der Zeuge Thomas K. sah um kurz vor 14:00 UHR drei Männer (A) von der Frankfurter Straße in Richtung Theresienwiese gehen. Vielleicht könnte es sich um die gleiche Sichtung handeln. Wer waren diese Personen? Waffendiebe? Täter? Unbeteiligte?

Anschließend fuhr der Zeuge durch die Unterführung hindurch und sah dass sich auf der Theresienwiese schon Polizei ((14) und (0)???) befunden habe.

Anmerkung:

Er spricht deutlich von kurz nach 14:00 UHR. Außerdem spricht er von Polizeifahrzeugen -> MERHZAHL! Kann es hierbei sein, dass der Zeuge den Streifenwagen vor der Einfahrt gemeint hat den auch Jürgen N. um kurz nach 14:00/05 UHR gesehen hat? Dann könnte die Sichtung nicht nur aus dem Opferfahrzeug (0) bestehen, sondern auch aus Jürgen N.s Streifenwagen-Sichtung (13). Das würde bedeuten, dass zwei Zeugen unabhängig voneinander und unmittelbar nach der Tat Polizisten nahe dem Tatort gesehen haben!

Ungefähr gegen 14:10 UHR

Anmerkung:

Das Polizeifahrzeug (14), welches vermutlich gesehen wurde, befindet sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr in Tatortnähe.

In dieser Zeit kommt der Zeuge Jamile Chehade aus Richtung Bahnhof und geht den Radweg der Theresienwiese entlang. Kurz vor der Theresienwiese, ungefähr auf Höhe des Stellwerkes, sieht er ein helles Fahrzeug (15) mit hoher Geschwindigkeit auf die Theresienwiese auffahren. Nach wenigen Augenblicken fährt dieses Fahrzeug wieder fluchtartig davon. Im ungefähr selben Augenblick fährt der Zeuge Heiko N. mit der S4 an der Theresienwiese vorbei. Dabei sieht er ebenfalls wie der Zeuge Jamil Chehade ein silbernes Fahrzeug (16) auf der Theresienwiese. Nach seinen Angaben stand das vier-türige Fahrzeug circa drei Meter schräg vor dem Opferfahrzeug (0). Personen konnte er keine wahrnehmen.

Auch ein anderer Zeuge, Herbert M., machte eine ähnliche Beobachtung. So sah er wie ein silberfarbener Mercedes, (17) vermutlich E-Klasse, mit hoher Geschwindigkeit aus der Theresienstraße auf die Otto-Konz Brücke und weiter in Richtung B-27 fuhr. Seine Angaben beziehen sich auf ungefähr 14:00 UHR oder kurz danach.

Fakt ist: Es gibt Tatortzeugen die wichtige Beobachtungen zum Tatgeschehen gemacht haben und denen verhältnismäßig wenig Beachtung geschenkt wurde.

Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 4

eine Serie von @riemenkarl

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Vortatphase. Weitere Zeugen.

Laut offizieller Darstellung und nach den an die SOKO gefaxten Einsatzlisten der BFE 523, dauert die Schulung zu dieser Zeit noch an. Weiter mit den Zeugenaussagen.

Zwischen 12:35 UHR und 12:40 UHR, Taxifahrer Mustafa K.

Der Zeuge bemerkte ein Polizeifahrzeug mit GP- Kennzeichen in der Kaiserstraße nahe Inselbrücke. welcher in Richtung Bahnhof fuhr.

Anmerkung:

Sollten Michele Kiesewetter und Martin Arnold mittags gegen 12:30 UHR und 13:30 UHR die angebliche Schulung besucht haben, so könnten diese unmöglich in dem gesehenen Fahrzeug gewesen sein.

GP-Kennzeichen: Fahrzeug zugehörig der 5.BePo in Göppingen?

12:45 UHR, Jamil CHEHADE

Der Zeuge kommt zu diesem Zeitpunkt das erste Mal am späteren Tatort vorbei. Er geht den Fahrradweg entlang in Richtung Innenstadt. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich kein Streifenwagen auf der Theresienwiese.

13:22/23 UHR, Markus W. (1)

Der Zeuge befuhr die Otto Konz Brücke von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn. Während er die Karlsruher Straße entlang fuhr, sah er auf der linken Seite auf dem Fahrbahnrad bzw. auf dem Gehsteig in Höhe der Bushaltestelle einen BMW 5er Kombi Streifenwagen abgestellt. Der Standort war am südlichen Ende der Theresienwiese gegenüber der Werkstatt Pit-Stop. Das Fahrzeug war unbesetzt.

Anmerkung:

Bei diesem Streifenwagen kann es sich nicht um den Streifenwagen handeln, der mit Michele Kiesewetter besetzt war. Sie soll zwischen 12:30 und 13:30 UHR im Polizeipräsidium Heilbronn bei einer M-Tex Schulung gewesen sein.

13:37 UHR (um diese Zeit herum), Alexander R. (2)

Der Zeuge sah auf Höhe der CC Bank in der Bahnhofsstraße, einen (vermutlich)BMW-Kombi-Streifenwagen in Richtung Bahnhof fahren. Zur Besetzung des Fahrzeugs konnte er keine Angaben machen. Er telefonierte um 13:37 UHR mit seiner Frau. Er geht davon aus, die Sichtung im Zeitraum des Telefonates gemacht zu haben.

Anmerkung:

Vermutlich handelt es sich bei der Sichtung von Zeuge Alexander R. und dem Ehepaar R.-S. um ein und dasselbe Fahrzeug. Grund hier führ, die zeitliche nahe beieinander liegenden Sichtungen und die Fahrtrichtung von Osten nach Westen (Bahnhofsstraße nach Kreuzung Bahnhofsweg/Frankfurter Straße).

13:35/40 UHR (ungefähr), Ehepaar R.-S. (3)

Die Zeugin Martina R.-S. fuhr mit ihrem Mann per Fahrrad von Heilbronn-Mitte in Richtung Westen, zu dem Fahrradweg der parallel der Gleise entlang führt. Dabei überquerten beide den Zebrastreifen an der Kreuzung Bahnhofsweg und Frankfurter Straße. Währenddessen fiel der Zeugin ein alter brauner Mercedes auf, der am dortigen Zebrastreifen anhielt. Dahinter befand sich ein Streifenwagen mit ortsfremdem Nummernschild (keine Heilbronner Nummer). Zu den Polizisten können keine Angaben gemacht werden, außer, dass es zwei waren (Geschlecht und Aussehen unbekannt). Die Marke des Streifenwagens ist unbekannt. Ihr Mann war bei einem späteren Gespräch über die Fahrzeugsichtung der Meinung, es habe sich im Mann und Frau als Besatzung gehandelt. Nach dem Überqueren der Straße, fuhr der Mercedes in Richtung Theresienwiese (von der Frankfurter Straße kommend links runter/südlich). Das Polizeiauto verlor sie aus den Augen, Fahrtrichtung unbekannt.

Anmerkung:

An anderer Stelle wird in den Akten vermerkt, dass dieses Polizeifahrzeug in Richtung Hafenstraße gefahren sein soll. In der Hafenstraße, bzw. am Salzhafen (ungefähr grobe Richtung) wurde auch die Sichtung der drei Russen und des blauen Audi 80 mit MOS-Kennzeichen, von Zeuge Mehmet C. gemacht.

13:45 UHR, Manfred K. (4)

Er kam von der Otto-Konz-Brücke in Richtung Heilbronn und sah im Zeitraum der genannten Zeit ein Streifenwagen neben sich stehen. Beide befanden sich auf der Karlsruher Straße. Der Streifenwagen fuhr bei der Grünphase nach links in Richtung Theresienstraße. Die Streife fuhr ein Polizeibeamter, einen Beifahrer sah er nicht.

Anmerkung:

An anderer Stelle wurde der Zeitpunkt der Sichtung mit 13:50 UHR angegeben. Dieser Streifenwagen muss ein anderer sein als die oben beschriebenen Zeugensichtungen. Er kam aus südlicher Richtung und fuhr nach Norden. Wenn der Streifenwagen mit Kiesewetter besetzt zu diesem Zeitraum von der Bahnhofsstraße (oder wo anders war) aus gekommen ist, dann muss dies folglich eine andere Streife gewesen sein. Vielleicht auch die gleiche, die später gegen 14:05UHR (laut Zeuge N.) am nördlichen Eingang der Theresienwiese gesehen wurde.

13:40 / 45 UHR, Michael L. (5)

Der Zeuge läuft auf dem Fahrradweg oberhalb der Theresienwiese von Böckingen in Richtung Heilbronn. Zu diesem Zeitpunkt sieht er neben dem Stromhäuschen ein Polizeifahrzeug.

13:45 UHR, Algis K. (6)

Der Zeuge befuhr die Fußgängerbrücke von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn Bahnhof. Auf Höhe der Theresienwiese sah er einen Streifenwagen parken, der jedoch nicht am späteren Tatort stand. Das Streifenfahrzeug soll im nördlichen Teil der Theresienwiese unter den dortigen Bäumen, mit der Fahrzeugfront in Richtung des Radweges bzw. der Bahngleise geparkt gewesen sein. Personen und Polizisten sah er nicht.

Anmerkung:

Wo stand dieser Streifenwagen? Standortwechsel (gab es ein Standortwechsel von Michael L.s Sichtung?)? Gab es einen zweiten Streifenwagen? War es der gleiche Streifenwagen den zuvor der Zeuge Manfred K. sah? Zeitlich könnte dies passen. Michael L. sah vermutlich den gleichen Streifenwagen. Hier könnte es sich um eine ähnliche Beobachtung handeln, wie sie Wolfgang A. gegen 11:45 UHR machte.

13:50 UHR, Margret S.

Die Zeugin befuhr mit ihrem Fahrrad die Fußgängerbrücke von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn Bahnhof. Kein Streifenwagen vor Ort. Lediglich vier weitere Autos.

Anmerkung:

Fuhr der besagte Streifenwagen weiter zu einem anderen (Treff-) Punkt? Derselbe Streifenwagen den Algis K. und Manfred K. zuvor gesehen hatten? Besetzt mit einem Mann als Fahrer laut Manfred K.?

13:50 UHR (ungefähr), Perihan Ö. und Havva N. (7)

Als die Zeuginnen in Richtung Bahnhof fuhr und vor dem Bahnhof an einem Fußgängerüberweg an einer roten Ampel warten musste, fiel ihr ein Polizeiauto auf, das ihnen entgegen kam (vom Bahnhof kommend). Der ungefähre Standort ist am Bahnhof Nähe Busparkplatz. Dies beschrieben sie als einen längeren Wagen, womöglich ein Kombi. Besetzt sei das Fahrzeug mit einer Polizistin als Fahrer und einen jungen Polizisten als Beifahrer. Die Polizistin hatte dunkelblonde bis braune hochgesteckte Haare und trug eine Sonnenbrille. Das Polizeiauto bog ab und fuhr in Richtung Schlachthof(grobe Richtung Theresienwiese).

Anmerkung:
Möglicherweise dieselbe Sichtung wie von den Zeugen R.-S., Algis K. und Alexander R. Sichtung müsste daher vor 13:50 UHR gemacht worden sein. Andernfalls ein weiterer/anderer Streifenwagen!

13:55 UHR (ungefähr), Alla S. (8)

Als die Zeugin sich gerade etwa auf halber Strecke zwischen der Hafenstraße und Beginn

der Eisenbahnbrücke auf dem Fußweg parallel zur Eisenbahnlinie befand, bemerkte sie einen Streifenwagen, der von der Hafenstraße kommend auf die Theresienwiese gefahren kam. Dadurch, dass sie schon auf halber Strecke der Theresienwiese war hatte sie nicht gesehen, aus welcher Richtung das Polizeiauto in die Theresienwiese eingebogen war. Zur genauen Uhrzeit befragt gab sie an, dass dies etwa gegen 13.50 Uhr oder 13.55 Uhr gewesen sein müsste. Auf die Frage, ob ihr zu diesem Zeitpunkt irgendetwas Besonderes oder Merkwürdiges aufgefallen war gab die Zeugin an, dass ihr aufgefallen war, dass das Polizeiauto langsam und „ruppig“ auf dem Platz in Richtung dem Stromhäuschen fuhr. Vordem Stromhäuschen bog das Polizeiauto nach links ein. Sie befand sich zu

diesem Zeitpunkt etwa in gleicher Höhe und lief geradeaus weiter über die Eisenbahnbrücke.

Anmerkung:

Das „ruppige“ Auffahren des Streifenwagens, beschreibt auch die VP aus der „Heroin-Auto-Spur“ in seiner Aussage.

13:55 UHR (plus wenige Minuten), Ewald R. (9)

Der Zeuge befuhr mit seinem Auto die Theresienstraße in südlicher Richtung um anschließend auf die Otto-Konz-Brücke ab zu biegen. Dabei stellte er fest, dass in Bereich der unteren (südlichen) Einfahrt der Theresienwiese ein Polizeiauto war. Er vermutet, dass dieses gestanden habe.

13:5? UHR (geschätzte Zeit), Thomas K. (A) und (10)

Der Zeuge befand sich gegen kurz vor 14:00 UHR (Zeit nicht ganz klar, zwischen 13:50 und 13:55UHR) mit seinem Fahrzeug in der Nähe Frankfurter Straße Kreuzung Theresienstraße. Dabei fielen ihm drei Männer auf, die aus der Frankfurter Straße von Richtung Bahnhof herunter kamen und in Richtung Theresienstraße liefen. Der Zeuge beschrieb die Personen als südost-europäisch aussehend. Möglicherweise war auch noch ein vierter dabei, der aus südlicher Richtung vom alten Schlachthof kommend, zu den drei Männern dazu stieß. Kurz nach dieser Beobachtung fuhr er mit seinem Fahrzeug von der Frankfurter Straße nach links in die Theresienstraße in Richtung Süden. Der Zeuge bemerkte dabei auf der Höhe des alten Turms (Luftschutzbunker auf der Theresienwiese), ein Streifenwagen, vermutlich einen kleinen Van, welcher ihm entgegen kam.

Anmerkung:

Martin Arnold gab bei seiner ersten Vernehmung an sich daran erinnern zu können, am Tattag in einem VW T-4 Bus gesessen zu haben. Es könnte sich dabei aber auch um dieselbe Sichtung handeln, die auch die Zeugen Markus W., Manfred K. und Ewald R. sahen. Hierbei könnte es sich um ein anderen Streifenwagen handeln der von Süden in Richtung Theresienwiese fuhr.

Übersicht zu den Polizeiwagen-Sichtungen unmittelbar vor der Tat

DIE Streifenwagen. Eine Grafik sagt mehr als tausend Worte.

Aus den Darstellungen der Zeugen fällt eines ganz besonders auf:

Es muss mehrere Streifenwagen gegeben haben die im ungefähr gleichen Zeitraum in der Nähe der Theresienwiese waren. Zwar wird von einzelnen Zeugen ein BMW als Streifenwagen angegeben, jedoch stellt sich die Frage, war dies jener BMW 5er der mit Kiesewetter besetzt war?

Gab es noch mehr BMW 5er Streifenwagen (von der BePo)?

Am 25.04.2007 befanden sich nachfolgende Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei im Einsatz:

1. GP-3464, BMW 5’er, Opferfahrzeug (BFE 523)

2. GP-3***, Opel Omega, Zivilfahrzeug (EZ514)

3. GP-3***, Ford Fiesta, Zivilfahrzeug (BFE 523)

4. GP-3***, VW-T4, Streifenfahrzeug (EZ 514)

5. GP-3***, Audi, Zivilfahrzeug (BFE 522, eingesetzt in Neckarsulm)

6. GP-3***, Daimler Benz, Zivilfahrzeug (BFE 522, eingesetzt in Neckarsulm)

Ergo: Wenn diese Liste stimmt, können die gemachten Zeugensichtungen nicht alle ein BMW 5er gewesen sein. Es muss mehrere Fahrzeuge gegeben haben.

Anmerkung:

Streifenwagen von anderen Einheiten sind hierbei jedoch unberücksichtigt geblieben und nicht in der Liste mit aufgeführt.

Zu berücksichtigen sind hierbei auch die Zeiten der gemachten Beobachtungen. Man muss bei manchen Fahrzeugen und der zeitlichen Nähe einzelner Beobachtungen zueinander davon ausgehen, dass es sich dabei um ein Fahrzeug handelt welches von mehreren Zeugen gesehen wurde. Trotz zeitlicher Unterschiede, könnte als eventuelles Beispiel dafür die Fahrzeuge 2,6 und 3 in Frage kommen.

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Interpretation zu den Sichtungen in der Phase vor der Tat.

Fest zu stehen scheint, dass es mindestens zwei unterschiedliche Streifenwagen gab.

Zumindest eines dieser Fahrzeuge näherte sich von Nord-westlicher Richtung, vom Bahnhof kommend. Bei den Sichtungen (2), (6) und (3) (eventuell auch (7) könnte es sich um ein und dasselbe Fahrzeug handeln. Trotz leichter zeitlicher unterschiede und den Beschreibungen aus den Zeugenaussagen könnte dies dennoch Nahe liegen. Dass in dieser „Sichtungskette“ noch ein weiteres Fahrzeug beinhaltet sein könnte, kann letztendlich nicht völlig ausgeschlossen werden. Auffällig hierbei Fahrzeug (6), welches deutlich später als eben genannte gesehen wurde. Hierbei werden aber von den Zeugen eine Frau(Fahrerin) und ein Mann beschrieben. Welche Rolle das Fahrzeug (5) anhand der Zeugenaussagen und im Einklang mit der Darstellung über die Tat spielt, erscheint sich nicht zu erschließen.

Jedoch nicht nur der spätere Tatort ist hierbei auffällig, sondern auch das nähere Umfeld. Auch an der südlichen Einfahrt der Theresienwiese befand sich ein Streifenwagen. Seltsamerweise auch ungefähr an gleicher Stelle wo die Zeugin W. gegen14:00 UHR ihre Sichtung machte. Ein Streifenwagen wurde nicht nur gegen 13:22 UHR sondern auch gegen 13:55 UHR dort stehen gesehen. Das Fahrzeug (4) des Zeugen Manfred K. (gesehen um 13:45 UHR) und das Fahrzeug (8) von Ewald R. (gesehen um 13:55 UHR), könnten aufgrund der zeitlichen und örtlichen Nähe ein und dasselbe Fahrzeug sein. Auffällig bei (4), das Fahrzeug fuhr ein Mann. Einen Beifahrer gab es hierbei nicht. Beispielsweise könnte (4) an das südliche Ende der Theresienwiese fahren um als (8) dort zu parken, so wie es (1) gegen 13:23 schon tat. Dieses Fahrzeug könnte auch gegen 14:00 UHR wieder gesehen worden sein. Dabei stand ein Streifenwagen am nördlichen Eingang der Theresienwiese. Die zeitliche und örtliche Nähe könnten diesen Verdacht erhärten.

Die Sichtung (9) könnte hierbei völlig aus dem Rahmen fallen und zum dritten Fahrzeug werden. Mögliche wäre aber auch, dass es das zuvor gesehene Fahrzeug (4) bzw. (8) wurde, welches sich als (9) in Bewegung setzt. Der Zeuge beschrieb jedoch die (9) als einen „kleinen Van“ oder ähnliches. Somit möglicherweise abwegig zu (4) und (8) die als BMW 5er beschrieben wurden.

Einzelne Sichtungen sagen auch deutlich aus, dass ein BMW 5er Streifenwagen schon vor dem Tatzeitpunkt (z.B. gegen 11:30 bis 11:45 UHR) auf der Theresienwiese und auch am späteren Tatort gesehen wurde. Hierbei könnte es sich zumindest um Michele Kiesewetter gehandelt haben.

Ob Martin Arnold als Mitglied dieser Streifenbesatzung vor Ort war ist fraglich. Sicherlich kann er aber trotzdem schon vormittags dort gewesen sein, was nicht zweifelsfrei klar ist. Ein Grund für seine vormittägliche Anwesenheit könnten gefundene Zigarettenkippen der beiden Opfer sein, die am späteren Tatort außerhalb und weiter hinter dem Fahrzeug liegend gefunden wurden. Hier könnte man eventuell annehmen, dass ein vorheriger Aufenthalt am Tatort stattgefunden habe und das Fahrzeug im Gegensatz zum späteren Auffinden weiter zurück gestanden haben könnte. Weiter in dieser Annahme gedacht, könnten die beiden Opfer sich ihrer Zigarettenkippen vom Auto aus sitzend entledigt haben, was dadurch den Auffinde-Punkt beider Kippen erklären könnte.

Es muss aber allemal eine Absicht vermutet werden, warum dieses (oder ein anderes Fahrzeug) mehrmals den späteren Tatort anfuhr! Nach wie vor ist der gesamte Tagesablauf beider Opfer in Frage zu stellen und völlig ungeklärt. Auch weiß man offenbar nicht wo der BMW den ganzen Tag über war.

Anmerkung:

Über das im Dienst-Kfz installierte Navigationsgerät wurde versucht die Aufenthaltsorte und die letzte Fahrtstrecke des Dienst-Kfz zu rekonstruieren. Trotz zahlreicher differenzierter Untersuchungsansätze zum Auffinden möglicher mitgeloggter GPS-Koordinaten, konnten keine Koordinaten im Arbeitsspeicher des Geräts festgestellt werden.

Ende Teil 4

Heilbronn am 25.04.2007. Der Tagesablauf, Teil 3

eine Serie von @riemenkarl

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Zusammenfassung zum Vormittag und Mittag.

Zwei uniformierte Bäckerei-Kamps-Kunden. Vermutlich gegen 11:00 UHR.

Vorweg ist der Wiederspruch zu den Zeiten zu erwähnen.

Während der ersten Befragung wurde von den Zeugen fast übereinstimmend gesagt, dass die beiden Polizisten gegen 11:00 UHR in der Bäckerei eingekauft haben. Am ehrlichsten kommt der unbeteiligte Zeuge L. in dieser Darstellung vor, der schräg gegenüber der Bäckerei in einem Café gesessen hat und die Szene des Einkaufs zufällig beobachtete. Er gab die Zeit mit 11:00 UHR an.

Die Auszubildende der Bäckerei, Bianca V. legte sich ebenfalls auf 11:00 UHR fest.

Gertrud V. sagte zunächst zwischen 10:30 UHR und 11:00 UHR aus, gab dann in einer späteren Vernehmung die Zeit mit nach 11:00 UHR an – was ihre Nichte Bianca V. dann ebenfalls nachträglich bestätigte. Zur genauen Prüfung der Uhrzeiten wurden die Einkaufszeiten der Kasse mit den gekauften Waren der Polizisten überprüft. Hierbei ergab sich ein in Frage kommender Zeitraum von 11:26 UHR bis 11:30 UHR. Ein Uhrzeitvergleich mit der Kasse der Bäckerei ergab einen Vorlauf von 56 Minuten. Ergo ergäbe sich daraus eine Zeit des Einkaufes von 12:22 Uhr bis 12:25 Uhr. Diese Zeiten können nicht stimmen und passen allesamt nicht in den offiziellen Tagesablauf der beiden Opfer hinein. Völlig widersprüchlich und nicht ausermittelt.

Anmerkung:

Martin Arnold gab an vor dem Anschlag beim Bäcker gewesen zu sein und unmittelbar danach auf die Theresienwiese gefahren zu sein um dort Pause zu machen. Der Zeitpunkt wird durch seine Aussage so suggeriert, dass es sich um kurz vor 14:00 UHR handelt(Wortlaut: vor der Tat). Was wurde ihm aber nachträglich „eingeredet“ um seine Erinnerungslücken auf zu füllen? Seine Darstellung scheint widersprüchlich zu den erst gemachten Zeugenaussagen vom Bäcker zu sein. Hierbei nochmal: Die Zeugen gaben in der ersten Aussage allesamt den ungefähren Zeitraum von 11:00 UHR an!

Eine andere Auffälligkeit zu den Backwaren-kaufenden Beamten sind ihre Beschreibungen. Was klar von den Zeugen gesagt wird ist, dass es sich um einen Polizisten und eine Polizistin gehandelt haben soll. Der Zeuge L. konnte vom gegenüberliegenden Café die Szene beobachten. Er konnte die Beamten und das Fahrzeug beschreiben. Das Polizeifahrzeug identifiziert er als einen BMW 5er Touring. Er habe die Frau wiedererkannt, als er in der Zeitung von dem Anschlag hörte und darin das Bild der getöteten Polizistin sah. Somit liegt nahe das es sich hierbei um Michele Kiesewetter handelt. Aber wer war der Beamte? Dieser wird von den Verkäuferinnen als ein junger blonder Polizist beschrieben. Auch haben sie ihn erkannt, da er schon öfter dort eingekauft hat. Der Zeuge L. gibt ferner an, dass der Polizeibeamte den BMW 5er Touring gefahren haben soll. Hierbei gibt es zwei große Probleme: Martin Arnold ist nicht blond. Er hat dunkle Haare. Außerdem war Martin Arnold zum ersten Mal in Heilbronn im Einsatz. Ergo konnte man ihn nicht „wieder erkennen“. Auch sagt Martin Arnold selbst aus, dass Michele Kiesewetter die ganze Zeit über Fahrerin des BMWs war.

Die Frage liegt also nahe: Wer war also vormittags der blonde und BMW-fahrende Beamte in Begleitung von Michele Kiesewetter?

links MA, mittig das den 3 Kamps-Damen vorgelegte Foto?, rechts Dominik W.

Diese Angabe könnte sich mit der Aussage des Zeugen Otto S. decken, der gegen 11:27 UHR wenige Kilometer entfernt, einen BMW 5er in der Frankfurter Straße sah der auf die Theresienwiese fuhr. Hierbei gibt er an, dass ein junger Polizeibeamter den Streifenwagen gefahren haben soll. Nähere Angaben konnte er aufgrund der kurzen Beobachtungszeit nicht machen. Geht man außerdem von der zeitlichen Nähe der (ersten) Zeugenbeschreibungen vom Bäcker aus, dann könnte es sich hierbei durchaus um dieselben Beamten und um dasselbe Fahrzeug handeln.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/05/13/trugspuren-in-heilbronn-2007/

(Die?) Streifenwagen am späteren Tatort

Die Mehrzahl der Zeugen beschreiben ganz deutlich, dass eine Polizeistreife besetzt mit einer Frau und einem Mann vormittags auf der Theresienwiese war. Diese Sichtungen beziehen sich auf den Zeitraum von circa 11:30 UHR bis circa kurz vor 12:00 UHR und könnte somit ein und dieselbe Streife sein. Bei der gesehenen Polizistin wird es sich wahrscheinlich um Michele Kiesewetter handeln. Begründet wird dies durch die Aussagen der Verkäuferinnen der Bäckerei Kamps und durch einen weiteren Zeugen. Die Identität des Beifahrers ist hierbei unklar. Ob es sich um Martin Arnold handelt ist nicht ersichtlich aber aus vorangegangener Darstellung eher unwahrscheinlich. Aber aufgrund von eventuell mehreren Polizeifahrzeugen ist hierbei auch ebenfalls nicht klar, ob Michele Kiesewetter die ganze Zeit über auf der Theresienwiese war. Aus den Zeugenaussagen geht stellenweise nicht hervor um welchen Fahrzeugtyp es sich bei dem gesehenen Streifenwagen gehandelt hat. Die Möglichkeit ist schlichtweg nicht aus zu schließen, ob es mehrere Streifenwagen am späteren Tatort gab, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum.

Eine Mutmaßung. Ein möglicher Ablauf zum Vormittag könnte folgender sein:

Man denke hierbei an den blonden Polizisten, der mit Michele Kiesewetter ungefähr gegen 11:00 UHR bei der Bäckerei Kamps einkaufen war und auch den BMW 5er Touring fuhr. Anschließend wird gegen 11:27 UHR vom Zeugen Otto S. ein junger Polizeibeamter als Fahrer eines Streifenwagens in der Frankfurter Straße beobachtet, der anschließend auf die Theresienwiese auffährt.

Anmerkung:

Der Streifenwagen wird von ihm als ein Kombi beschrieben. Vermutlich handelt es sich hierbei anhand der Beschreibungen um dasselbe Fahrzeug mit denselben Insassen wie bei der Bäckerei Kamps.

Weitere Zeugen beschreiben übereinstimmend einen neben dem Trafohaus stehenden Streifenwagen für den Zeitraum von 11:30 UHR bis circa 11:45 UHR. Anschließend gibt es für die Uhrzeit von circa 11:45 UHR zwei andere aber übereinstimmende Darstellungen zum Standort des (oder von einem) Streifenwagen. Darin heißt es, dass der Streifenwagen nicht neben dem Trafohaus stand, sondern, dass das Polizeiauto circa 30m nördlich von der Einfahrt entfernt in der Sonne, mit der Fahrzeugfront nach Norden zeigend geparkt gewesen sei. Nicht wie später in den Akten vermerkt gibt der Zeuge Wolfgang A. an, dass das Fahrzeug unbesetzt gewesen sei, sondern die von ihm gesehene Polizeibesatzung aus einer Frau und einem Mann bestanden habe. Bei der Polizistin habe es sich um die ermordete Michele Kiesewetter gehandelt. Er sei sich deshalb sicher, da er das Foto der Getöteten später in den Medien wieder erkannte. Zum Polizisten konnte er keine Angaben machen.

Anmerkung:

Diese Aussagen machte der Zeuge Wolfgang A. gegenüber Georg Lehle, welcher den Zeugen anrief um Unklarheiten und Widersprüche aus seiner Aussage ausräumen zu können.

Gegen 11:45 UHR (oder wenige Minuten später) wird der Streifenwagen an einem anderen Standpunkt gesehen (nördlich der Einfahrt). Martin Arnold beschreibt diesen Standort ebenfalls in einer seiner Aussagen.

Könnte der Streifenwagen seinen Standort gewechselt haben? Aber wo liegt hierfür der Grund wenn dem so wäre?

Gab es vielleicht noch einen zweiten Streifenwagen? (zeitliche Lücken in den Zeugensichtungen?) Gibt es Verwechslungen innerhalb der Zeugenaussagen? -> Gegen kurz vor 12:00 UHR steht der (ein) Streifenwagen wieder am späteren Tatort. Martin Arnold sagt, sie wären nur einmal vormittags dort gewesen. Völlig wirr und nichts geklärt.

http://friedensblick.de/26325/heilbronner-polizistenmord-die-vertuschte-3-maenner-spur/

Während oder kurz nach 11:45 UHR wird der Standort des Streifenwagens wieder damit angegeben, dass dieser bis circa kurz vor 12:00 UHR neben dem Trafohaus gestanden haben soll. Laut der Zeugin Elke J. soll sich der neben dem Trafohaus geparkte Streifenwagen, in der Zeit zwischen 11:30 UHR und 12:00 UHR, langsam von der Theresienwiese entfernt haben.

Anmerkung:

Die Zeiten der Zeugin sind leider nicht ganz klar und scheinen sich mit anderen Aussagen (zeitlich) zu widersprechen.

Auch sie gibt als Streifenwagenbesatzung einen Mann und eine Frau an. Angaben wer von beiden fuhr finden sich nicht in den Akten.

Hierbei liegt der Verdacht nahe, dass Michele Kiesewetter zu dem genannten Zeitpunkt auf der Theresienwiese war, jedoch Martin Arnold als Teil der gesehenen Streifenwagenbesatzung womöglich (noch) nicht. Nichts ist zweifelsfrei ausermittelt. Keine Klarheit.

War Martin Arnold gegen 11:30 UHR schon einmal MIT Michele Kiesewetter auf der Theresienwiese, oder vielleicht etwas später?

Zweifelsfrei kann das niemand genau sagen. Seine eigenen Angaben zum vormittäglichen Ablauf sind widersprüchlich. Er selbst gibt auf jeden Fall in seinen weiteren Vernehmungen an, dass er vormittags schon einmal (1x) mit Michele Kiesewetter auf der Theresienwiese war. Diese Darstellung bleibt in seinen Vernehmungen bestehen, jedoch ändern sich in seinen Erzählungen die Standorte auf der Theresienwiese.

  1. Version

Hierbei sollen beide außerhalb des Wagens und neben dem Trafohaus stehend geraucht haben. Später fand man am Tatort weiter hinter dem Fahrzeug noch zwei weitere Zigarettenkippen, außer den beiden die man von den Opfern im Auto fand.

  1. Version

Eine andere Darstellung zum Standpunkt könnte wieder zu den Schilderungen der Zeugen Wolfgang A. und Thomas A. von 11:45UHR passen. O-Ton:

Bei der ersten Rauchpause waren wir nicht an der gleichen Stelle,

sondern irgendwo weiter in der Parkreihe da vorne. Aber auch links von dem Weg hier.“

Anmerkung: bei dieser Aussage saß er mit der Psychologin im Fahrzeug neben dem Trafohaus, um den Tatablauf am Tatort unter Hypnose nacherzählen zu können. Bei seiner Beschreibung wird wohl der Bereich der nördlichen Einfahrt der Theresienwiese gemeint sein.

Das Problem bei beiden Versionen -obwohl sie zunächst plausibel erscheinen- ist, dass er bei seinen Aussagen keine zeitlichen Angaben macht. Außerdem ändert er seine Version zum Standort ab.

Kurz um, es widerspricht sich und ein klarer Ablauf wird dadurch nicht ersichtlich.

Anmerkung:

Andernfalls könnte eine Mischung aus beiden Versionen insofern einen Sinn ergeben, wenn man den zeitlichen Ablauf der Zeugensichtungen Von 11:30 UHR bis circa 12:00 UHR berücksichtigt, welche einen „Standortwechsel“ beinhalten könnte. Zunächst stand ein Streifenwagen am Trafohaus, dann (laut den Zeugen Thomas A. und Wolfgang A.) bei circa 11:45 UHR in der Nähe der nördlichen Einfahrt, und anschließend wieder um kurz vor 12:00 UHR beim Trafohaus.

Auch könnte man durch seine „beiden Versionen“ auf die Idee kommen, dass er mehr als einmal vormittags am späteren Tatort gewesen zu sein scheint. Widersprüchlich hierbei die Vermutung über den Anruf von 10:12 UHR. Jedoch suggerieren seinen Aussagen, dass sich dies nur auf einmal vormittags bezieht. Zu berücksichtigen ist auch sein Erinnerungsvermögen.

Bei seiner Aussage zum Tatablauf gibt er noch einen weiteren markanten Punkt an. So sagt er, dass nachdem beide von der Bäckerei kamen, sie anschließend unmittelbar vor dem Anschlag auf direktem Wege zur Theresienwiese gefahren seien. Der Zeitraum vom „unmittelbar vor dem Anschlag“ ist jedoch nachmittags gegen 13:58 UHR und nicht vormittags gegen 11:00 UHR, so wie es anfänglich die drei Zeugen vom Bäcker aussagten! Hierbei unberücksichtigt die Uhrzeiten des Einkaufes, so passt alleine die Aussage schon nicht direkt vom Bäcker zur Theresienwiese gefahren zu sein, woraufhin unmittelbar darauffolgen der Anschlag stattfand.

Anmerkung:

Was durch diese Aussage deutlich werden könnte ist, dass Martin Arnold womöglich nur einmal auf der Theresienwiese (also unmittelbar vor dem Anschlag) gewesen ist!

Auffallend hierbei, die Änderung der Einkaufszeiten bei der Bäckerei Kamps. Von circa 11:00 UHR, später auf circa 11:30 UHR und dann wiederum – aufgrund einer angeblich falsch gehenden Kassenuhr- auf circa 12:30 UHR abgeändert. Die Uhrzeit rück so zu sagen immer näher an den Zeitraum der Tat!

Seine Schilderungen sind in ihrem Ablauf völlig wild und unklar. Manches steht nach wie vor gegensätzlich und ungeklärt im Raum. Ein deutlicher Widerspruch zu seinen Schilderungen könnten die drei Zeugenaussagen der Bäckerei Kamps sein. Ebenfalls spielt der ominöse Anruf um 10:12 UHR dort mit hinein. Durch den vermutlich kurzfristig telefonisch mitgeteilten Dienstantritt Martin Arnolds, die Beschreibungen der Bäckerei-Verkäuferinnen, der vermutlich damit zusammenhängenden Sichtung des Zeugen Otto S. und Martin Arnolds Widersprüchen in seinen Aussagen, bleibt allemal ein „Geschmäckle“ und will nicht so recht zur offiziellen Darstellung passen.

Eine nicht ganz uninteressante Denkrichtung zum Streifenpartner Michele Kiesewetters hat Georg Lehle vom Friedensblick:

http://friedensblick.de/25087/teil-8-nutzte-michele-kiesewetter-die-theresienwiese-als-pausenort/

Der blaue Audi von 11:30 UHR

Der Zeuge Mehmet C. beschrieb jenen blauen Audi A4 mit Mosbacher Kennzeichen, der auch im späteren Tagesverlauf noch eine interessante Rolle einnehmen wird. An dem Ort wo der Zeuge seine Sichtung machte wurden später auch Gegenstände zur Spurensicherung asserviert. Hierbei fand man ein silbernes Feuerzeug und ein paar Zigarettenkippen um DNA-Spuren und Fingerabdrücke zu sichern. Als Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung: Bei beiden Gegenständen wurden keine auswertbaren/brauchbaren Spuren festgestellt. Kurios und widersprüchlich hierbei, das silberne Feuerzeug wird später in den Akten als ein buntes Feuerzeug abgebildet, nicht als ein silbernes, so wie es durchweg in den Akten beschrieben wurde. Die nicht auswertbaren Spuren im Zusammenhang mit dem blauen Audi und seiner Besatzung bilden eine große Auffälligkeit. Dazu später mehr.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/04/21/das-merkwurdige-feuerzeug-der-russen-vom-tatort-heilbronn-ist-ein-schlussel/

Michele Kiesewetters Handy-Log-In am Europaplatz

Ihr Privathandy war laut den aufgelisteten Daten gegen 11:36 UHR und 11:47 UHR in der Nähe des Europaplatzes eingeloggt.

Anmerkung:

Geht man davon aus, dass Michele Kiesewetter von 11:30UHR bis circa kurz vor 12:00 UHR auf der Theresienwiese gewesen sein soll, dann stehen die Log-In-Daten ihres Privathandys dazu teilweise im Widerspruch. Gab es einen Wechsel der Fahrzeuge? Gab es mehrere Fahrzeuge zur genannten Zeit auf der Theresienwiese? War Michele Kiesewetter im Zeitraum von 11:30 UHR bis circa 12:00 UHR kurzzeitig nicht (mehr) auf der Theresienwiese? Änderte sie ihren Standort? Nichts ist klar. Auch hier wieder die Frage, war Michele Kiesewetter Teil der Streifenwagenbesatzung am Vormittag?

Ein anderer Hinweis wegen der Log-In-Örtlichkeit:

In einer Vernehmung von Steffen B. (Angehöriger des PD Neckarsulm) sagte dieser aus, dass ab dem 28.03.2007 auch Angehörige der BFE-523 an Aufträgen zur Drogenbekämpfung in Neckarsulm beteiligt gewesen seien. Auch am Tattag gab es Einheiten der BFE-522 die in Neckarsulm tätig waren. Unter anderem wurde im Zuge dieser Einsätze auch der nahe gelegene Plattenwald in Bad Friedrichshall angefahren. Während dessen wurde den tätigen Beamten auch der Europaplatz in Heilbronn als Brennpunkt vorgestellt um diesen auch innerhalb eines Einsatzes mit zu bestreifen. Steffen B. war für die Einsatzkonzeption „Methadon“ in Neckarsulm zuständig. Auch waren am 25.04.2007 Einheiten der BFE-522 in Neckarsulm, also circa 2km von Heilbronn entfernt im Einsatz.

Gab es an diesem Tag einen größeren Einsatz worin sich beide Einheiten aushalfen und sich Streifengebiete teilten?


War Michele Kiesewetter vielleicht wegen eines ähnlichen Einsatzkonzeptes in dieser Gegend eingeloggt? Mit Sicherheit hätten die nicht auswertbaren Dienst-Navi-Daten des BMWs Klarheit verschaffen können. Gleiches betrifft die Aufzeichnungen des Diensthandys. Diese Daten „gingen auf dem Postweg verloren“ und wurden nicht neu angefordert. Das Handy lag eingeschaltet im BMW-Streifenwagen. Es wäre für die Rekonstruktion des tatsächlichen Geschehens unverzichtbar gewesen, da es den Aufenthalt des 5er-BMW Touring an jenem Tag verraten hätte.

M-Tex-Schulung

Die offizielle Darstellung über die Schulung ist absolut fraglich. Das Thema der Schulung konnte später kein einziger der daran teilnehmenden Kollegen mehr genau erinnern. Auch gibt es Unklarheiten über die Dokumentation, die fehlenden Teilnehmerlisten und über den genauen Inhalt der Schulung. Später lautete die offizielle Darstellung es sei eine Schulung gewesen um Anzeigen in elektronischer Form auf zu nehmen. Manche Kollegen von Michele Kiesewetter hielten eine vormittägliche Schulung an diesem Tag für unlogisch, da ihre Einsatzzeiten (angeblich gleich wie bei MK, auch laut offiziellem Dienstplan) um 12:30 UHR angefangen und um ungefähr 19:00 UHR geendet haben. Der Schulungsleiter Uwe Z. bestätigt indirekt auch den Dienstantritt von 12:30 UHR, indem er sagt, dass zum genannten Zeitpunkt die Schulung begonnen hätte. Laut MKs Kollegin Jeannette H. soll die Schulung vormittags gewesen und um 12:00 UHR geendet sein. Michele Kiesewetter soll während der Schulung neben ihr gesessen haben. Die Uhrzeit steht im Wiederspruch zur offiziellen Darstellung. Worin es heißt, die Schulung ging von 12:30 UHR bis 13:30 UHR.

Zu viele Widersprüche, zu viel unklar.

Anmerkung:

Sollte die Schulung mit Martin Arnold und Michele Kiesewetter vormittags abgehalten und um 12:00 UHR beendet worden sein, dann konnten beide schlecht am Vormittag (gemeinsam?) auf Streife (und auf der Theresienwiese von 11:30 bis circa 12:00 UHR) gewesen sein. Auch würden die Handydaten von Michele Kiesewetter in diesem Zeitraum dagegen sprechen, da sie sich währenddessen in der Sülmer Straße aufhielt. Laut MKs Log-in Daten war sie gegen 12:15 UHR in der Nähe des PD Heilbronn. Es ist anhand der vielen Unklarheiten fraglich ob es diese Schulung überhaupt gegeben hat. Und wenn nicht: wo waren die Kollegen, einschließlich die beiden Opfer während dieser Zeit? Wenn es die Schulung doch gab: Kiesewetter wurde bei der angeblichen Schulung gesehen, Arnold hingegen nicht! An Martin Arnold erinnerte sich keiner der angeblichen Schulungsteilnehmer. Wo war also Martin Arnold mittags von 12:30 UHR bis 13:30 UHR, wenn er nicht auf der Schulung war und eventuell auch zuvor nicht mit Michele Kiesewetter (durchgängig?) Streifendienst gemacht hat? Nichts ist zweifelsfrei klar was diesen Zeitraum angeht.

 

Ende Teil 3.